Nachverdichtung in der Innenstadt IV.
Das Dorotheen-Quartier in Stuttgart

Was ist denn da passiert?

Wieder einmal wird in Stuttgart nachverdichtet. So nennt man das, wenn in einem bebauten Gebiet eines Stadtviertels Lücken (eng) bebaut werden.

Am 27. September hatten wir dieses Stadtquartier schon einmal vor unserer Fotolinse: > Immer enger: Nachverdichtung in der Innenstadt (III). Wir wiederholen hier noch einmal eines der Fotos vom September, mit dem so wunderbar gezeigt werden kann, wie Teile des Dorotheen-Quartiers in die Sichtachsen gebaut werden:

Am 27. Februar 2016 kamen wir über den Karlsplatz zum Dorotheen-Quartier. Es ist gar nicht zu übersehen, was da gebaut wird:

Bitte öffnen Sie das Fotoalbum mit einem Doppelklick auf ein Foto erst, wenn diese Website, die Seite dieses Blogs vollständig geladen ist, der blaue Kreis oben im Reiter muss verschwunden sein:

Vor einem Jahr sah die Baustelle noch ganz anders aus. Achten Sie auf die freie Sicht zu der Halbhöhe und auf die Fotos, die die Umgebung des Neubauten zeigen. Das neue Gebäude setzt sich in das Quartier, zwischen der eher beschaulichen Markthalle, dem wunderbaren Karlsplatz, den etwas weniger schönen Bauten von Breuninger, hinter das Hotel Silber. Und was sollen sie zu ihrer Umgebung sagen? Wir sind jetzt da… Nichtwiderspruchsduldend. Einen Dialog mit der Umgebung wird es kaum geben, Bezüge sind nicht erkennbar, weil alle erkennbaren Achsen zugebaut und verschlossen wurden. Der fehlende Dialog mit der Umgebung der neuen Gebäude darf nicht unterschätzt werden, daran kann man die besonders hohe städteplanerische Fehlleistung gerade an diesem Ort besonders gut erkennen.

Viel höher als die umstehenden Gebäude, machen sich die Neubauten zu einem völlig unverdienten Bezugspunkt der Umgebung, sie machen sich das Quartier untertan, was ja auch im Namen Dorotheen Quartier zum Ausdruck kommt, den sie in Ignoranz der Umgebung für sich beanspruchen. So ist es mit anderen Neuquartieren in Stuttgart , wie z.B. mit > A1, wo gebaut wird, ohne Bezüge zu den Nachbarquartieren zu berücksichtigen… deren Anwohner sich lange über die Zunahme an parkenden Autos beklagt haben. Beim > Einkaufszentrum Gerber ist es kaum anders, die leider immer noch stehende > Paulinenbrücke wirkt dort wie ein Panzerriegel zur Weststadt.

Von den oberen Etagen bietet das Dorotheen-Quartier möglicherweise einen grandiosen Ausblick auf das beschauliche Stuttgart von einst, auf den Karlsplatz, der künftig von der Glasfassade überragt werden wird und seinen Charakter als schöner Ort der Begegnung verlieren könnte. Dort unten ist auch die Markthalle, die sich künftig anhören muss, „Du kommst als Überrest auch noch weg“, wenn man einmal den Dialog zwischen den Gebäuden sich vorstellt. > „Dich krieg ich auch noch weg. …“ sagt an anderer Stelle das Einkaufszentrum zum Königsbau.

Das Dorotheen-Quartier ist ein erneuter Beweis dafür, dass Stadtplanung in Stuttgart keine Rolle spielt. Sichtachsen werden zugebaut, dem Streben von Investoren nach unverhältnismäßiger Größe wird nachgegeben, immer mehr Stadtteile verlieren ihre Chance auf eine ausgewogene Entwicklung oder werden vernachlässigt wie die > Kronprinzenstraße.

Wenn auch über das Dorotheen-Quartier möglicherweise ausgiebig beraten wurde… das Ergebnis ist verheerend. Viel zu groß für die Baulücke, ein Desaster für den Karlsplatz. Vielleicht konnte das Viertel nur so bebaut werden, weil es in einer Randlage liegt. Die > Hauptstätter Straße mit ihren vielen Fahrbahnen wirkt wie eine Barriere. Für Fußgänger spielt das jeweils gegenüberliegende Stadtquartier keine besondere Rolle. In dem folgenden Album stehen die frühesten Fotos am Ende:

Immer enger: Nachverdichtung in der Innenstadt (III)

Die Klagen über die misslungene oder fehlende Stadtplanung häufen sich auf unserem Blog. Hier ein Beispiel, wie die Nachverdichtung in der Stuttgart City irreparablen Schaden anrichtet. Es geht um die Rosenstraße, auf dem folgenden Foto sich in der Mitte im unteren Teil des Fotos befindet und auf die Hauptstätterstraße zuläuft. Früher ging sie in die Sporerstraße über, jetzt wird aber das Gebäude des Dorotheenviertel in ihren Straßenverlauf hineingestellt. Nachverdichtet! Und die > Barriere Hauptstätterstraße wird so zumindest indirekt und nachhaltig betont:

Vergrößern mit einem Klick.

