Nachverdichtung (V). Stadtbibliothek und das Elend von A1: In Stuttgart wird alles zugebaut

Der Buchtitel des neuen Buches von Roland Ostertag lautet: > Zauber der Topographie und Elend der Stadtplanung. Und dieser Titel ist durch den Blick auf die Hänge, auf die Spitzenlage der Stadt und das Elend inspiriert, was die Stadtplaner dieser Stadt daraus machen.

Es gab mal eine Brache hinter dem Hauptbahnhof… bis die Stadtplaner kamen:

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in: > Stuttgart 21 – Ein neuer Stadtteil – 21. Juli 2007 von H. Wittmann: „Kann man einen Stadtteil auf dem Reißbrett entwerfen und auf diese Brache bauen?“ Anscheinend können die Stuttgarter das nicht.

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Ende 2011 jubelten wir in Stuttgart mit Recht über die neue Stadtbibliothek, > Die neue Stadtbibliothek am Mailänder Platz – 28. Oktober 2011 von H. Wittmann – der Kubus mit seinen nachts blau leuchtenden Augen, ein neuer Büchertempel,

der innen zwar hübsch aber unpraktisch ist, jedoch außen drumherum in sich eine ständig weithin sichtbare Einladung ist, nein war, einzutreten und zu lesen.

Und was haben die Stadtplaner mit / aus der Umgebung des Bücherkubus gemacht? Eingebaut zwischen anderen Bauten haben sie ihn, so als ob die Schwaben die Bücher und die Literatur verstecken wollten. Wenn man von den Hängen herunterfährt, sieht man noch eine Seite des Kubus, bevor sie dem Vernehmen nach auch demnächst zugebaut werden wird.

> Die neue Stadtbibliothek in Stuttgart wird zugebaut – 27. Mai 2013

> Die Abriegelung der Stuttgarter Talmulde – 30. März 2016

> Nachverdichtung in der Innenstadt IV. Das Dorotheen-Quartier in Stuttgart

> Ortsbesichtigung (II): Das Europaviertel – 22. April 2014

> Stuttgarter Riegelbebauung und Nachverdichtung – 31. Januar 2013, erstmals, 15. Oktober 2010

> Ortsbesichtigung: S-21 – Bauabschnitt A 1 – 25. Januar 2015

S21: Der neue Tiefbahnhof wird bestimmt sehr schick und sehr eng

Schick soll der neue Stuttgarter Hauptbahnhof werden. Allmählich taucht er aus dem Untergrund auf und geht seiner Vollendung entgegen. Bis dahin müssen aber noch viele Koffer viele hundert Meter weit geschleppt werden. Bei der Bauplanung hat man die Reisenden völlig vergessen. Das Ankommen am Stuttgarter Hauptbahnhof ist eine Qual. Nirgends kann man parken, um seine Lieben zum Zug zu begleiten. Und es müssen lange Umleitungswege gegangen werden. Beim Stand der Dinge darf man sich wirklich fragen, wer hat eigentlich damals diesem Murksprojekt zugestimmt?

Unser Photograph ist um die Baustelle halb herumgelaufen und ist sogar auf den kleinen Turm gestiegen:

4,5 Millarden sollte S21 kosten und mit diesem Versprechen haben die damals Verantwortlichen im Volksentscheid die Zustimmung der Bürger erhalten, ihnen abgetrotzt >7,6 Mrd. EURO. #S21 – wird hier die Zukunft gebaut oder verbaut? – 30. November 2017

> 76 Artikel über Stuttgart 21 auf unserem Blog

21 Gründe gab es damals, als noch Heiner Geissler das Gespräch am Runden Tisch leitete, um die Wogen zu glätten und um zu einem ziemlich faulen Kompromiss zu gelangen, bzw. die zu unterstützen, die das Projekt auf Biegen und Brechen durchsetzen wollten, wahrscheinlich nur, um es den Kritikern mal so richtig zu zeigen. Jetzt kommen auch die Glubschaugen zum Vorschein, die einen Platz schmücken sollen, der sich in bester Citylage befindet. Ein platz ohne jede Funktion und Bedeutung, ohne jede Aufenthaltsqualität, klagte Roland Ostertag: > #S21 und die Kosten finanzieller und qualitätsmäßiger Art – 8. Juni 2019. Und wie Recht hatte er. Die Zerstörung des Schlossgartens neben dem Hauptbahnhof haben die Stuttgarter Befürworter einfach so hingenommen.

