Soviel Platz!

Schauen wir nochmal auf die Hauptstätter Straße vom Österreichischen Platz aus in Richtung der Leonhards-Kirche. Zählen wir nochmal. Sind es wirklich 14 Spuren? Gehen wir noch auf die andere Seite:

Wenn man an beiden Enden der Stadtautobahn mit ihren großzügigen Auf- und Abfahrten nicht im Stau stehen würde, weil an der einen Seite, sich die Fahrbahn im Tunnel auf eine Spur verengt, oder an der anderen Seite Richtung Bad Cannstatt es ebenfalls wieder zwei Spuren werden. Hier ist die Situation noch vergleichsweise günstig. Wenn man den Verkehr an sich vorbeibrausen läßt, gibt es meistens Grüne Welle. Man fährt halt meistens in der Rush hour ziemlich langsam, weil so viele Fahrzeuge über die Stadtautobahn gebraust kommen. Jedem, der an einem der beiden Ende im Stau steht, müßte eigentlich die Frage nach dem Sinn und Zweck der Stadtautobahn kommen. Immerhin die neuen Fußgängerüberwege haben das Tempo der Raser gedrosselt, aber die Zahl der Spuren ist immer noch die gleiche. Allerdings hat man schon eine Spur geschlossen, weil an dieser Stelle die Fahrzeuge für die Fußgänger zu gefährlich wären.

Auch für eine große Straße mit hohem Verkehrsaufkommen sind 14 Spuren einfach zuviel. Schaut man genau hin, sind mindestens 2 Spuren mit Parkplätzen mit dabei. Und einige Spuren sind nur dafür da, den Autos beim Beschleunigen, Einfädeln und Bremsen auf der Ausfahrtsspur zu helfen. Und Umweltaspekte aufgrund des kurzfristigen Beschleunigens sind hier noch gar nicht erwähnt. Fußgänger spielen bei dieser Verkehrssituation nur erst kurzem auf den neuen Überwegen eine Rolle, ansonsten haben die Erbauer dieser Stadtautobahn sie völlig übergangen.

So breit!

Ein Blick auf die Hauptstätter Straße vom Österreichischen Platz aus Richtung Wilhelmsplatz.

Zählen wir mal von links nach rechts. Das sind 8 Spuren, wenn man knapp zählt. Da wäre auch Platz für neun Spuren. Das sind so viele, daß man eine der Abfahrten, die beinahe zwei Spuren einnimmt, gesperrt hat. Das ist nicht ganz richtig. Die Sperrung war notwendig, damit die Autos nicht so schnell aus dem Tunnel auf die rote Ampel am Fußgängerweg zusausen. Der Fußgängerweg hatte letztes Jahr die beiden durch die Stadtautobahn getrennten Teile der Sophienstraße zumindest ansatzweise wiedervereinigt.

Wie gesagt acht oder neuen Spuren für eine Straße, die vor dem Österreichischen Platz vier Spuren hat und nach dem Ende der Stadtautobahn in der Neckarstraße auch nur vier Spuren hat. Die Auf- und Abfahrten bedingen die Breite der gesamten Stadtautobahn, an deren beiden Enden man eigentlich immer Stau steht.

Gucken wir nochmal aus der Richung des Wihelmsplatzes in die Richtung Österreichischer Platz :

Rechts vom Gebüsch und der Litfaßsäule sind zwei Spuren, dann die unbenutzte Spur, dann die „Schnell-„straße mit 4 Spuren und auf der anderen Seite wieder 2-3 Spuren. Bald hier mehr zu diesem Thema.

Der Knopfdruck

Letzte Woche wurden auf der Hauptstätter Straße zwei neue Überwege eingerichtet. Ob ein einziger Knopfdruck wirklich genügen wird, um > alle Autos anzuhalten? Eigentlich ist die Idee der beiden Überwege, einer von beiden zwischen der Leonhardskirche und der Innenstadt, einer in der Nähe Österreichischen Platzes prima, weil die Stadtteile, die durch die Schnellstraße willkürlich getrennt wurden, nun wieder verbunden werden.

Die > Autos brausen hier immer zu schnell und stehen dann an beiden Enden der Schnellstraße fast immer im Stau. Aber jetzt gibt es den > Knopfdruck.