Schade, aber so wird immer in Stuttgart gebaut. Sichtachsen, die für die Identität einer Stadt so wichtig sind, werden ignoriert.

Das Thema Nachverdichtung ist ein Dauerbrenner auf unerem Blog:

> Nachverdichtung in der Innenstadt (II)
> Um jeden Preis: Nachverdichtung in Stuttgart
> Stuttgarter Nachverdichtung
> Stuttgarter Riegelbebauung und Nachverdichtung
> Wehret den Auswüchsen: Die Stuttgarter Nachverdichtung
> Nachverdichtung in Stuttgart. Noch ist es nicht zu spät
> Die Stuttgarter Nachverdichtung
> Nachverdichtung in der Innenstadt
> Nachverdichtung in Stuttgart
> Der Stuttgarter Talkessel wird abgeriegelt

Das Zubauen des Blicks vom Österreichischen Platz aus auf St.Maria haben wir hier auf unserem Blog beklagt. Steigt man auf die Halbhöhe ist noch ein kleiner Blick auf die Kirche frei:

Stuttgart – Stadt ohne Stadtplanung?

Das Interview, das Christina Schulte mit Hans-Hermann Albers „Ein Masterplan für die Stadt“ (Börsenblatt, 29|2014, S. 18 f.) führte, in dem Albers von einer lebendigen Innenstadtentwicklung sprach, ist ein Anlass den folgenden Artikel vom Mai 2013 aus den Tiefen des Blogs nochmal ganz nach oben zu holen.

Die Plakatwand auf der Baustellenwand des neuen Gerber verspricht viele schöne Filialen bekannter Shopnamen. Und was noch? 285 Läden sollen in zwei > Einkaufszentren zu beiden Seiten der Stuttgarter City entstehen, die zur Zeit im Wettlauf aus dem Boden herauswachsen. Wie konnte das passieren? Nach einer gelungenen Stadtplanung sieht das nicht aus. Eher danach, also ob hier und da ganz verschiedene Interessen, die nur am Kommerz orientiert sind, den Bau der beiden Einkaufszentren beflügeln. Mit dem > „Gerber“: > „Hier wächst Stuttgart zusammen“ steht auf dem Bauzaun, wird die > Paulinenbrücke eingemauert und ein Stadtteil nachhaltig verdichtet. Das > Caleido macht es nicht anders. Mit dem Einkaufszentrum hinter der Bibliothek, soll eine urbane Landschaft neu geschaffen werden. Und es bleibt dabei, > Einkaufszentren sind eine Hölle für den Bürger. Die Initiatoren dieser Ladenburgen haben den Stadtvätern und damit auch den Bürgern jedes Konzept für eine Stadtplanung aus der Hand genommen. In den Einkaufszentren wird es aussehen wie in Herne, Wuppertal oder Passau, kaum ist man drin, wird nichts mehr an Stuttgart erinnern. Warum haben sich unsere Stadtväter die Stadtentwicklung in dieser Form so diktieren und aus der Hand nehmen lassen?

In den Königsbau-Passagen sind die Laufwege der Kunden so konzipiert, dass sie beim Erklimmen der Passagen möglichst viel Läden sehen, immer im U-Turns herumlaufen. Möglichst nie den Ausgang sehen. Die Sammlung der dort eingezogenen Läden brauchen wir eigentlich nicht für unseren täglichen Bedarf. Es ist alles in der Innenstadt vorhanden. Kann es sein, dass nur und ausschließlich die Investoren dieses Baus eine Aufstockung der Ladenflächen in Stuttgart verlangt und im Sinne gehabt haben? Mit dem Milaneo wird es sich kaum anders verhalten. Das wird auch eine Ladenburg werden, die mit der Innenstadt von Stuttgart nichts zu tun hat. Beide Einkaufszentren sagen zu den Stuttgarter Einzelhändlern: „Wir wollen Eure Kunden haben.“ Schade, da ist viel versäumt worden.