Ein einziger Grund führte zu Bau des Projektes… wir können jetzt nicht mehr aufhören. Einen anderen Grund gibt es schon lange nicht mehr, wenn man davon absieht, dass hier schwäbische und auswärtige Ingenieurskunst perfekt vorgeführt wird. „„Ich komme vom Norden her.“ „Und ich vom Süden.“

Denken wir an die langen ICEs, die bald an der Stadtgrenze irgendwo im Untergrund verschwinden, im Tiefbahnhof halten und dann durch den Berg nach oben zum Flughafen brausen, eine technische Meisterleistung mit Ansage… wir lange wird das gut gehen? „Tand, Tand. Ist das Gebilde von Menschenhand!“ schrieb Theodor Fontane. Über 50 km Tunnel für das ganze Projekt S 21? Wie schon öfters hier gesagt: Künftig brausen die möglichen Besucher der Stadt unter ihr durch. Und überhaupt die Hybris der Stuttgarter, sich für den Nabel der Welt zu halten und sich einen tollen Durchgangsbahnhof zu leisten, während der Rest der Republik von Hamburg über Mannheim nach Basel und von Hamburg über Würzburg nach München braust. Fürs Merkheft: Stuttgarts Randlage macht aus der Stadt eine Stadt zum Ankommen und nicht zum Durchbrausen, das schafft erst der neue Bahnhof. Unten die Reisenden, oben bleiben die Stuttgarter ungestört unter sich. Ein gelungener Anschluss der schwäbischen Provinz an die Welt würde anders aussehen.

Und hinter dem Bahnhof entstand ein neues Viertel mit einer feinen Stadtbibliothek. Aber Kultur stört nur, deshalb wurde sie auch von den umgebenden Gebäuden zugebaut. In seiner Sterilität ist das A1-Viertel ein bemerkenswerter Flop in Sachen Stadtplanung. Wohnen im Hochhaus? Und schon steht das nächste Hochhaus davor. Nichts lädt an diesem Viertel zum Besuch ein.

Die Stuttgarter haben es verpasst, den Kopfbahnhof mit seinen 27 Gleisen, wo morgens die Züge auf die Reisenden warten, geschickt zu renovieren, so dass die Stadt mit ihrer so eindrucksvollen geographischen Lage sich vor den Ankommenden wie eine Theaterbühne öffnet. Wir werden da unten noch kaum einmal unseren Lieben hinterherwinken können, zu eng wird das Gedränge sein, nur Hast und Hetze, und überhaupt, wenn Züge dort länger stehen, läuft der süddeutsche Bahntakt aus dem Ruder. Also geht es gleich weiter und die Stuttgarter werden die Touristen vor allem als Bahnhofstouristen sehen, die aussteigen, staunen und wieder einsteigen werden. es geht ja weiter, die schnelle Hatz.

Es geht nur um Geschwindigkeit, Taktzeiten, Ingenieurskunst, Protz und Prunk, aber die Reisenden haben bei S21 noch nie eine Rolle gespielt.

Bald ist die Stuttgarter Stadtbibliothek eingemauert.

Das Elend der Stuttgarter Nachverdichtung. Die Stadtbibliothek wird zugebaut. > Stuttgarter Wahrzeichen Bibliothek verschwindet aus dem Blickfeld – Martin Haar,  Stuttgarter Nachrichten, 29.08.2020. Fährt man Heute von der Türlenstraße den Berg hinunter in Richtung der Stadtbibliothek hinunter, ist die Bibliothek schon verschwunden. Nur damit ein kleines Fleckchen mit einem Hochhaus bebaut werden kann.

Die Art und Weise wie die Stadtbibliothek einbetoniert wird, ist charakteristisch für das Zubauen von Sichtachsen, die Vernachlässigung großartiger architektonischer Chancen in Stuttgart. Der Anblick ist so enttäuschend, dass unsere Redaktion gar keine Lust hat, das auch noch im Bild festzuhalten. Schon 2013 haben wir über das Zubauen der Stadtbibliothek hier geklagt.

