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Archiv für November 2017

7,6 Mrd. EURO. #S21 – wird hier die Zukunft gebaut oder verbaut?

Donnerstag, 30. November 2017

Jetzt wird #S21 bis 2014 7,6 Mrd. EURO Kosten: Und 2020 wird man uns erzählen 12 Mrd. und dann wird die Bahn 2032 fertig sein wollen?

Aus aktuellem Anlass holen wir diesen Artikel aus der Serie #S21nochmal ganz nach oben:

Aller Widerstand gegen das Mammutprojekt S21 hat nichts genützt. Dachte man noch zu Beginn der Montagsdemonstrationen, dass die Grünen das Problem kritisch sehen würden, was ihnen sogar half, die Schaltstellen des Landes und dieser Stadt zu erobern, tun sie aber schon lange so, als ob sie Volkes Wille nur ausführen würden.


Was sagen die Grünen heute?

Ob das Land dieses Versprechen einhalten wird?


Mit dem Herzen waren die Grünen nie dabei, das dürfte man ihnen vielleicht zugute halten, aber gute Absichten unterliegen politischen Machtinteressen und S21 zu bauen, war vielleicht der einfachere oder überhaupt ein Weg, an der Macht zu bleiben. Wie auch immer, die Geschichte, wie das Projekt beschlossen wurde, ist eine politische Tragödie, denn es wurde hoch und heilig eine Deckelung der Kosten versprochen, 4,6 Milliarden Euro und > unter diesen Voraussetzungen wurden die Bürgern am 27. November 2011 an die Urnen gerufen. Man kennt die Taktik, vor Kaufentscheidungen die Preise herunterzureden, manch ein Telefonanbieter macht das ständig, da steht der niedrige Lockpreis mit einem kleinen Sternchen und dann folgt das Kleingedruckte. „Lesen Sie das Kleingedruckte…,“ hätten die Politik ehrlicherweise sagen müssen und dann vom Bürgen ein „Ja“ statt ein „Nein“ zur Fortsetzung der Bauarbeiten – also gegen das Ausstiegsgesetz – verlangen müssen.

> François Hollande: Zum Stuttgarter Bahnhof gab es eine Volksbefragung… – 14. Juni 201
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Diese Ja/Nein Spiel war pure Trickserei. Nun müssen sich diejenigen, die damals für die Bedingungen der Volksbefragung verantwortlich zeichneten, sagen lassen, sie hätten mit der Demokratie gespielt und die volle Wahrheit verheimlicht. Ein klares Ja zur Frage, wollen Sie, dass der Stuttgarter Hautbahnhof in einen Durchgangsbahnhof umgewandelt wird und dazu 50 km Tunnel unter die Stuttgarter Berge gegraben werden? wurde nie erfragt. Stattdessen politische Macht- und Ränkespiele aber keine Diskussion um die Qualität des Bauprojekts für die gesamte Stuttgarter Stadtplanung. Die Bahn hat hier das Sagen, und die Stadt gibt sich einfallslos oder desinteressiert.

Irgendwie ist das Projekt auch ein eindrucksvolles Zeugnis der Ingenieurskunst. 50-60 km Tunnel unter und durch die Stuttgarter Berge allem Keuper- und ähnlichem Gestein zum Trotz. Kein Zug muss mehr umständlich über ein denkmalgeschütztes Verwerfungsbauwerk in die Stadt zu fahren. Auch das Rausfahren geht viel schneller, einfach nur weiterbrausen. Irgendwie ist das Projekt auch eine Fortsetzung der Idee der autogerechten Stadt, der Beschleunigung, der grenzenlosen Mobilität ohne Sorge um jedwede Ressourcen, die vollkommene > Missachtung des Fußgängers einschließlich der Vernichtung der Räume, wo er sich aufhalten kann. Das gilt ganz besonders heute mitten in der Stadt, wo die Bürger auf Jahre hinaus mit einer Großbaustelle leben müssen, die immer neue Einschränkungen verlangt: was für lange Wege im Bahnhof bis zu den Gleisen! Dazu kommt die Verwahrlosung des aktuellen Hauptbahnhofs, die langen Wege zur S-Bahn….

Stuttgart als eindrucksvoller Nabel der Welt, das aufgrund seiner geographischen Lage sich doch bitteschön etwas bescheidener geben sollte, denn dies ist eine Stadt zum Ankommmen, wer von München nach Basel reist, braucht nicht nach Stuttgart zu kommen, und von Hamburg nach München geht es über Würzburg. Wer von Paris nach Bratislava reist, wird gar nicht mehr merken, wie sein Zug unter Stuttgart durchbraust.