Das Konzept

Dieser Blog ist dem Andenken von > Professor Roland Ostertag (1931-2018) gewidmet. Mit ihm habe ich von von 2001 bis 2018 zusammengarbeitet. Kennengelernt haben wir uns auf der Baustelle des künftigen Literaturhauses, das im Bosch-Areal entstand, dessen Rettung Ostertags verdienst war: Wie oft haben wir Fotos – rund 12000 Fotos sind in den Jahren 2001-2028 entstanden, rund 300 CDs –

Weiterlesen

Rezension: Cord Beintmann, Reclams Städteführer Stuttgart. Architektur und Kunst

Rechtzeitig zu den anstehenden Lockerungen erscheint Anfang Mai bei Reclam der Führer durch Stuttgart: Cord Beintmann, > Reclams Städteführer Stuttgart. Architektur und Kunst.

Dieser Stadtführer präsentiert eine ganz klassische Form. Eine Einleitung  „Stuttgart – Wirtschaftszentrum und Kulturmetropole“ gefolgt von der „Stadtgeschichte in Daten“ und dem “ Kulturkalender“ und der Beschreibung ausgewählter Stadtteile: „Das Zentrum rund um Königstraße, Schlossplatz und Schlossgarten, „Vom Rathaus in den Westen und Süden“, „Der Westen“, „Der Süden“, „Der Norden: vom Europaviertel über die Weißenhofsiedlung nach Zuffenhausen“, „Zuffenhausen und Rot“, „Vom Osten an den Neckar“, „Von Bad Cannstatt in die weitere Umgebung“ einschließlich mit Ausflügen nach Ludwigsburg und Marbach am Neckar. Eine Liste mit Museen und eine Übersichtskarte ergänzen den Band.

Steht man vor dem Reisebücherregal in der Buchhandlung ist das Angebot oft unübersehbar. Aber dieses Buch erweist sich als eine gute Wahl.

Alles kann man nicht mehr in Stuttgart sehen: Steht man vor dem Hauptbahnhof, liest man auf S. 33: „Seit der Zerstörung der Dreiflügelanlage ist das Erscheinungsbild des Bahnhofs erheblich beeinträchtigt.“ Das gilt auch für den so in einer Stadt einmaligen Schlossgarten: „2010 und 2012 wurden für den Umbau des Hauptbahnhofs im Mittleren Schlossgarten trotz vehementer Proteste rund 200 Bäume gefällt oder versetzt, womit die Kontinuität der langgestreckten Anlage des Schlossgartens empfindlich gestört wurde.“ (S. 35) Von der Oper bis zum Rosensteingarten mit dem Fahrrad radeln, das ist es (oder morgens von Cannstatt bis in die Innenstadt radeln), die Zerstörung des Schlossgartens im Bereich des Hauptbahnhofs hat viel vom Zauber dieser Reise genommen. Dennoch ist es eine wunderbare Tour, hat man den Bahnhof, erst einmal hinter sich gelassen. Viele Einzelheiten im Schlossgarten werden genannt: z. B. die > Ruine des Neuen Lusthauses. In die andere Richtung geht es zur Oper, dem Staatstheater und dem Landtag, ein beeindruckendes Ensemble am Eingang zur Stadt, das hier zu Recht gewürdigt wird. Das gilt auch für die Alte und neue Staatsgalerie, wie die neue John-Cranko-Schule, die ausführlich beschrieben werden. Das Alte Waisenhaus und der Karlsplatz führen wieder in die City zu Markthalle und zur Stiftskirche und zum Alten Schloss mit Fruchtkasten und Prinzenbau. Das Kunstmuseum gehört zu den Prachtbauten am Schlossplatz mit dem Neuen Schloss und dem Gebäude des Kunstvereins.

Weiter geht es zum Hotel Silber, zum Rathaus und dem Marktplatz, weiter zum Dorotheenviertel. Überwindet oder unterquert man die Hauptstätterstraße kommt man zur Leonhardtskirche, die auch darauf wartet, dass einst die Schnellstraße mit ihren bis zu 10 Spuren oder sind es noch mehr?  auf der man nur noch 40 fahren darf, verschwindet und die getrennten Stadtquartiere wieder vereinigt werden. Von hier aus mit diesem Führer in der Hand erst durch das Heusteigviertel, dann wieder Richtung Hegel-Haus bis zur Hospitalkirche, da lernen auch ortsansäßige Schwaben viel über ihre Stadt.

Weiter zum Haus der Wirtschaft zur Liederhalle und zum Boschareal, das die „Architekten Roland Ostertag und Johannes Vornholt 1998–2001 saniert und ergänzt“ haben, und zur Universität mit dem Stadtgarten.

