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Archiv für die Kategorie 'Architektur'

Romanik und Porsche

Sonntag, 20. Dezember 2009

Links > Abbaye de Fleury in Saint-Benoît-sur-Loire, ungefähr 70 km südlich von Orléans, rechts, das > Porschemuseum in Stuttgart-Zuffenhausen.

Was haben Autos, die in einem für sie gebauten Museum stehen, mit einer > romanischen Kirche, wie der in Saint-Benoît-sur Loire zu tun? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. Aber es geht um den Bau, der um die Autos herum gebaut wurde: das Stuttgarter > Porsche-Museum im Stadtteil Zuffenhausen. Und es geht um die Zeitschrift > Recherches en esthétique, die um einen Artikel für die diesjährige Ausgabe unter dem Titel “L’imprévisible” bat. Das Unvorsehbare in der Architektur? Aufgrund dieser Aufgabe ist ein Artikel entstanden, der die Konzeption des Baus einer romanischen Abteikirche mit dem Porschemuseum vergleicht. Das Unvorsehbare wird beim Bau der Kirche vermieden, im Porsche-Museum ist es ein Teil der Komposition, mit der die Besucher in die Räume hineingezogen werden sollen.

Mehr dazu auf dem Frankreich-Blog: >L’imprévisible: Une petite esthétique de l’architecture

Recherches en esthétique n° 15: > Inhaltsverzeichnis und Vorwort des Herausgebers

Die Architektur der Moderne

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Berlin ModernismVon diesem Buch kann Stuttgart etwas lernen. Natürlich ist Berlin ungleich größer als Stuttgart, und daher ist jeder Vergleich zwischen beiden Städten nicht einfach, zu groß ist die architektonische Vielfalt, die Berlin dem Spaziergänger durch die Moderne der Architektur zu bieten hat. Und dennoch wird beim Durchblättern dieses Buches ein Verhältnis der Stadt zu ihrer Architektur und damit auch zu ihrer Geschichte erkennbar, das dem Besucher in Stuttgart so nicht auffällt. In einem vergleichbaren Buch über Stuttgart wäre auch ein Foto vom Kaufhaus Schocken zu sehen… Der Landtag (Kurt Viertel, 1957), das Gedok-Atelierhaus, aber auch der Hauptbahnhof – auch wenn er demnächst um seine Seitenflügel amputiert werden soll, also dann nur noch ein moderner Torso sein wird – gehören zur > Moderne. Zählt die > Haupststätter Strasse auch zur Stuttgarter Moderne? Dann ist hier aber etwas arg schiefgelaufen. Vielleicht kommt ja noch ein vergleichbar schönes Buch auch noch in dieser Art über Stuttgart raus, und alle Bewohner dieser Stadt besinnen sich wieder auf ihre Schätze.

Produktionstechnisches Zentrum der Technischen Universität in Berlin, 1983-1986, Bayerer, Fessel, Hecker und Ostertag. Deutscher Architektenpreis 1984. – Foto: Alfred Englert.

> Berlin Modernism
Fotos: Alfred Englert

Mit einem Essay von Kerstin Wittmann-Englert
> Beispielseiten
Verlag: Jochen Visscher
Englisch/ Spanisch/ Deutsch
96 Seitensmit 100 Farbfotos
Hardcover
Masse: 16 x 16 cm
Euro 16.00 sFr 28.00
ISBN 978-3-939633-44-0

13. September 2009: Tag des Denkmals

Mittwoch, 9. September 2009

Alle Informationen zu Veranstaltungen in Stuttgart: > Tag des Denkmals.

Auf der Website der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finden Sie auch alle andern Termine in > Baden-Württemberg und > bundesweit.

> Glossar – Denkmalschutz

Ein neues Museum für die Bürger
Eine Lehrschau für die Stadtplaner

Samstag, 4. Juli 2009

Im > Gähkopf 3 in Stuttgart in den ehemaligen Räumen der Sammlung Hugo Borst hat Professor Roland Ostertag heute die Ausstellung zur Entwicklung der Stuttgarter Innenstadt, die der Stadtplaner Gunter Kölz und er konzipiert und zusammengestellt haben, eröffnet.

Die Ausstellung, die mit vielen Fotos und Grafiken die historischen Aspekte der Stuttgarter Stadtplanung und -entwicklung dokumentiert, zeigt gerade weil sie nur zwei Räume umfasst, umso deutlicher den zentralen Aspekt auf, der jede Stadtplanung mehr oder weniger begleitet: es ist die Geschichte, die Historie der Stadt, die auf ihr Grundgesetz einwirkt, es formuliert und zu dem u. a. die Bewahrung der Hänge, die Öffnung der Stadt zum Neckar gehören. Im Kern ist es aber die Geschichte, deren Nichtbeachtung mit vielen Projekten neuzeitlicher und aktueller Stadtplanungsprojekten in Stuttgart belegt werden kann: “Stuttgart ist geschichtslos und deshalb gesichtslos,” wird Ostertag nicht müde zu wiederholen. Das Modell deckt die historischen Schichten der Stadtentwicklung und zeigt auch die Wunden, die der Krieg der Stadt zugefügt hat, wie auch die zweite Zerstörung, so Ostertag, nämlich der Wiederaufbau bleibende Schäden hinterlassen hat, die dringend einer Neugestaltung bedürfen.