> Nachverdichtung oder Stuttgart wächst zusammen – 1. November 2012

Die dritte Etage der Königsbau-Passagen dient jetzt weitgehend als Futter-Mall, anders war diese Etage nicht mehr zu bevölkern. Schon hier drinnen konnten die Bürger die Stadt vergessen, nirgends mehr etwas, was an die Stadt erinnert, nach draußen kann man auch nur an wenigen Stellen gucken. Und jetzt zwei große Ladenburgen an beiden Seiten der City, die versuchen, von denen eine den Anspruch hat, dafür zu stehen, dass hier Stuttgart zusammenwachse, ausgerechnet neben der Paulinenbrücke, wo man vom Zusammenwachsen der Stadtquartiere nun wahrlich gar nichts spüren kann, solange diese Brücke sie voneinander strikt trennt. Immerhin, Stuttgart bekommt wenigstens ein neues hübsches Stäffele.- Und das neue > Milano, das für die City-Einkäufer in einem 15-20 Minuten Fußmarsch vom Schlossplatz entfernt, hinter dem Bahnhof gebaut wird, wirbt mit perfekter Erreichbarkeit und „Kurze Wege in zentraler Lage.“

> Wehret den Auswüchsen: Die Stuttgarter Nachverdichtung
> Stichwort „Gerber“ auf diesem Blog

Und die Innenstadt, wie sieht die heute aus?

> Warum wird die Kronprinzenstraße keine echte Fußgängerzone?

Hätte ich ein Fachgeschäft in der Innenstadt würde mir Angst und Bange werden in dieser Stadt. Schon schließen traditionsreiche Fachgeschäfte in der Innenstadt: Foto Hirrlinger und Haufler am Markt. Und am Karlsplatz wird auch ein neues Warenhaus gebaut, das unverdienterweise den ganzen Platz beherrschen wird. Wir brauchen in dieser Stadt dringend eine neue Diskussion über eine zusammenhängende Stadtentwicklung, bevor noch größerer Unfug wie diese drei Einkaufszentren angerichtet wird. Aufgaben gibt es genug: was ist z. B. mit der Hauptstätter Straße > Die Barriere Hauptstätter Straße. Alles zur > Hauptstätter Straße auf diesem Blog.

Stuttgart bekommt ein neues Stäffele

Alle Mahnungen, das Statqaurtier am oder um das Gerber-Viertel wirklich sachgerecht zu restaurieren haben nichts genützt. Die Paulinenbrücke wurde nicht abgerissen sondern an beiden Seiten bebaut: > Alles für das Auto: Die Paulinenbrücke.

> Die autogerechte Stadt (II): Die Paulinenbrücke in Stuttgart

Natürlich hätte man auch gleich das riesige Elefantenklo am Österreichischen Platz abgerissen müssen und dann hätte man sich der > Hauptstätter Straße zuwenden können. Schade, so werden Chancen zur Stadtreparatur verpasst. Stattdessen lässt man sich in Stuttgart von Immobilieninvestoren suggerieren, dass die Stadt trotzdem zusammenwächst: > Um jeden Preis: Nachverdichtung in Stuttgart.

Die meistgelesene Beiträge auf diesem Blog

Die Beiträge, die am besten der Konzeption diese Blogs entsprechen, sind auch seit 2006 am häufigsten aufgerufen worden:

> Ulm als Vorbild für Stuttgart

> Das Modell für Stuttgart: Die neue Mitte Ulm

> Arnulf-Klett-Platz oder Plätze sind in Stuttgart oft Straßen oder warum hat Stuttgart keine Platzkultur?

> Die Hauptstätter Strasse und das neue Mobilitätskonzept

> Architektur im Stuttgarter Literaturhaus. Von der Missachtung des Denkmalschutzes unserer kulturellen Vergangenheit und Zukunft

> Stadtreparatur: Die Hauptstätter Straße in Stuttgart

> Stuttgart 21 A 1 und die Bibliothek 21

> Die Neue Straße in Ulm

Konzept für ein schöneres Stuttgart
Roland Ostertag, Wasser in der Stadt

Man hat in den letzten Jahren in Stuttgart viele Bausünden begangen, oder begeht sie gerade mit den Einkaufszentren, die an zwei Stellen aus dem Boden wachsen. Nirgends ist ein Konzept für die Stadtentwicklung im heutigen Stadtbild erkennbar. Das neue Gerber und das Caleido mauern die Existenz der furchtbaren > Paulinenbrücke im wahrsten Sinne des Wortes auf lange Zeit ein. Sie wird weiterhin die beiden Stadtquartiere trennen, anstatt das Raum gegeben wird, um wie es auf dem Bauzaun des Gerber steht, zu erlauben, dasss Stuttgart gerade hier zusammenwächst. Viele Jahre oder Jahrzehnte wird die > Hauptstätter-Straße die Stadtteile zu ihren beiden Seiten voneinander trennen.