Tunnelbau und Tunnelpflege? Wann wird es den Verantwortlichen endlich dämmern, was künftige Generationen aufwenden müssen, um die Tunnel unter den Stuttgarter Bergen zu pflegen, damit auch künftig die ICEs und TGVs dort fahren können? Aus Sicherheitsgründen werden sie nach einigen Jahren immer langsamer fahren müssen, weil die Erschütterungen und die Belastungen für die Tunnel auf die Dauer einfach zu groß sein werden. Wird ein Tunnel saniert, stockt der Zugverkehr im ganzen Ländle? Darf man vermuten, dass die Betriebskosten die Baukosten um ein Vielfaches übersteigen werden? Je mehr Technik, je mehr Tunnelkilometer, um so mehr werden die Zwischenfälle herausgefordert. Zur Zeit geht bei Rastatt nichts mehr. Und der unterirdische Bahnhof, pardon Haltepunkt ist nicht erweiterbar. Und was für ein Chaos da unten, wenn ein Zug mit falscher Wagenreihung einrollen wird?

Es gab so viele Argumente für S21, alle aus dem letzten Jahrhundert. Irgendwie konnte man schon schwach werden, 21 Gründe standen lange auf einem Plakat. Die Tunnel machen den Menschen zur Ware, zum Objekt, das unter der Stadt möglichst unauffällig durchgeschleust wird. Jede Ästhetik des Reisens wird vernichtet. Kein Sitzen mehr am Fenster, wenn langsam die Felder den ersten Häusern weichen, und allmählich die City erreicht wird. Einladend hätte diese Reise gestaltet werden können, ein Tor in diese Stadt. Jede Ankunft ein Fest im Rahmen der wunderschönen und so einmaligen Topographie dieser Stadt. Bahnreisen in Begleitung wunderbarer Werbung für den Besuch dieser Stadt. Ankommen in einer beeindrucken Glashalle. Aussteigen und in die Stadt weitergehen, anstatt sich erst über Rolltreppen ans Tageslicht bemühen. Natürlich war es ein grober Fehler, den neuen Bahnhof als eine Quartiersinsellösung zu planen und erst später anzufangen, sich über dessen Anschluss an die umliegenden Stadtquartiere zu machen. Die Befürworter von S21 haben diese Überlegungen wohlweißlich vermieden, denn ihre Diskussion wäre sofort das Aus für S21 gewesen, zumindest aus Sicht einer vernünftigen Stadtplanung, ihre Absenz führte zu S21.

Der Buchtipp: R. Ostertag: > NEU: Stuttgart. Zauber der Topographie und Elend der Stadtplanung

Buchvorstellung: Martin Walser und Jakob Augstein: Das Leben wortwörtlich

Dienstag, 28. November 2017

Am 26. November 2017 hat Martin Walser mit seinem Sohn Jakob Augstein aus ihrem gemeinsamen Buch Das Leben wortwörtlich im Stuttgarter Literaturhaus gelesen:

Bitte öffnen Sie mit einem Klick auf ein Foto im folgenden Fotoalben erst, wenn diese Seite vollständig geladen ist:

Sonntag 26.11.17 20.00 Uhr
Im Stuttgarter-Literaturhaus: > Das Leben wortwörtlich
Martin Walser, Jakob Augstein
Buchpremiere
Moderation: Thea Dorn

Alle Fotos auf diesem Blog, soweit nicht anders vermerkt: © Heiner Wittmann.

> Martin Walser im Stuttgarter Literaturhaus (Auswahl):

Mittwoch 24.09.03 20.00 Uhr
> Die Aktualität des Daseins
Martin Walser
Veranstaltungsreihe: Essayreihe „Betrifft:“
Essay und Gespräch
Moderation: Tim Schleider

Donnerstag 02.09.04 20.00 Uhr
> Der Augenblick der Liebe
Martin Walser
Buchpremiere
Moderation: Jörg Magenau
Einführung: Alexander Fest

Dienstag 27.03.07 20.00 Uhr
> Das geschundene Tier
Alissa Walser, Martin Walser
Ausstellungseröffnung, Lesung
Moderation: Julia Schröder
Einführung: Christoph Tannert

Dienstag 16.09.14 20.00 Uhr
> Schreiben und Leben
Martin Walser
Lesung und Gespräch
Moderation: Julia Schröder

Blick über Stuttgart
vom Birkenkopf auch Monte Scherbelino genannnt

Sonntag, 26. November 2017

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Wohnorte². 90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890-2017

Dienstag, 14. November 2017

Es gibt Bücher, die bleiben künftig bei mir. Der gerade erschienene Band > Wohnorte². 90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890-2017, den Christina Simon-Philipp herausgeben hat und für den Thomas Fütterer über zweitausend Fotos in Stuttgart aufgenommen hat, gehört dazu und bleibt künftig auf meinem Regal. Nach dem Fotografieren hat Fütterer auch das Layout dieses vorzüglichen Werkes, Standardwerkes n’est-ce pas ? – über die 90 Quartiere wo Stuttgarter wohnen besorgt. Akribisch von der ersten bis zur letzten Seite.