In diesem Sinne ist auch das 30 Quadratmeter große Modell, das die Stadt in einem Maßstab von 1:1000 zeigt, eine wunderbare Mahnung an die Stadtplaner, ihre Projekte mit der Geschichte der Stadt in Einklang zu bringen. Alles ist naturgetreu, bis auf die > Hauptstätter Straße, deren Rekonstruktion in diesem Modell vorweggenommen wird. So als wenn das Modell im Jahr 2016 entstanden wär:

Zu diesem Thema gibt es folgende Beiträge auf diesem Blog:

> Vorrang für die Autos auf 10 Spuren
> Stadtreparatur: Die Hauptstätter Straße in Stuttgart
> Die Neue Stadtplanung

Stuttgart hat keine Planungskultur, das ist der Hauptvorwurf, den Ostertag an alle Verantwortlichen richtet. Der Blick auf das Modell zeigt, wie alle Bereiche der Stadtplanung, der Raum, der Verkehr und das Soziale auf das Engste miteinander verbunden ist und nur in einer Gesamtbetrachtung verstanden werden kann.

Jedes Viertel oder Stadtquartier hat immer wie ein Gebäude auch Bezüge zu seiner unmittelbaren Umgebung, es spricht mehr oder weniger offen zu seinen Nachbarn. Und diese Quartiere sind durch Verkehrswege miteinander verbunden oder durch sie durchschnitten. Solche Einzelheiten kann man mit Hilfe dieses Modells wunderbar studieren: Würde man auf dieses Modell den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof einschließlich der Zerstörung des Schlossgartens einbauen, damit er auf Knopfdruck erscheinen könnten, würde noch mehr verstehen, wie seine Querausrichtung um Talkessel das fundamentale Grundgesetz der Stadt missachtet und beschädigt.

Das Modell ist auch bestens dazu geeignet, Alternativen der Verkehrsplanung zu erläutern und zu verstehen. Ich kann schon verstehen, dass Ostertag, das Modell nicht in die öffentliche Hand geben möchte, aber das Foyer des Rathauses wäre als Heimat für das Modell, das als Verständnishilfe für die Stuttgarter Stadtplaner dienen könnte, schon ein guter Platz.

Die Ausstellung im > Gähkopf 3 ist Samstags von 11 Uhr bis 15 Uhr geöffnet und nach Vereinbarung.

Was zeichnet eine lebenswerte Stadt aus?

Dienstag, 23. Juni 2009

Rolan Ostertag hielt am Montag, den 22. Juni, Im Hospitalhof in Stuttgart einen Vortrag mit dem Titel: Was zeichnet eine lebenswerte Stadt aus.

Pfarrer Müller begrüßte Roland Ostertag. In dem folgenden Vortrag wurden mit den Bemerkungen zur 1. und 2. Stadtzerstörung, womit die Auswirkungen des Wiederaufbaus in der City gemeint sind, einige kritische Fragen zur Stadtentwicklung seit 1945 gestellt. Angesichts neuerer Entwicklungen und der aktuellen Stadtplanung, darf, so Ostertag, danach gefragt werden, wie heute auf Stadtgängen die Seele der Stadt entdeckt werden kann.

Der Vortrag von Roland Ostertag (ca. 1 Stunde):

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Einige der Fotos, die bei diesem Vortrag gezeigt wurden:

Stuttgart 21 A 1 und die Bibliothek 21

Sonntag, 14. Juni 2009

Ortsbesichtigung: Der > Pariser Platz im > Europaviertel S21 A1:

Pariser Platz

Hier wächst die Bibliothek 21 aus dem Boden:

Bibliothek 21

Nach wie vor weiß ich noch nicht, wie das Viertel belebt werden soll. Vielleicht wird die Bibliothek rund um die Uhr geöffnet sein? Wie auch immer, sie wird bestimmt eine Attraktion werden, die Besucher und Leser anziehen wird, aber nur zeitweise. Das neue Viertel benötigt eine dauerhafte Belebung und eine geschickte Anbindung an die Stadtquartiere in unmittelbarer Nachbarschaft.

Jetzt entstehen schon 2 neue Straßen, die vom Pariser Platz aus in Richtung der Bibliothek 21 führen. Hier zwei Fotos einer der beiden Strassen mit je einem Blick Richtung Innenstadt und ein Blick Richtung Norden.