Die drei folgenden Kapitel der Westen, der Süden und der Norden präsentieren ebenfalls  gelungene Architekturführungen durch die schwäbische Landeshauptstadt. Mit exzellentem Fachwissen begleitet  Cord Beintmann Sie zu den architektonischen Höhepunkten Stuttgarts und vermittelt nebenbei interessante Baugeschichten besonders auf beiden Seiten der Heilbronner Straße, deren Bauten, unserer Meinung nach, wegen falscher Platzierung auf unserem Blog nicht allzugut wegkamen: Besonders das > Einmauern des Glanzstücks der  Stadtbücherei ist eine städtebauliche Sünde. Darum geht es aber hier nicht, wenn die Bauten für sich betrachtet werden und von Beintmann so wunderbar erläutert werden. Der Architekt der sich ansieht, wie die Gebäude zueinandersprechen – oder sich gar nichts zu sagen haben – wird unsere eben geäußerte Klagen wieder aufnehmen.

Beintheim führt den Leser auch zur > Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung, die nicht viele Besucher Stuttgarts aufsuchen und doch ist sie unter dem Einfluss des Architekten Roland Ostertag ein so würdiger und und immens trauriger Ort geworden.

Ganz zu Recht erhält die > Weißenhofsiedlung in diesem Führer mehrere Seiten: S. 126-132.

In Zuffenhausen gehts zum Porsche-Museum. Und u. a. Ludwigsburg und Marbach am Neckar warten noch auf den den Leser dieses Führers.

Die schönste und lehrreichste Aussicht gibt es vom Fernsehturm, S.18, 25, 109 f.: auf unserem Blog > TV-Turm-Wetter.

Den fehlenden Index der genannten Personen verschmerzt man, es geht hier vornehmlich um die Bauten und Stadtquartiere der Stadt, aber das Fehlen der Bücher von Roland Ostertag (1) in der Bibliographie ist bedauerlich. Sein Name wird nur einmal im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Bosch-Areals genannt, aber die von vorgenommene Restaurierung des Alten Schauspielhauses fehlt, sein Einsatz für die Lusthausruine, für das Hotel Silber und für die > Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung wird hier nicht genannt.

Erinnern wir uns, dass wir gesagt haben, dass es hier nicht um Personen geht, dann ist dieser Band ein sehr gelungener Wegbegleiter durch Stuttgart für Einheimische, Zugereiste, und Durchreisende.

Cord Beintmann
> Reclams Städteführer Stuttgart. Architektur und Kunst
Ditzungen: Reclam, 2021
Originalausgabe
Klappenbroschur
200 S. 21 Farbabb. 6 Karten
Erscheint Anfang Mai 2021
ISBN: 978-3-15-014158-8

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1. Heiko Stachel hat einen virtuellen Rundgang durch das Büro von Roland Ostertag aufgezeichnet, bevor es aufgelöst wurde.

Immer enger: Nachverdichtung in der Innenstadt (III)

Die Klagen über die misslungene oder fehlende Stadtplanung häufen sich auf unserem Blog. Hier ein Beispiel, wie die Nachverdichtung in der Stuttgart City irreparablen Schaden anrichtet. Es geht um die Rosenstraße, auf dem folgenden Foto sich in der Mitte im unteren Teil des Fotos befindet und auf die Hauptstätterstraße zuläuft. Früher ging sie in die Sporerstraße über, jetzt wird aber das Gebäude des Dorotheenviertel in ihren Straßenverlauf hineingestellt. Nachverdichtet! Und die > Barriere Hauptstätterstraße wird so zumindest indirekt und nachhaltig betont:

Vergrößern mit einem Klick.

Schade, aber so wird immer in Stuttgart gebaut. Sichtachsen, die für die Identität einer Stadt so wichtig sind, werden ignoriert.

Das Thema Nachverdichtung ist ein Dauerbrenner auf unerem Blog:

> Nachverdichtung in der Innenstadt (II)
> Um jeden Preis: Nachverdichtung in Stuttgart
> Stuttgarter Nachverdichtung
> Stuttgarter Riegelbebauung und Nachverdichtung
> Wehret den Auswüchsen: Die Stuttgarter Nachverdichtung
> Nachverdichtung in Stuttgart. Noch ist es nicht zu spät
> Die Stuttgarter Nachverdichtung
> Nachverdichtung in der Innenstadt
> Nachverdichtung in Stuttgart
> Der Stuttgarter Talkessel wird abgeriegelt

Das Zubauen des Blicks vom Österreichischen Platz aus auf St.Maria haben wir hier auf unserem Blog beklagt. Steigt man auf die Halbhöhe ist noch ein kleiner Blick auf die Kirche frei:

Konzept für ein schöneres Stuttgart
Roland Ostertag, Wasser in der Stadt

Man hat in den letzten Jahren in Stuttgart viele Bausünden begangen, oder begeht sie gerade mit den Einkaufszentren, die an zwei Stellen aus dem Boden wachsen. Nirgends ist ein Konzept für die Stadtentwicklung im heutigen Stadtbild erkennbar. Das neue Gerber und das Caleido mauern die Existenz der furchtbaren > Paulinenbrücke im wahrsten Sinne des Wortes auf lange Zeit ein. Sie wird weiterhin die beiden Stadtquartiere trennen, anstatt das Raum gegeben wird, um wie es auf dem Bauzaun des Gerber steht, zu erlauben, dasss Stuttgart gerade hier zusammenwächst. Viele Jahre oder Jahrzehnte wird die > Hauptstätter-Straße die Stadtteile zu ihren beiden Seiten voneinander trennen.

Schon bald muss der Nesenbach im Bereich des Schloßgartens unter den Trog des künftigen neuen Bahnhofs verlegt werden. Warum macht man in Stuttgart nicht ganz was anderes und holt de Nesenbach wieder an die Oberfläche? Roland Ostertag hat mit den Visulisierungen, die er in seinem neuen Buch > Wassser in der Stadt. Konzept für ein schöneres Stuttgart vorzeigt, dargelegt, wie das Wasser und auch der Nesenbach das Stadtbild popsitiv verändern könnten. Ostertag erinnert daran, dass Stuttgart bis in das 18./19. Jahrhundert eine Stadt war, deren Charakter und Klima durch offene Bäche und sichtbares Wasser, durch Seen und > Brunnen geprägt war. 95 % wurden seit dem 19. Jahrhhundert kanalsiert und verdolt. Der Nesenbach wurde als Abwasserkanal missbraucht und dann unter die Erde verbannt. Es wäre an der Zeit, ihn wieder nach oben zu holen.

Es ist ein Vergnügen der ganz besonderen Art, wenn > Roland Ostertag in seiner Ausstellung den Besuchern seine Vorstellungen für ein schöneres Stuttgart erläutert. Welch ein Kontrast zwischen dem Baufuror in Stuttgart und der Besinnung und Konzentration auf die Weiterentwicklung eines zusammenhängenden Stadtbildes!

Roland Ostertag
Wassser in der Stadt. Konzept für ein schöneres Stuttgart
Peter-Grohmann-Verlag
ISBN 978-3-927340-94-7

Stadtreparatur (IV): Die Paulinenbrücke:
Eine Brücke als Parkhausdach?

Die Paulinenbrücke überquert mit einer vierspurigen Straße auf einem eleganten Betonbogen entlang und über der Paulinenstraße die Tübingerstraße und führt dann die Autos zum > Österreichischen Platz, wo sie auf die > Hauptstätter Strasse treffen. Blickt man unter der Brücke in Richtung des Österreichischen Platzes entdeckt man einen Parkplatz. Eine eher etwas unangenehme Gegend. Eigentlich wird von dem Paulinenbauwerk nur die Tübingerstraße kreuzungsfrei überquert. Oben brausen die Autos, und unten dämmert ein zerrissenes Stadtviertel vor sich hin, dem man mit dem Bau der Brücke die Seele genommen hat. Auf der einen Seite wird das Gerber gebaut, auf der anderen Seite ist noch eine Brache, auf der Plakatwände auch von einem Neubau künden. Wie werden die Architekten sagen? Das Gerber und dieser Neubau werden sich nichts zu sagen haben. Die Paulinenbrücke wird weiterhin einen Stadtteil in 2 Teile zerschneiden, die nicht miteinander kommunizieren können.

Links und rechts der Paulinenbrücke, © Manfred Storck. Mehr Luftbilder: Kissinger Straße 60, 70372 Stuttgart. E-Mail: storck.manfred@t-online.de. Das Foto zeigt links die Häsuer, die im Mai/Juni 2011 dem künftigen Gerber weichen mussten.

Stadtplanung sieht anders aus, kann man dazu sagen oder ein wenig drastischer, das Problem der Paulinenbrücke zeigt an einem Ort den Geist der Stadtplanung in Stuttgart. Bleibt die Brücke stehen, ist das Quartier total verkorkst. Auf beiden Seiten der Brücke werden Insellösungen gebaut, deren Bewohner sich kaum unter die Brücke trauen werden. Schade. So werden Chancen in dieser Stadt verpasst.

In der anderen Richtung stehen unter der Brücke große Säulen, die die Brücke tragen. Wieviel verschenkter Stadtraum, der Nützlich für einen wunderbaren Boulevard neben dem > Gerber genutzt werden könnte.

Warum lässt man die Brücke bei dem nun anstehenden Neubau des Gerbers stehen?