Schon bald muss der Nesenbach im Bereich des Schloßgartens unter den Trog des künftigen neuen Bahnhofs verlegt werden. Warum macht man in Stuttgart nicht ganz was anderes und holt de Nesenbach wieder an die Oberfläche? Roland Ostertag hat mit den Visulisierungen, die er in seinem neuen Buch > Wassser in der Stadt. Konzept für ein schöneres Stuttgart vorzeigt, dargelegt, wie das Wasser und auch der Nesenbach das Stadtbild popsitiv verändern könnten. Ostertag erinnert daran, dass Stuttgart bis in das 18./19. Jahrhundert eine Stadt war, deren Charakter und Klima durch offene Bäche und sichtbares Wasser, durch Seen und > Brunnen geprägt war. 95 % wurden seit dem 19. Jahrhhundert kanalsiert und verdolt. Der Nesenbach wurde als Abwasserkanal missbraucht und dann unter die Erde verbannt. Es wäre an der Zeit, ihn wieder nach oben zu holen.

Es ist ein Vergnügen der ganz besonderen Art, wenn > Roland Ostertag in seiner Ausstellung den Besuchern seine Vorstellungen für ein schöneres Stuttgart erläutert. Welch ein Kontrast zwischen dem Baufuror in Stuttgart und der Besinnung und Konzentration auf die Weiterentwicklung eines zusammenhängenden Stadtbildes!

Roland Ostertag
Wassser in der Stadt. Konzept für ein schöneres Stuttgart
Peter-Grohmann-Verlag
ISBN 978-3-927340-94-7

Stadtplanung und Stadtreparatur in Stuttgart

Was könnte/musste man aus dem > Österreichischen Platz machen? Man könnte ihn den Fußgängern zurückgeben und die Stadtteile um ihn herum wieder miteinander verbinden. Aber zur Zeit wird die > Paulinenbrücke als Auffahrt für diesen eigentlich nicht vorhandenen Platz einbetoniert. Betrachtet man die aktuelle Situation beiderseits der Brücke, so zeichnet sich ab, dass man oberirdisch die Fußgänger vergessen hat. Die dürfen wohl künftig nur im Dunkeln unter der Brücke zwischen den Stadtteilen hin-und hergehen. Hat man da in Stuttgart in punkto Stadtplanung etwas verpasst? – Was könnte man mit dem für die Stadt nicht genutzten Raum der Hauptstätter Straße nicht alles anfangen? Denkt man an > Ulm könnte man echt ins Schwärmen kommen. Ein Kurfürsten-, nein, nicht gleich nach den Sternen greifen, pardon, ein Hauptstätterdamm zum Flanieren, das wärs. Und da kommt gleich der erste Einwurf: „Wo sollen denn dann die Autos fahren?“ Die ganz einfache Antwort steht hier: > Die Barriere Hauptstätter Straße.

Die > Hausptstätter Straße – rund 20 Artikel auf diesem Blog – ist der der größte Sanierungsfall in dieser Stadt.

Rechts und links könnten Fußgänger flanieren, in der Mitte könnte eine Straßenbahn Neckartor und Marienplatz elegant miteinander verbinden.

Ach, so wird das alles nicht kommen. Auch künftig werden die > 14 Spuren die schnellen Autos ansaugen, die an beiden Enden dieser Stadtautobahn im Stau stehen. Die > Neue Mitte Ulm, pardon, die Neue Mitte Stuttgart, das wärs gewesen. Wir haben auf diesem Blog schon mal ein bisschen mit dem Buddeln und Bauen angefangen.