A1 S21

A1 S21

Die Frage Kann man einen Stadtteil aus der Retorte schaffen? habe ich im Vortrag im November 2007 untersucht: > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (IV)

Einkaufzentren sind kein Beitrag zu einer Stadtkultur

Dienstag, 19. Mai 2009

Es ist ein fataler Gedanke, dass Stuttgart an verschiedenen Stellen, wie hinter der neuen Bibliothek weitere Einkaufszentren bekommen soll. Ein Einkaufszentrum ist immer eine Art kleine Stadt für sich, es könnte überall in der Stadt und auch in jeder anderen Stadt stehen, weil es außer der Möglichkeit die passende Laufkundschaft anzulocken, keine Anbindung an seinen Standort benötigt, ja als Objekt sich geradezu gegen die Stadtumgebung abschirmt. Man könnte meinen, sein Zweck ist es, die Kunden möglichst lange an den sich drehenden Warenkarussells festzuhalten. Darüberhinaus schädigt ein Einkaufszentrum die Ladenstruktur in seiner unmittelbarer Umgebung. Je größer die Parkhäuser in einem Einkaufszentrum sind, um so mehr schottet es sich als Zelle gegenüber dem Stadtquartier ab, in das es hineingebaut worden ist. Die Cannstatter Marktstraße ist dafür ein gutes Beispiel. Das Cannstatter Carée übt auch auf die Läden der beschaulichen Innenstadt von Cannstatt eine Anziehungskraft aus, die mehr als fatal ist. Endzeitstimmung macht sich in der Marktstrasse bemerkbar. Läden haben geschlossen, die Strasse hat viel von ihrer Attraktivität verloren.

> Nachverdichtung in der Innenstadt nennt man das in der Innenstadt, wobei der Begriff auch etwas Überflüssiges meint. Die Kunden werden in den das aufgehübschte Hinterhofgebäude hinter den Königsbau gezogen. Möglichst nichts mehr von der Stadt und irgendwelchen kulturell wertvollen Ablenkungen spüren, damit der Kaufprozess nicht gestört wird, das scheint hier die Devise zu sein. Möglichst viele Blicksituationen auf die Läden erzeugen, das gehört auch dazu. In den > Königsbau Passagen kann man die oberen Etagen nur erklimmen oder verlassen, indem man immer wieder Runden drehen muss. Allmählich haben die Besucher das gelernt, und die oberen Etagen werden immer leerer: “Der Schlossplatz lädt heute zum Verweilen nach einer anstrengenden Shopping Tour ein,” steht auf der Website von > www.stilwerk.de

Kaum einem der mir bekannten Einkaufszentren gelingt es wirklich, von seiner Umgebung angenommen zu werden. Ich erinnere mich an die ersten Tage des Einkaufspassage vis-à-vis des Saarbrücker Hauptbahnhofs. Letztes Jahr habe ich dort gesehen, dass mehr als die Hälfte der Läden leerstehen. Maximaler Warenumschlag, Verlagerung der Risiken auf die Ladenbetreiber, darum scheint es hier zu gehen.

Siehe auch: > Einkaufszentren: Die Hölle für den Bürger

Noch zwei letzte Blicke in den Schlossgarten

Donnerstag, 16. April 2009

Solange die Bauphase 2 (“Zwischen den Seitenflügeln des Bonatzbaus und im Schlossgarten entsteht abschnittsweise der neue Hauptbahnhof Stuttgart.”) noch nicht begonnen hat, schnell noch zwei letzte – fast schon wehmütige – Blicke in den Schlossgarten. Sind Sie schon mal von Bad Cannstatt bis zum Schlossplatz mit dem Fahrrad gefahren? In welcher Großstadt kann man so weit durch die Stadt durchfahren? Gerade wurde die Brücke über die > Schillerstraße renoviert.

Stuttgart - Schlossgarten

Die > Schillerstraße hat es vorgemacht. Offenkundig kann man parallel dazu den Stadtpark mit dem Bahnhofsdach zubetonieren – gegen das Grundgesetz der Stadt (Roland Ostertag), die sich um Neckar hinorientiert. Wenn für den Schlossgarten eine andere Lösung gefunden würde, könnten alle Beteiligten etwas aufatmen. Der “neue Hauptbahnhof Stuttgart” mit seinen Lichtaugen ist eine architektonische Notlösung. Er kann nicht tiefer liegen, deshalb erhält er eine Verlegenheitslösung als Dach, die heute aus stadtplanerischen und ästhetischen Gründen überholt ist. Sein größter Mangel ist es, dass seine eigentliche Funktion, die Menschen zu empfangen und auf die Reise zu schicken im Untergrund stattfindet; die oben sichtbaren Teile sind Beiwerk, und dem Architekten ist es nicht gelungen, aus diesem Deckel ein Bauwerk zu machen, das einen Bezug zu den umliegenden Gebäuden entwickelt, so wie der > aktelle Stuttgarter Hauptbahnhof ihn offenkundig hat – wenn auch seine > Anbindung an die Stadt stark verbesserungsdürftig ist.

Stuttgart - Schlossgarten

Die Augen des neuen Bahnhofsdach sammeln Licht ein, und die Menschen über dem Bahnhof befinden sich in einem merkwürdigen Niemandsland, dessen Oberfläche möglicherweise schon bald nach einiger Zeit wie jetzt schon die Steinplatten rund um das neue Kunstmuseum am Schlossplatz unansehnlich sein wird. Ein Bezug zwischen dieser Betonwüste und dem Schlossgarten wird nur durch die unmittelbare Nachbarschaft beider hergestellt, aber durch keine gemeinsame Funktion.

Alle Fotos auf diesem Blog, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt:
(c) Heiner Wittmann, 2009.