Waren Sie schon mal drin? > https://www.stuttgart-fotos.de/die-neue-stadtbibliothek-am-mailander-platz?

https://www.stuttgart-fotos.de/das-elend-der-stuttgarter-nachverdichtung-die-stadtbibliothek-wird-zugebaut – 13. Februar 2020

Nachverdichtung (V). Stadtbibliothek und das Elend von A1: In Stuttgart wird alles zugebaut > https://www.stuttgart-fotos.de/nachverdichtung-v-stadtbibliothek-und-das-elend-von-a1-in-stuttgart-wird-alles-zugebaut – 17. September 2016

Ortsbesichtigung (I) – Die Stuttgarter Stadtbibliothek
> https://www.stuttgart-fotos.de/ortsbesichtigung-i-die-stuttgarter-stadtbibliothek – 25. Februar 2016

Die neue Stadtbibliothek in Stuttgart wird zugebaut: > https://www.stuttgart-fotos.de/die-neue-stadtbibliothek-in-stuttgart-wird-zugebaut – 27. Mai 2013 !

Stuttgarter Stadtplanung undd die > Nachverdichtung

Das Elend der Stuttgarter Nachverdichtung. Die Stadtbibliothek wird zugebaut.

Die > Stuttgarter Stadtbibliothek im Europa-Viertel am Mailänder Platz hat zwei besondere und ungewöhnliche Eigenschaften. Der bemerkenswerte Innenraum:

und ihr Erscheinungsbild nach außen, das aber seit dem Bau der Stadtbibliothek systematisch von allen Seiten, außer der Nordseite zugebaut wird. Nun wird ein wohl 66m hoher Bau zwischen der Stadtbibliothek und der Heilbronner Straße errichtet. Wieder ein garstiges Beispiel für die > Stuttgarter Nachverdichtung, in dieser Stadt. Statt Sichtachsen zu bewahren, die die Stadtlandschaft prägen und gestalten, werden diese zugebaut und es passt ja auch zu einem solchen Denken, dass gerade der Hort der Kultur hinter Beton verschwinden muss:

Sehr schade, die Stadtbibliothek hätte ein anderes Schicksal verdient.  Das neue Hochhaus, das gebaut wird erinnert an die falsche Ausrichtung eines seiner Vorgänger: > Der Stuttgarter Talkessel wird abgeriegelt – 19. April 2014. und > Stuttgarter Riegelbebauung und Nachverdichtung – 31. Januar 2013. Als Entschuldigung wird dann angeführt, der Talkessel sei so eng, aber derlei Entschuldigungen sind ungültig und kommen zu spät. Wusste man nicht vorher, was man da anrichtet?

Auf unserem Blog

> Ortsbesichtigung: S-21 – Bauabschnitt A 1 – 25. Januar 2015

> Nachverdichtung (V). Stadtbibliothek und das Elend von A1: In Stuttgart wird alles zugebaut – 17. September 2016

> Ortsbesichtigung (I) – Die Stuttgarter Stadtbibliothek – 25. Februar 2016

> Die neue Stadtbibliothek in Stuttgart wird zugebaut – 27. Mai 2013

> Noch ein letzter Blick auf die Stadtbibliothek – 11. Juli 2012

Nachverdichtung in der Stuttgarter Innenstadt V

Wir ergänzen den folgenden Beitrag vom 1. Juni 2018 um fünf Fotos, die die Rosenstraße zeigen, die heute von der Stadtautobahn durchschnitten wird. Schade, auch das kürzlich fertiggestellte Gebäude, das zum > Dorotheenviertel > Immer enger: Nachverdichtung in der Innenstadt (III) gehört, in die alte Rosenstraße gebaut wurde. Es ist ja nicht schlimm, wenn Stadtgrundrisse sich ändern, das gehört zur Stadtgeschichte dazu, aber in diesem Fall, ist die von > Roland Ostertag (1931-2018) immer bedauerte Geschichtsvergessenheit besonders ärgerlich:

> Was ist denn da passiert?, fragte unsere Redaktion am 28. Februar 2016. „Nachverdichtung,“ erklärte uns > Roland Ostertag in seinem Büro, als wir die Fotos betrachteten

Ein > historischer Stadtplan von 1914 zeigt, wie die Rosenstraße die Eßlingerstraße überquert. Betrachtet man diese Situation heute von der Halbhöhe aus, so wurden ein oder zwei Häuser des neuen Dorotheenviertels genau in die Flucht der Rosenstraße gebaut. Nun, ist es richtig, dass hier nicht zum ersten Mal ein Straßenverlauf ändert, das hat es schon öft gegeben, und auch in Stuttgart. Trotzdem: > Stuttgart ohne Geschichte. Kritische Anmerkungen zur Stadtplanung fällt uns dabei ein:

In diesem Beitrag > Nachverdichtung in der Innenstadt IV. Das Dorotheen-Quartier in Stuttgart gibt es auch ein Fotoalbum vom Bau des Dorotheenviertels.

