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Facebook überall und allumfassend – die digitale Kontrolle kann eine Bedrohung werden

23. September 2011 von H. Wittmann

Die Pläne des Facebook-Gründers Marc Zuckerberg sind sehr ehrgeizig. Facebook will künftig alle digitalen Aktivitäten seiner Teilnehmer umfassend aufzeichnen und sofort ihren Bekannten zur Verfügung stellen (dürfen?). „Timeline“ heißt das neue Feature, mit dem die Teilnehmer ihr digitales Leben dokumentieren und ordnen sollen. Immer offener und unverhohlener legt Facebook seine Ansprüche vor, unser Privatleben organisieren zu wollen. Die von Google + abgekupferte Einteilung der Freunde in Bekannte, enge Freunde, etc. ist kein bloßes Gadget. Das ist der Versuch, noch mehr über die Gewohnheiten der Teilnehmer zu erfahren, immer mit dem Hintergedanken, die Werbeerlöse zu optimieren. Alle Daten, die irgendwo liegen, können immer mal missbraucht werden, oder Zwecken zugeführt werden, die ihr Eigentümer nicht wünscht. Die Verführung für Facebook und eines Tages auch für andere, mit diesen Daten Unfug anzustellen ist riesengroß.
Die grenzenlose Exposition individueller Vorlieben, Gewohnheiten, Aktivitäten oder Präferenzen auf einem öffentlichen Platz hat einen allumfassenden Anspruch, der nicht nur Freude bereitet, sondern Angst vor Missbrauch macht.

> Wie sozial sind soziale Netzwerke?

1983 wurde Richard Sennetts Buch The Fall of Public Man übersetzt und erhielt einen deutschen Titel der Sennetts Thesen akzentuierte: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität, (Frankfurt/M. 1983). Man kann seine Thesen sehr wohl auf die heutigen sogenannten social networks anwenden: Die sozialen Netzwerke sind keinesfalls sozial, sondern sei tragen zum Niedergang der Öffentlichkeit gerade durch die Vorspiegelung der Öffentlichkeit erheblich und entscheidend bei. Je mehr gemeinsame Identität festgestellt oder entwickelt wird, je gleicher alle werden, so möchte man hinzufügen, so unmöglicher wird die Verfolgung gemeinsamer Interessen, erklärt Sennett (S. 295). Das ist nicht unbedingt so paradox, wie es klingt. Nur Unterschiede lassen Neugier entstehen und führen zum Entdecken von Neuem.

Befürworter von Facebook sagen vielleicht, Facebook bietet so viel interessantes neues, so dass man sich das erstmal angucken sollte.

Verberkennung? Damit Facebook unserer Nachrichten besser verstehen und einordnen kann? O je, was kommt da auf uns zu? Irgendwann gibt es einen Kaufgutschein, wenn wir die richtigen Texte schreiben… > Facebook: Größte Semantikmaschine der Welt

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