Stadtentwicklung in Stuttgart: S. 18-70 : Sieben Autoren beschreiben Entwicklung der Stadt unter dem Aspekt Wohnen von 1870 bis heute. Danach wird die Vorstellung des Wohnungsbau in diesen Epochen vom Werkswohnungsbau über die Weimarer Republik, über das Bauen in der NS-Zeit, über den Wiederaufbau „Aufgelockert und gegliedert (1946-1959) bis zu einer neue Phase der „Urbanität durch Dichte, Wohnexperimente 1960-1980 gefolgt von der Stadterneuerung in den Jahren nach 1970 und der Stadterweiterung nach 1980 eingeteilt. „Modellvorhaben und Stadtumbau“ prägten die Jahre 1990-2004, bevor wieder „Urbanes Wohnen“ seit 2005 zum Maß der Dinge wurde. Aktuelle Wohnungsbauprojekte und Projekte im Bau vervollständigen diesen Band. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Schlusskapitel „Blicke auf die Stadt“ wo besondere Wohnsituationen, die auch durch die besondere Suttgarter Topographie bestimmt sind, vorgestellt werden.

90 WohnOrte. Erläuterungen zu den Projetbeschreibungen, S. 59, erklräen den Aufbau der folgenden Doppelseiten, auf denen die Wohnquartiere detailliert vorgestellt werden. Oft, wie bei der Weißenhofsiedlung, P 15, ergänzen historische Aufnahmen das Bildmaterial. Reisach, Stuttgart-Weilimdorf, P 23, wurde von Thomas Hafner beschrieben. Fotos, Grundrisse und Luftaufnahmen, Pläne, eine Liste der Auszeichnungen und eine Literaturliste ergänzen bei jeder der 90 Projektbeschreibungen den Text. Die Hochhausgruppe Dannecker- / Stitzenburgstraße, P 30, wird auch mit Fotos gezeigt, die die Fernwirkung dieses Ensembles zeigen. Stuttgart-Mühlhausen, P 37, enthält zusätzlich eine Karte dieses Standortes und Lufttaufnahmen aus verschiedenen Jahren, einen Bebauungsplan und genügend Fotos, mit dem man sich ein Bild dieses Große-Ensembles machen kann. Unterbringung von geflüchteten „Wohnorte“ der Willkommenskultur, P77, kennzeichnen Stuttgart als eine „Stadt der Integration“. S. 296 Eine exemplarische Nennung einzelner Projekte wird dem Band nicht gerecht, wenn nicht ausdrücklich gesagt wird, dass jedes Kapitel hier eine faszinierende Lektüre für sich ist. S. 348 f: 90 Quartiere im Vergleich zeit einen Vergleich der Flächen im Maßstab 1:50.000: eine pfiffige Idee für ein Inhaltsverzeichnis!

Grundsätzliches zum Wohungsbau kann mit diesem Buch gelernt werden, topographische Besonderheiten und ihre Lösungen, der Erwerb der zugereister Cannstatter war mir das Friedel Areal P 65 kein Begriff. Gemäß der Devise, man sieht nur, was man kennt, ist dieser Band eine gelungene Aufforderung, Stuttgart und seine Wohnquartiere neu zu entdecken. Als wir nach Stuttgart zogen, hätte ich diesen Band als Stadtführer auch gerne schon gehabt. Unser Hadern mit der verkorksten Stadtplanung in dieser Stadt wird durch die Beschreibungen dieses Bandes gemildert. Die Projektbeschreibungen enthalten auch die Geschichte der Projekte, die aus diesem Band einen wichtigen Beitrag zu Stadtgeschichte dieser Stadt machen. Blättern Sie einmal ausführlich in diesem Band und sie gehen mit anderen Augen durch diese Stadt.