>Die Hauptstätter Strasse und das neue Mobilitätskonzept

> Die Bebauung der Hauptstätter Straße

> Die Neue Stadtplanung

Neue Architektur in Stuttgart

Das ganze Dilemma, zwischen Alt und Neu zeigt das zweite Foto im Buch > Architekturstadt Stuttgart, das Amber Sayah für die Stuttgarter Zeitung und der Belser Verlag herausgegeben hat: Vor dem Abriss des Nordflügels hält ein Demonstrant ein Schwarzweiß-Foto von Paul Bonatz, der bekümmert den Betrachter ansieht, empor; vielleicht ist das Foto auch nur eine Fotomontage. In Stuttgart sind schon öfters wichtige Bauten abgerissen worden, um Platz für neue architektonische Ideen zu schaffen. Das Kronprinzenpalais, das Kaufhaus Schocken, (hier: S. 131-134) das Steinhaus, die Ruine des Rathauses, die beiden Bahnhofsflügel zählen zu diesen Erinnerungen, die nur noch auf Fotos zu sehen sind. Stuttgart hat Probleme mit dem Denkmalschutz und seiner Vergangenheit und somit kein rechtes Verhältnis zu seiner Geschichte.

Würfelspiele, innen und außen lautet die Überschrift des Kapitels, das über die neue > Stadtbibliothek am Mailänder Platz berichtet. Die merkwürdige Distanz zum Buch, die in dieser Bibliothek seltsamerweise die Besucher so verzückt: „Der terrassierte Galeriesaal ist Architektur-Architektur…“ (S. 13), schafft einen Unterschied, zwischen den Büchern im Wilhelmspalais mit den traditionellen Regalreihen und jetzt der „Büchern und Besuchern eine prachtvolle Bühne bereitende Bibliothek“. (S. 13)

Das2009 fertiggstellte Haus der katholischen Kirche bekommt die Überschrift Promenadenmischung mit Mission. Dann das Schmuckstück am Schlossplatz: Schwabe mit reichem Innenleben heißt das Kapitel über das > Kunstmuseum mit der Stolpertreppe, das Rainer Hascher und Sebastian Jehle 2004 errichteten. Ein echtes Vorzeigeobjekt, auch wenn die Umgebung sich noch nicht so recht an den Bau gewöhnt hat. „Die Rückseite finde ich interessanter, weil sie in den Platz eingefügt ist. Ich finde ja immer noch, dass der ganze Bau zu nah am Schloßplatz steht. Treppen vor dem Haupteingang hätten einladender gewirkt,“ stand 2007 auf diesem Blog. Es stimmt übrigens, dass das Mobile von Calder mit der Kulisse des Kunstmuseums jetzt endlich so richtig zur Geltung kommt:

Ein Haus, das Stadt macht steht über dem Beitrag, der den Entwirf für die Erweiterung der Württembergischen Landesbibliothek beschreibt, der von Lederer + Ragnarsdóttir + Oei 2015 fertiggestellt werden soll. Ob man das richtig macht, ihn direkt an die Straße zu stellen? Hier wird ein bestehendes Gebäude erweitert, und man darf gespannt darauf sein, wie beide Alt und neu sich miteinander unterhalten werden. Ich finde die WLB innen immer noch sehr zweckmäßig.

Das Mercedes-Benz-Museum und das Porsche-Museum (1) sind eher überkandidelte Schaubauten für die Werbung, wobei das Museum für die Autos mit dem Stern etwas systematischer Autogeschichte zeigt, während das andere Museum noch mehr mit der großen Verschiedenheit seiner Räume überraschen will. Hier gilts dem Automuseum berichtet über das Museum der Sammlung Mahle, das 2009 errichtet wurde. Ein besonderer Stadtbaustein, die Galerie Abtart in Möhringen ist weniger bekannt. Sie wurde 2009 fertiggestellt.

Aber in Stuttgart wird auch Altes renoviert: Die Modernisierung in Schwarz und Weiß ist mit dem Umbau der katholischen Kirche ist prachtvoll gelungen. Wieder ist der Beitrag vom Amber Sayha auch hier eine gelungene Aufforderung, sich diese Kirche einmal näher anzusehen. Zu Recht hat auch die ins Bild gesetzte Geschichte, die Errichtung der Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung an den Bahngleisen, von denen die Stuttgarter Juden, SInt und Roma deportiert wurden, seinen Platz in diesem Buch. Warum wird aber nicht gesagt, dass Professor Ostertag den Verein „Zeichen der Erinnerung“ gegründet hat? Und mit Unterstützung des Vereins die Gedenkstätte gegen die Stadt durchgesetzt hat?

Das Weißenhofmuseum, das Baur-Areal, die Wohnanlage Weimarstrasse, das Wohnstift Augustinum, das Haus in der Seestrasse, das Wohnhaus Barth und das Hospiz St. Martin dokumentieren die Architektur im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, alle sind es gelungene Bauten, die eindrucksvoll beschrieben werden, die aber weit auseinanderstehen und zum Stadtbild in Stuttgart nur indirekt beitragen.