Heute hat sich unsere Redaktion das Ergebnis angesehen:

Roland Ostertag war immer darauf bedacht, was ein Gebäude oder mehrere zu den Gebäuden in ihrer unmittelbaren Umgebung sagen. In diesem Falle nicht viel. Die Gebäude des neuen Dorotheenviertels sind zu wuchtig, viel zu groß, kaum noch eine Blickschneise auf den Karlsplatz, die alte Markthalle wird erdrückt, die gesamten Proportionen in diesem Viertel sind dahin, die großen Steinflächen, die mit Platten belegt sind, zwischen der Markthalle und Breuninger ist halt nur eine Steinfläche. Kleinere Häuser, kleinere Steinwüsten. Können wir vermeiden, dass diese Form der Quartierneugestaltung, die wir von A1 > Ortsbesichtigung: S-21 – Bauabschnitt A 1 kennen, in Stuttgart nicht nochmal gebaut wird?

> Immer enger: Nachverdichtung in der Innenstadt (III)

27. September 2015

Roland Ostertag – 1931-2018

Der Architekt Professor Roland Ostertag ist am 11. Mai 2018 in Stuttgart im Alter von 87 Jahren gestorben.

Das Foto wurde im Januar 2015 aufgenommen > Ortsbesichtigung: S-21 – Bauabschnitt A 1 mit Video.

Roland Ostertag wurde am 19. Februar 1931 in Ludwigsburg geboren. Er studierte von 1951-1956 Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart und machte sich 1957 als Architekt selbständig. 1958-1966 war er Dozent am Lehrstuhl von Professor Gutbrod für Entwerfen. 1970-1997 lehrte er als Professor am Institut für Gebäudelehre, Entwerfen, Entwicklung der modernen Architektur an der Technischen Universität Braunschweig. Ab 1983 hatte eine Bürogemeinschaft mit Johannes Vornholt. Er war Präsident der Bundesarchitektenkammer von 1993-1996. 1990 gründete er das Architekturforum Dresden und war ab 1995 Mitglied des Präsidiums der Baufachmesse Leipzig und danach bis 2000 Mitglied des Kuratoriums der Internationalen Bauausstellung Emscher-Park. Nach seiner Emeritierung 1996 kam er in den Vorstand der Stiftung Architekturforum Baden-Württemberg.

Ostertag hat seit 1956 über 120 Preise gewonnen und viele Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben und für Gutachten erhalten. 1987 erhielt er den Deutschen Architekturpreis. Am 14. September 2015 hat Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid ihm im Namen des Bundespräsidenten Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen: > Bundesverdienstkreuz für Professor Roland Ostertag:

Roland Ostertag habe ich zum ersten Mal um 2000 in den neuen Räumen des künftigen Literaturhauses in Stuttgart getroffen. Ihm war es vor 1999 gelungen, das zum Abbruch vorgesehene Bosch-Areal zu retten und einer neuen Bestimmung zuzuführen. Wir trafen uns bald immer öfters in seinem Büro in der Alexanderstraße und später am Gähkopf, wo er bis Dezember 2017 jeden Tag an seinen Manuskripten und seiner Korrespondenz gearbeitet hat. Im seinem Büro gab es auch eine Ausstellung zur Stadtgeschichte und Stadtplanung in Stuttgart > Ein neues Museum für die Bürger. Eine Lehrschau für die Stadtplaner, die er in den letzten 30 Jahren zusammentragen hatte, und jeden Samstagmorgen interessierten Besuchern öffnete: > Stuttgart 1:1000 – 14. Januar 2012 von H. Wittmann:

Heiko Stachel hat einen > virtuellen Rundgang durch das Büro von Roland Ostertag aufgenommen.