Christina Simon-Philipp (Hg.)
> WohnOrte²
90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890 bis 2017
Entwicklungen und Perspektiven
Karl Krämer Verlag Stuttgart
erhältlich im Buchhandel ab September 2017
38,– Euro
480 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Pläne
ISBN 978-3-7828-1325-9

In Stuttgart: David Motadel, Für Prophet und Führer, Die islamische Welt und das Dritte Reich

Montag, 13. November 2017

Buchvorstellung: 21.11.2017 | 19:30 Uhr
„Für Prophet und Führer“
David Motadel im Gespräch mit Lerke von Saalfeld
IfA, Weltraum, Charlottenplatz 17, Stuttgart

David Motadel lehrt an der London School of Economics. Er hat die erste umfassende Darstellung der Islampolitik des NS-Regimes vorgelegt > Für Prophet und Führer. Die islamische Welt und das Dritte Reich und zeigt die die Instrumentalisierung des Islam durch die europäischen Großmächte. Er schildert die Geschichte der Millionen Muslime unter deutscher Herrschaft und wie der Islam durch den NS-Staat und andere Großmächte für politische Zwecke vereinnahmt wurde. Motadel veranschaulicht, wie sich das Dritte Reich als Schutzherr der Muslime präsentierte. Als Hitlers Truppen in viele muslimische Gebiete einmarschierten – umwarb Berlin Muslime, um sie als Verbündete zu gewinnen. Mit einem unglaublichen Pragmatismus wurden dabei rassistische Bedenken übergangen. Der Autor analysiert die deutsche Propaganda in den muslimisch besiedelten Kriegsgebieten und erklärt die politische Indoktrinierung Zehntausender Muslime, die in der Wehrmacht und SS kämpften.

David Motadel,
> Für Prophet und Führer. Die islamische Welt und das Dritte Reich
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Susanne Held und Cathrine Hornung (Orig.: Islam and Nazi Germany’s War)
1. Druckufl. 2017, 568 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen Abbildungen und Karten
ISBN: 978-3-608-98105-6

Tagung „Von der Monarchie zur Republik“. Forschungsperspektiven zur Demokratiegeschichte in der Frühphase der Weimarer Republik (1918-1923)

Dienstag, 7. November 2017

Das Landesarchiv Baden-Württemberg, die Abteilung Landesgeschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart und die Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg laden zu einer Tagung „Von der Monarchie zur Republik.“ Forschungsperspektiven zur Demokratiegeschichte in der Frühphase der Weimarer Republik (1918-1923) am 9. und 10. November 2017 im Senatssaal der Universität Stuttgart.

Die Tagung findet anlässlich des Abschlusses eines Forschungs- und Digitalisierungsprojekts „Von der Monarchie zur Republik.“ Digitalisierung von Quellen zur Demokratiegeschichte im deutschen Südwesten (1918-1923). Finanziert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg wurde dieses vom Landesarchiv Baden-Württemberg gemeinsam mit der Abteilung Landesgeschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart bearbeitet.

Auf der Tagung wird die im Projekt erstellte Online-Quellensammlung > www.leo-bw.de/aktuelles/von-der-monarchie-zur-republik freigeschaltet und als neuer Themenschwerpunkt im landeskundlichen Informationssystem LEO-BW präsentiert. In einzelnen Sektionen werden für verschiedene Regionen Aspekte zur Revolution, zum politischen Umbruch und zur gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebenswelt aus der Perspektive einer vergleichenden Landesgeschichte betrachtet. Die Tagung behandelt auch Fragen nach dem Beitrag der Archive zur Erforschung der Demokratiegeschichte in der Wissensgesellschaft.

Am Ende des ersten Tagungstages steht ein öffentlicher Abendvortrag von Prof. Dr. Wolfram Pyta zur Anfangszeit der Weimarer Republik aus kulturgeschichtlicher Sicht.

Die Tagung beschließt am zweiten Tag eine Podiumsdiskussion, in der aus historischer und archivischer Sicht ein Fazit gezogen werden soll.

Stuttgart | Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion im Rahmen der > Fachtagung „Von der Monarchie zur Republik“
mit Sven Felix Hellerhof, > Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder, Stuttgart: Klett Cotta 2017.
Donnerstag, 9. Nov. 2017, 10:30 Uhr bis 10. Nov. 2017, 13:30 Uhr
Senatssaal der Universität Stuttgart, Keplerstr. 7, 70174 Stuttgart
Die Podiumsdiskussion mit Sven Felix Kellerhoff wird am Do 9.11.2017 von 12 h 15 – 13 h 30 stattfinden.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, um > Anmeldung wird gebeten.

Nähere Informationen zum Tagungsprogramm und zu den Anmeldemodalitäten entnehmen Sie dem angehängten > Programmflyer.