In der Tradition bester Ingenieurbaukunst heißt das Kapitel über die Neue Messe Stuttgart, in der mir wieder die besonders langen Wege in auffallen, die an den enormen Landschaftsverbruach dieses Projekts erinnern. Sie ist ja sicher auch auf Zuwachs ausgelegt. Das > Z-Up ist ein sehr gelungener Energiekick für die Heilbronner Straße, die ihn auch dringend nötig hat, den die Straße aber nciht so recht geniesßen oder verkraften kann, zu wenig passt der Bau zwischen die bisherige Bebauung. Auf der der anderen Seite wird sie von einer hohen vom ehemaligen Güterbahnhof getrennt. In diesem Viertel hat man eine Chance verpasst, das neue Stadtquartier zu seiner Umgebung sprechen zu lassen. Rund um den Mailänder-Platz entsteht eine schöne Insellösung.

Ein Hauch von Expressionismus zeigt die neue Domsingschule (2006). Kennen Sie das Gebäude? Gut, dass es dieses Buch gibt. Ein richtiger Bau und Architekturentdeckungsführer durch Stuttgart. Lesen wir weiter. Große Sorgfalt für kleine Leute verrät die Kindertagesstätte in Obertürkheim, wie auch das Katholische Kinderhaus St. Hedwig: Vor der Nase wachsen Walnüsse.

Danach kommt kommt der zweite Teil: Stadterkundungen mit Arno Lederer: Ein Gang über den Stuttgarter Marktplatz. Keine Spur von urbanem Boulevard heißt der Beitrag über die hässliche und unnütze Stadtautobahn, die die Stadt immer noch zweiteilt. Viel mehr Meile als Kultur.

Warum wird in diesem Beitrag nicht an die bekannten Pläne von Professor Ostertag erinnert, der eine Lösung für die Hauptstätter Strasse, sogar für die ganze Straße vom Marienplatz bis zum Neckartor, vorgelegt hat? Als wir am letzten Samstag in der Ausstellung zur Stadtentwicklung von Roland Ostertag > Stuttgart woher- wohin waren, sagte mein französischer Freund anerkennend, ohne Professor Ostertag würde in dieser Stadt noch viel mehr abgerissen werden:

> 14 Spuren sind zuviel

> Die Hauptstätter Strasse und das neue Mobilitätskonzept
> Die Bebauung der Hauptstätter Straße
> Stadtreparatur in Stuttgart (II): Die Hauptstätter Straße
> Alles zum Thema > Hauptstätter Straße auf diesem Blog

Leider wird die > Paulinenbrücke zwischen zwei Neubauten eingezwängt. Auf den Bauzäunen steht: Stuttgart wächst zusammen, das ist wohl eher spöttisch gemeint, das ginge nur, wenn die > Paulinenbrücke abgerissen worden wäre. Schade, das hat man verpasst, also werden die neuen Gebäude auf sich reduziert und nicht miteinandersprechen, weil zwischen ihnen die Autos hin- und herbrausen, und die Fußgänger weiterhin unerwünscht sind. Sind Sie schon mal auf der Parkfläche unter der Paulinenbrücke gewesen? Das ist auch Stuttgart. Es wird Zeit, das die Fußgänger die Stadt endlich zurückerobern.

Wo die Strassenhasser ihres Amtes walten ist der Artikel über das Bosch-Areal und die Liederhalle überschrieben. Von allen Überschriften in diesem Buch, ist sie am wenigstens gelungen. Hier fehlen übrigens Fotos vom geretteten Boschareal. Das > Literaturhaus ist nicht erwähnt und der Name von Roland Ostertag fehlt auch. Die Begehung und die Besprechung oder oberflächliche Kommentierung im Plauderton des Berliner Platzes vergisst auch den Namen von Roland Ostertag und ist im übrigen unnötig kritisch ausgefallen, während alle anderen Beiträge viel wohlwollender klingen. Bedenkt man sein Engagement für diese Stadt, ist das schon seltsam: > Was zeichnet eine lebenswerte Stadt aus?

Die Logik der Beziehungslosigkeit führt uns auf das S-21-Gelände. > kann man erfolgreich einen Stadtteil auf einem Reißbrett entwerfen?. Das ist immer schwer und das so gelobte Filetstück zwischen Heilbronner Straße und dem Schloßpark wird ein neuer Stadtteil für sich allein ohne Bezug zu den umliegenden Stadtquartieren entstehen. Bis jetzt fehlt noch der Charakter des Stadtteils. Es ist nicht sicher, ob die zeitweilig erscheinenden Besucher reichen werden, dieses Quartier mit Leben zu erfüllen. Hier macht es sich bemerkbar, dass Stuttgart kein richtiges Stadtentwicklungskonzept hat: > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (IV).