> Roland Ostertag gestorben. Einmischer aus Verantwortung Von Amber Sayah, Stuttgarter Nachrichten 14. Mai 2018 Amberr Sayah hat einen beeindruckende Nachruf verfasst und regt en Nachdenken über die Zukunft seiner Ausstellung an: „Jeder, der mit ihm zu tun hatte, wurde über kurz oder lang in die baugeschicht­liche Stuttgart-Ausstellung beordert, die der Architekt am Gähkopf in der ehemaligen Privatgalerie des Kunstsammlers Hugo Borst eingerichtet hatte. Dieses beeindruckende Archiv mit seinen historischen Stadtplänen und -ansichten, mit dem riesigen Stadtmodell und seiner Bibliothek zu bewahren und für Forschung und Öffentlichkeit weiterhin zugänglich zu machen, sollte der Stadt ein Anliegen sein.“

Sanierungen und Umbauten wie das Alte Schauspielhaus, das Steuerberaterhaus und die Rettung des Bosch-Areals gehören neben vielen anderen Bauwerken, wie das Rathaus in Kaiserslautern, zu seinem beeindruckenden Vermächtnis. Dazu zählte auch sein Engagement seit 2004 als Vorsitzender des Vereins > Zeichen der Erinnerung. Nach über 60 Jahren erreichte er es, dass die noch vorhandenen Spuren (Schienen, Prellböcke, Schotter) im Nordbahnhof, zu der Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung umgestaltet wurden: > Zeichen der Erinnerung: Die Gedenkstunde am 1. Dezember 2011 – 2. Dezember 2011. Von dort waren etwa 2500 Juden aus ganz Württemberg und Hohenzollern, sowie Sinti und Roma, 1941 bis 1945 in die KZs, den sicheren Tod deportiert wurden,

Als Vorstand der Stiftung Architekturforum Baden-Württemberg setzte er sich mit seinen Beiträgen für eine behutsame, geschichtsbewusste, nachhaltige, menschenfreundliche Stadtplanung ein und inszenierte viele Veranstaltungen, hauptsächlich im Stuttgarter Literaturhaus.

Mit Plänen und Fotos begleitete er seine eigenen Veröffentlichungen. 2016 erschien sein Band > Roland Ostertag, > Stuttgart – Zauber der Topographie und Elend der Stadtplanung (Stuttgart: Verlag-Peter-Grohmann). “Stuttgart ist eine von der Natur und der Topographie bevorzugte schöne Stadt. … Aber Stuttgart verändert sich. Jetzt rächt sich das Fehlen eines Gesamtkonzepts für die Stadtentwicklung,” heißt es auf der vierten Umschlagsseite.

Immer wieder haben wir uns im seinem Büro am Gähkopf getroffen. Sei es, dass er einen besonderen Fotowunsch hatte, eine ganz bestimmte Perspektive, das richtige Licht, die richtige Jahreszeit. Aber unsere fast zwanzigjährige Freundschaft war viel mehr als nur ein bloßer Austausch von Fotos und Manuskripten, sie wurde zu einer Art Studium moderner Stadtplanung. Mit seinem ungeheuren Wissen und Erfahrungen als Architekt verband er die Ergebnisse seiner Beobachtungen der Stadtentwicklung Stuttgarts von heute. Nein, nachsichtig war er selten, zu groß erschienen ihm die Versäumnisse in dieser Stadt. Ihre Geschichte hatten die Stadtplaner vergessen und ein von ihm geführter > Spaziergang durch A1 wurde zur Ortsbesichtigung und war ein großer Höhepunkt. Oder der > Spaziergang rund ums Rathaus, den ein Video auf unserem Blog zeigt.

Viele unserer Treffen waren eigentlich Hauptseminarsitzungen oder Doktorandenkolloquien. Er kommentierte kritisch meine Fotos, die ich in Stuttgart aufgenommen hatte, dafür bekam ich seine Texte zur Lektüre. Und die vielen Vorträge, die er zu zahlreichen Themen der Stadtplanung gehalten hat: Türme in der Stadt, Stadtzerstörung, das Hotel Silber, die Zerstörung des Schlossgartens, die Zerstörungen rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof. Er freute sich, wenn ich mit meinen Festplatten zu ihm kam. Dann zeigte er mir das Manuskript seines Vortrags und hatte oft schon eine Liste der Fotos angefertigt, die meistens aus dem Fotoarchiv zusammengestellt werden konnte. Nach der Lektüre seines Manuskripts, trafen wir uns wieder am Gähkopf, er nahm meine Änderungswünsche auf, erklärte Grundsätzliches, verteidigte Passagen und erläuterte Zusammenhänge mit Begründungen aus der Stadtgeschichte. Das war ein Geben und Nehmen in Sachen spannender Stadtplanung.