> Stadtreparatur in Stuttgart (I): Die Paulinenbrücke

Kommt die Kulturmeile wirklich in den Tunnel?

Unter der Überschrift > Mehrheit für Untertunnelung steht berichtetet Thomas Borgmann am 19.12.2007 in der Stuttgarter Zeitung über die Zustimmung die bevorstehende Zustimmung des Gemeinderats zu dem 70-Millionen Projekt.
Mittlerweile hat der Gemeinderat das Projekt beschlossen. Kaum ist der Haushalt ausgeglichen, greift die Stadt tief in die Tasche: > Stadt investiert 600 Millionen Euro in neue Projekte (SZ, 21.12.2007)

Die Kulturmeile

Zählen wir mal die Fahrbahnspuren. 10 oder 11? In der Tat ein unüberwindbares Hindernis für Fußgänger, die gerne von der Staatsbibliothek zur Oper hinüberschlendern würden. Man braucht die vielen Bahnen, Einfädelungsspuren, Abbiegespuren auch nur, um in der autogerechten Stadt den Verkehr aus dem Tunnel bzw. in den Tunnel zu führen, um den dort laufenden oder stehenden Verkehr möglichst wenig zu stören. Gut, daß da keine Fußgänger unterwegs sind, die sind ja auch gar nicht vorgesehen.

Kommen die mittleren vier Spuren in den Tunnel, dann muß man ganz bestimmt künftig am > Gebhardt-Müller-Platz höllisch aufpassen, nicht im Tunnel zu weiterzufahren, damit man einige hundert Meter später am Charlottenplatz nach Degerloch abbiegen kann. Genauso kommt man auf der Fahrt von Degerloch hinunter, um dann Richtung Bad Cannstatt zu fahren nur in den Genuß auf dem neuen Deckel zu fahren. Vielleicht die Hälfte des heute zwischen Oper und Staatsgalerie rollenden Verkehrs muß also weiterhin oben fahren. Bis jetzt scheint man sich noch unschlüssig zu sein, ob die Fahrbahnen zu viert in der Mitte verlaufen sollen, oder ob zwischen ihnen ein Grünstreifen eingerichtet werden soll. Schon diese Überlegung scheint anzudeuten, daß ein ausgewogenes städtebauliches Konzept gar nicht vorhanden ist, sondern daß sich der Gemeinderat vom vollen Stadtsäckel und von dem vermeintlichen Zeitdruck wegen S 21 verführen läßt, die Kulturmeile schnell in den Tunnel zu legen, ohne daß darüber eine stadtgesellschaftliche Diskussion wie > die Ulmer Bürger es vorgemacht haben, stattgefunden hat. Durch das Eingraben von Fahrbahnen in der Stadt löst man keine Verkehrsprobleme. Im Tunnel gehts nur etwas schneller dem Stau an beiden Ende entgegen. Und das Projekt zeigt, daß die Stadt für die Sanierung der Kriegswunden kein Gespür hat. > Die Hauptstätter Strasse und das neue Mobilitätskonzept bekommt als Konzept für eine Diskussion keine Chance. Aber vielleicht habe ich das ein oder andere Argument zugunsten der Kulturmeile übersehen, dann wird es sicher hier als Kommentar nachgetragen werden.

Auf diesem Blog: > Die Kulturmeile soll in den Tunnel

Mich würde auch interessieren, wieviel Prozent des rollenden Verkehrs in der Stadt tagsüber Strecken von mehr als 4-5 km zurücklegt? Ist der Anteil wirklich so groß, daß die Untertunnelung und die dann im weiteren Verlauf bis Österreichischen Platz zu erwartenden Überdeckelungen wirklich notwendig sind? Oder provoziert man durch die vielen Deckel und immer längeren Tunnelfahrten einschließlich der großzügig stadtraumfressenden Auf- und Abfahrten nicht einfach mehr Verkehr hinsichtlich der zurückgelegten Strecke? Wieviele eigentlich überflüssige Kilometer werden auf dieser Stadtautobahn zurückgelegt, damit die Fahrzeuge die Auf und Abfahrten und Abbiegestraßen nach rechts und links in das Stadtgebiet reichen können? Aber da es die Stadtautobahn nun mal gibt, kann man nicht einfach so mal abbiegen. Als Folge verwaisen die Nebenstraßen, hier die Straße neben dem Geschichtsmuseum, die dann für die Fußgänger zur Rutschbahn und für die Autos zum Parkplatz wird. Leerer, nicht oder schlecht genutzter Stadtraum, wie an so vielen anderen Stellen beiderseits der Stadtautobahn.

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