Und dann folgt das Kapitel mit den Debatten, das die Diskussion um den > Stuttgarter Hauptbahnhof dokumentiert. Im Abschnitt Visionen äußern sich Fran Pesch, Arno Lederer, Stefan Behnisch, Tobias Wulf, Jürg Aldinger und Tobias Walliser zu den Zukunftsperspektiven für die Stadt Stuttgart. Pflichtlektüre für alle, die in dieser Stadt wohnen und sie besuchen. Aber auch viele Anreize für deutlichen Widerspruch. Aber auch die Visionen dieser Autoren täuschen nicht darüberhinweg, dass dieser Stadt ein Gesamtkonzept für die Stadtentwicklung fehlt. Hier und da wird gebaut. Es entstehen > riesige Einkaufsszentren und > die Innenstadt verkümmert: > Einkaufzentren sind kein Beitrag zu einer Stadtkultur. Hier wird zur Zeit mit dem Gerber und dem Einkaufszentrum am Mailänder Platz alles falsch gemacht und die Bürger können nur noch zusehen

Das Buch ist schön gemacht und es lädt ein nach Stuttgart zu kommen. Allerdings sind die ersten Kapitel (S. 1-98) Berichte über Einzelbauten, die in jeder andern Stadt auch stehen könnten. Es gibt keine Zusammenhänge zwischen ihnen, allenfalls nur thematischer Art. Aber auch in ihrer Summe präsentieren sie keine Vision der Stadt. Es ist richtig, die schönen neuen Bauten beweisen die architektonische Aufbruchstimmung in dieser Stadt, die aber ihre dringendsten aufgaben noch immer nicht erledigt hat:

> Warum wird die Kronprinzenstraße keine echte Fußgängerzone?

… und die > Hauptstädter Straße wird wohl mit ihren vielen unnützen Hin- und Herfahrten noch lange das ungelöste städtebauliche Problem Nr. 1 in dieser Stadt bleiben.

Amber Sayah
> Architekturstadt Stuttgart
Bauten – Debatten – Visionen
26,4 x 24,5 cm (LxB), 160 Seiten
130 Abbildungen
Fester Einband
ISBN: 978-3-7630-2616-6
Preis: € 29,95


H.W., Construire l’imprévisible. Une brève esthétique de l’architecture,
in: Recherches en esthétiques, Revue du C.E.R.E.A.P., Nr. 15, Novembre 2009, S. 73-80.
> www.france-blog.info/kultur/limprevisible-une-petite-esthetique-de-larchitecture

Alle Fotos: (c) Heiner Wittmann

Stuttgart 1:1000

Wie kann man die Chancen und Probleme der Stadt Stuttgart am besten verstehen? Aus der Vogelschau. Dann wird die Lage der Stadtteile zueinander deutlich, dann sieht man, wie die Hauptstätter Straße die Stadt teilt, oder nach einer > Reparatur nicht mehr teilt, dann versteht man, warum die Devise am neuen Gerber-Viertel „Stuttgart wächst zusammen“ einfach falsch ist, weil die > Paulinenbrücke als Fremdkörper stehen bleibt und weiterhin einen Stadtteil zugunsten der Autos und nichts anderem trennen wird. Man kann innerhalb der Stadtviertel die Sichtachsen erkennen, und wie die Stadt auf ihre einzige echte Frischluftschneise hin topographisch geöffnet ist. Und wenn Professor Ostertag den Aufbau dieses Modells und damit der Stadt in ihren Grundstrukturen erklärt, vermittelt er einen beeindruckenden Einblick in Stadtplanung. Außerdem hat er in seiner Ausstellung am Gähkopf 3 seine Arbeiten zu Stadtplanung der letzten Jahrzehnte dokumentiert. So viele Anregungen zur Rückbesinnung auf verpasste großartige Chancen der Stadt Stuttgart gibt an keinem anderen Ort in Stuttgart. Und auf dem Büchertisch am Eingang seiner Ausstellung liegen die Bücher, mit der sein Engagement für die Stadt: > Zeichen der Erinnerung und die mittlerweile gerettete Lusthaus-Ruine dokumentiert.

> Stuttgart woher- wohin
Ausstellung zur Stadtentwicklung im > Gähkopf 3:
Sa. 11 bis 15 h u. n. Vb.: > Auskunft.

