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Wohnorte². 90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890-2017

14. November 2017 von H. Wittmann

Es gibt Bücher, die bleiben künftig bei mir. Der gerade erschienene Band > Wohnorte². 90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890-2017, den Christina Simon-Philipp herausgeben hat und für den Thomas Fütterer über zweitausend Fotos in Stuttgart aufgenommen hat, gehört dazu und bleibt künftig auf meinem Regal. Nach dem Fotografieren hat Fütterer auch das Layout dieses vorzüglichen Werkes, Standardwerkes n’est-ce pas ? – über die 90 Quartiere wo Stuttgarter wohnen besorgt. Akribisch von der ersten bis zur letzten Seite.

Stadtentwicklung in Stuttgart: S. 18-70 : Sieben Autoren beschreiben Entwicklung der Stadt unter dem Aspekt Wohnen von 1870 bis heute. Danach wird die Vorstellung des Wohnungsbau in diesen Epochen vom Werkswohnungsbau über die Weimarer Republik, über das Bauen in der NS-Zeit, über den Wiederaufbau „Aufgelockert und gegliedert (1946-1959) bis zu einer neue Phase der „Urbanität durch Dichte, Wohnexperimente 1960-1980 gefolgt von der Stadterneuerung in den Jahren nach 1970 und der Stadterweiterung nach 1980 eingeteilt. „Modellvorhaben und Stadtumbau“ prägten die Jahre 1990-2004, bevor wieder „Urbanes Wohnen“ seit 2005 zum Maß der Dinge wurde. Aktuelle Wohnungsbauprojekte und Projekte im Bau vervollständigen diesen Band. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Schlusskapitel „Blicke auf die Stadt“ wo besondere Wohnsituationen, die auch durch die besondere Suttgarter Topographie bestimmt sind, vorgestellt werden.

90 WohnOrte. Erläuterungen zu den Projetbeschreibungen, S. 59, erklräen den Aufbau der folgenden Doppelseiten, auf denen die Wohnquartiere detailliert vorgestellt werden. Oft, wie bei der Weißenhofsiedlung, P 15, ergänzen historische Aufnahmen das Bildmaterial. Reisach, Stuttgart-Weilimdorf, P 23, wurde von Thomas Hafner beschrieben. Fotos, Grundrisse und Luftaufnahmen, Pläne, eine Liste der Auszeichnungen und eine Literaturliste ergänzen bei jeder der 90 Projektbeschreibungen den Text. Die Hochhausgruppe Dannecker- / Stitzenburgstraße, P 30, wird auch mit Fotos gezeigt, die die Fernwirkung dieses Ensembles zeigen. Stuttgart-Mühlhausen, P 37, enthält zusätzlich eine Karte dieses Standortes und Lufttaufnahmen aus verschiedenen Jahren, einen Bebauungsplan und genügend Fotos, mit dem man sich ein Bild dieses Große-Ensembles machen kann. Unterbringung von geflüchteten „Wohnorte“ der Willkommenskultur, P77, kennzeichnen Stuttgart als eine „Stadt der Integration“. S. 296 Eine exemplarische Nennung einzelner Projekte wird dem Band nicht gerecht, wenn nicht ausdrücklich gesagt wird, dass jedes Kapitel hier eine faszinierende Lektüre für sich ist. S. 348 f: 90 Quartiere im Vergleich zeit einen Vergleich der Flächen im Maßstab 1:50.000: eine pfiffige Idee für ein Inhaltsverzeichnis!

Grundsätzliches zum Wohungsbau kann mit diesem Buch gelernt werden, topographische Besonderheiten und ihre Lösungen, der Erwerb der zugereister Cannstatter war mir das Friedel Areal P 65 kein Begriff. Gemäß der Devise, man sieht nur, was man kennt, ist dieser Band eine gelungene Aufforderung, Stuttgart und seine Wohnquartiere neu zu entdecken. Als wir nach Stuttgart zogen, hätte ich diesen Band als Stadtführer auch gerne schon gehabt. Unser Hadern mit der verkorksten Stadtplanung in dieser Stadt wird durch die Beschreibungen dieses Bandes gemildert. Die Projektbeschreibungen enthalten auch die Geschichte der Projekte, die aus diesem Band einen wichtigen Beitrag zu Stadtgeschichte dieser Stadt machen. Blättern Sie einmal ausführlich in diesem Band und sie gehen mit anderen Augen durch diese Stadt.

Christina Simon-Philipp (Hg.)
> WohnOrte²
90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890 bis 2017
Entwicklungen und Perspektiven
Karl Krämer Verlag Stuttgart
erhältlich im Buchhandel ab September 2017
38,– Euro
480 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Pläne
ISBN 978-3-7828-1325-9

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