Die neue Stadtbibliothek in Stuttgart wird zugebaut

Gucken wir uns nochmal zwei Bilder an, die schon einmal hier auf dem Blog gezeigt wurden: > Stuttgarter Nachverdichtung.

Als Architekt wäre ich sehr betrübt darüber, dass die neue Stadtbibliothek in einigen Monaten von fast allen Seiten zugebaut sein wird. Man kann noch nicht mal auf einem Weg um die Bibliothek herumlaufen.

Die Bibliothek als visuelles Lockmittel für ihre Leser und Besucher verliert viel von ihrer Anziehungskraft, wenn sie nur noch einer Seite zu sehen ist.

Georg Franck, Die urbane Allmende
Eine Pflichtlektüre für die Stuttgarter

Geschichte und Geschichten erzählen, das hängt vor allem mit der Literatur zusammen. Stimmt und stimmt auch wieder nicht ganz. Denn Geschichten und Ihr Erzählen, das gehört auch zur Architektur. Häuser, Straßen, ganze Stadtquartiere erzählen, wie die Menschen dort wohnen und arbeiten. Betrachtet man Häuser, kann man wie in einem (Stadt-) Buch lesen. Das gilt für jede Stadt.

Die Stadt als Buch berichtet über ihre Seelen, die Art und Weise wie die Bauten der Stadt das zusammenleben ermöglicht, bestimmt und steuert. Es gibt Städte mit aufgelockerter Bebauung, mit Platz für viele Plätze, viele Parks und Gärten ist. Meist sind dort auch die Wege zur Arbeit angenehm kurz. Es gibt aber Städte wie Stuttgart, wo in jedem zur Verfügung stehendem Raum ein Haus gebaut wird, auch in der zweiten und dritten Reihe. Und es gibt hier die Devise, das Auto zuerst, dann die Fußgänger. Der Autoverkehr braust hier ungehemmt über die > Hauptstätter Straße, die mit oft mit 14 Spuren Stadtteile voneinander trennt. Fußgänger können diese Stadtautobahn nur an zwei Stellen an einer Ampelanlage überqueren.

Der Wiener Professor und Architekt Georg Franck stellt mit seinem Beitrag, der gerade im > MERKUR (7/2011) erschienen ist, Die urbane Allmende die „Herausforderung der Baukultur durch die nachhaltige Stadt“ vor. Ich finde, sein Beitrag ist eine Pflichtlektüre für alle, und besonders die Stuttgarter, die bereit sind, ein wenig über die so notwendige > Stadtreparatur nachzudenken. Gerade wird gerade ein ganzes Stadtviertel abgerissen, damit das Gerber mit einem > Einkaufszentrum gebaut werden kann.

Daneben steht und wird eine > Stadtautobahnbrücke stehenbleiben, deren Sinn und Zweck sich niemandem erschließt. Diese Pläne zeigen, dass Baukultur in Stuttgart in diesem Stadtviertel ein Fremdwort ist. Franck fordert mit Recht, ein Überdenken der Stadtdimensionen in Richtung der ‚walkable city'“. (S. 567) Zur Zeit wird leider in dieser Stadt nur über den Bahnhof diskutiert. Man verliert eine Gesamtplanung für die Stadt immer mehr aus den Augen, und für die > Erneuerung der Stadt auch im Sinne von Franck gibt es kaum noch eine Aufmerksamkeit. Und im Artikel von Georg Franck kann man viel über Räume und die Prozesse in der Stadt lernen. Hätte man seinen Beitrag eher gelesen, wären den Stuttgartern > Nachverdichtungen in der Innenstadt erspart geblieben. Das Einkaufszentrum sagt jetzt zum Königsbau: „Du kommst auch noch weg“.

Einkaufzentren sind kein Beitrag zu einer Stadtkultur

Es ist ein fataler Gedanke, dass Stuttgart an verschiedenen Stellen, wie hinter der neuen Bibliothek weitere Einkaufszentren bekommen soll. Ein Einkaufszentrum ist immer eine Art kleine Stadt für sich, es könnte überall in der Stadt und auch in jeder anderen Stadt stehen, weil es außer der Möglichkeit die passende Laufkundschaft anzulocken, keine Anbindung an seinen Standort benötigt, ja als Objekt sich geradezu gegen die Stadtumgebung abschirmt. Man könnte meinen, sein Zweck ist es, die Kunden möglichst lange an den sich drehenden Warenkarussells festzuhalten. Darüberhinaus schädigt ein Einkaufszentrum die Ladenstruktur in seiner unmittelbarer Umgebung. Je größer die Parkhäuser in einem Einkaufszentrum sind, um so mehr schottet es sich als Zelle gegenüber dem Stadtquartier ab, in das es hineingebaut worden ist. Die Cannstatter Marktstraße ist dafür ein gutes Beispiel. Das Cannstatter Carée übt auch auf die Läden der beschaulichen Innenstadt von Cannstatt eine Anziehungskraft aus, die mehr als fatal ist. Endzeitstimmung macht sich in der Marktstrasse bemerkbar. Läden haben geschlossen, die Strasse hat viel von ihrer Attraktivität verloren.

> Nachverdichtung in der Innenstadt nennt man das in der Innenstadt, wobei der Begriff auch etwas Überflüssiges meint. Die Kunden werden in den das aufgehübschte Hinterhofgebäude hinter den Königsbau gezogen. Möglichst nichts mehr von der Stadt und irgendwelchen kulturell wertvollen Ablenkungen spüren, damit der Kaufprozess nicht gestört wird, das scheint hier die Devise zu sein. Möglichst viele Blicksituationen auf die Läden erzeugen, das gehört auch dazu. In den > Königsbau Passagen kann man die oberen Etagen nur erklimmen oder verlassen, indem man immer wieder Runden drehen muss. Allmählich haben die Besucher das gelernt, und die oberen Etagen werden immer leerer: „Der Schlossplatz lädt heute zum Verweilen nach einer anstrengenden Shopping Tour ein,“ steht auf der Website von > www.stilwerk.de

Kaum einem der mir bekannten Einkaufszentren gelingt es wirklich, von seiner Umgebung angenommen zu werden. Ich erinnere mich an die ersten Tage des Einkaufspassage vis-à-vis des Saarbrücker Hauptbahnhofs. Letztes Jahr habe ich dort gesehen, dass mehr als die Hälfte der Läden leerstehen. Maximaler Warenumschlag, Verlagerung der Risiken auf die Ladenbetreiber, darum scheint es hier zu gehen.

Siehe auch: > Einkaufszentren: Die Hölle für den Bürger

Der letzte Sommersamstag 2008

Kunstmuseum

Das Kunstmuseum am Schloßplatz,

Rathausplatz

und der Rathausplatz mit dem Markt am Samstag.

Kunstmuseum

Links das Kunstmuseum, dahinter guckt das Stilwerk hervor, das zum Königsbau sagt, > Dich krieg ich auch noch weg.

Markthalle

Einkaufen in der Markthalle.

Schillerplatz

Noch nen Blumenstrauß für Daheim.

Gebhard-Müller-Platz

Über den > Gebhard-Müller-Platz habe ich hier schon einiges geschrieben. Die Stuttgarter Stadtautobahn ist ein echter Fall für eine wichtige, dringende und lohenswerte > Stadtreparatur.

Gebhard-Müller-Platz

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