Warum wird die Kronprinzenstraße keine echte Fußgängerzone?

[wp-cumulus]
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Beim samstäglichen Einkaufsbummel fiel wieder einmal die schon lang vergangene Pracht der
> Kronprinzenstraße auf. Zwischen Calwer Straße und Königsstraße ist sie ein Stück Niemandsland geworden. Nur noch zwei Litfasssäulen, zwei Ausgänge aus dem Parkhaus, ein paar Spielgeräte, ein paar Mülltonnenbehälter und ein maroder Belag gehören zum Stadtmobilar dieser Fußgängerzone.

Die Straße lädt nur zum Durchqueren ein. Sie hat neben der Königsstraße schon längst ihre Funktion verloren. Die Kronprinzenstrasse inspiriert zu nichts. Man braucht sie nur, um zum Parkhauseingang zu kommen. Und man darf nicht stolpern. Ihr Belag! Ach, man mag gar nicht hinsehen. Eine Grundsanierung des Belags, ein Grünstreifen in der Mitte, an dessen beiden Seiten sich der wöchentliche Bücherflohmarkt etablieren könnte, mehr Cafés, bestimmt gibt es viele Ideen, dieses triste Meile entscheidend aufzuwerten.

Aber ein paar Kilometer weg von beiden Enden der Kronprinzenstraße werden mit dem > Gerber und dem neuen Projekt hinter der Stadtbibliothek neue Einkaufszentren gebaut. Funkelnde Glaskästen mit vielen schönen neuen Läden, die die Besucher mit ihren Autos und den leeren Kofferräumen anziehen sollen, derweil die Innenstadt, wenn nichts geschieht, verkommen wird. > > Einkaufzentren sind kein Beitrag zu einer Stadtkultur sondern > eine Hölle für den Bürger.

Der Investor ECE mit > Alexander Otto, dem Vorsitzenden der ECE-Geschäftsführung, hat ein gutes Gewissen. Argumente gegen Shopping-Center sind für ihn Vorurteile: Er listet auf der Website von ECE „Fakten statt Vorurteile“ und will so die Frage beantworten: „Wie sind Shopping-Center heute wirklich und wie können sie zur Belebung der Innenstädte beitragen?“ Er ist sich und seiner Sache sicher, dass mit der Entstehung neuer Center in Innenstädten, der bestehende Einzelhandel bereit ist, seine Infrastruktur aufzuwerten. Andere warnen zu Recht vor dem Unfug neuer Shopping-Center, Otto preist sie als Beitrag zur Innenstadtentwicklung. In Bezug auf Braunschweig schreibt Otto: „Der Passantenaustausch von Center und Innenstadt funktioniert somit hervorragend. Die Besucher der Schloss-Arkaden besuchen auch die Innenstadt und umgekehrt.“ Und wie wird das in dieser Stadt mit dem neuen Shopping-Center hinter der Stadtbibliothek und der Stuttgarter Innenstadt funktionieren?

Man hat in den letzten Jahren oder gar in den beiden letzten Jahrzehnten die Innenstadt schlicht vernachlässigt. Auf der einen Seite trennt die > Hauptstätter Straße, auf der anderen Seite die Theodor-Heuss-Strasse wichtige Stadtviertel hermetisch voneinander ab. Die City wird von vier großen Plätzen, dem Karlsplatz, dem Schillerplatz und dem Rathausplatz geprägt. Eine kontinuierliche Entwicklung der Innenstadt hätten den Einkaufspalästen keine Chance geboten. Nun werden sie gebaut. Immerhin die Seele der Stadt bleibt in der City, denn die Shopping-Center werden mit ihr nichts anfangen können, sie sehen innen wie in Herne, Wuppertal oder sonstwo aus.

Noch ein Überweg

Dieser Beitrag wurde am 12. Oktober 2006 verfasst. Jetzt ist er – Blick in die heutige Stuttgarter Zeitung – wieder ganz aktuell. Auf diesem Blog sind auch viele weitere Beiträge zur > Hauptstätter Strasse.

Nach den > ersten beiden Überwegen, die die Stadtteile wieder miteinander verbinden, sind die Fußgänger bestimmt auf den Geschmack gekommen. Nun warten wir alle darauf, wann wir endlich nach dem Museumsbesuch in die Innenstadt oder in die Oper, oder von der Innenstadt zur Museumsmeile schlendern dürfen, ohne durch diesen finsteren Tunnel laufen zu müssen:

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