Das jetzt gerade erschienene Buch Roland Ostertag u.a., > Stuttgart ohne Geschichte. Stadtplanung im kritischen Rückblick (Stuttgart: Verlag-Peter-Grohmann 2018) dokumentiert vielleicht am besten von all seinen Büchern, mit welcher Leidenschaft Roland Ostertag sich für unsere Stadt engagierte. Das Lusthausdenkmal im Mittleren Schlossgarten fiel allmählich der Verwitterung anheim. Ostertag gründete einen Verein und heute können sich die Bürgerinnen und Bürger an diesem Zeugnis aus der Stuttgarter Stadtgeschichte wieder erfreuen. Oder das > Hotel Silber in der Dorotheenstraße, um das Roland Ostertag in den 40er Jahren als kleiner Junge immer einen großen Bogen machen musste. Da passieren schlimme Sachen, sagte man ihm damals. Als vor wenigen Jahren der Abbruch des Gebäudes geplant wurde, setzte Ostertag alles in Bewegung: Das alte Hotel Silber blieb: das neue viel zu große Einkaufszentrum musste an dieser Stelle etwas abspecken: > Stuttgarter Nachverdichtung: Zu groß, zu hoch – 24. Februar 2017.

Und immer wieder diskutierten wir über S21, für das Roland Ostertag so gar kein Verständnis aufbringen konnte > Zerstörung der Stadt mit Milliarden. Kosten und Termine Stuttgart 21 (4. März 2016). Er zeigt sich schockiert, dass S21 das von ihm immer wieder beschriebene Grundgesetz der Stadt so nachhaltig verletzte: dabei ging es ihm u.a. um den Erhalt des Schlossgartens und die Öffnung der Stadt zum Neckar hin. Außerdem konnte er der seiner Meinung nach grundfalsche Querorientierung des mit Kuppeln versehenen Dachs des neuen unterirdischen Bahnhofs ohne jede Anbindung an die existierende Stadtquartiere rund um den Bahnhof geschweige denn an den Stadtgarten, nichts abgewinnen. Natürlich hatte er die Kostenexplosion schon zu Beginn des Projekts, noch bevor der erste Prellbock gelupft wurde, fest im Blick und immer wieder beklagt. Aber ihm ging es um die Qualität des Neuen Bahnhofs, die bei der Volksbefragung am 27. November 2011 überhaupt keine Rolle spielte. Gefragt wurde nur, ob die Bürger für das Ausstiegsgesetz stimmen würden. Die Ablehnung des Ausstiegsgesetzes wurde von der Politik als Zustimmung zu S21 interpretiert, was Ostertag immer wieder sehr heftig kritisierte. > François Hollande: Zum Stuttgarter Bahnhof gab es eine Volksbefragung… – 14. Juni 2016.

Es war um 2007. Roland Ostertag hatte sich einen Schlüssel für das Dach des Bosch-Areals besorgt, um von dort oben Fotos zu machen. Zusammen standen wir auf dem Dach. Er stand mir gegenüber, breitete die Arme aus, klick, das Foto heißt, der Umbau ist fertig:

> Ortsbegehung (I) Das Bosch-Areal nach 10 Jahren – 3. März 2016 von H. Wittmann

Aufenthaltsqualität auf Plätzen, was sagt ein Gebäude zu dem anderen? Das Grundgesetz der Stadt Stuttgart, Denkmäler: denk mal nach, das sind nur einige seiner Fachausdrücke. Am meisten hat mich immer beeindruckt, wie er aus seiner Kenntnis der Stadt vor 1945, der Erfahrung des Wiederaufbaus der Stadt nach 1945 und seiner kritischen Begleitung der Stadtplanung und -entwicklung bis heute erzählen konnte. Darin steckte seine ganze Leidenschaft, besonders wenn er sich über den Abrissfuror in dieser Stadt aufregte, dem so viele wichtige Gebäude zum Opfer gefallen sind.

> Gastbeitrag von Roland Ostertag zur Kulturmeile. Einzelprojekte bedeuten Tod der Stadtplanung – Von Roland Ostertag 01. Januar 2018

Diese Stimme des Mahners mit seinen grundsätzlichen Überzeugungen, dass Stadtplanung die Entwicklung der Stadt und ihre Geschichte zu berücksichtigen habe, wird uns in Stuttgart sehr fehlen.

Die Trauerfeier wird am Freitag, den 18.05.2018 um 11 Uhr auf dem Pragfriedhof, Untere Feierhalle, stattfinden

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Warum braucht Stuttgart die Hauptstätterstraße?

„Bis vor kurzem wollte niemand dieses vielfach aufgegriffene und wieder fallengelassene Thema aufgreifen,“ steht auf der Website > www.aufbruch-stuttgart.com (aufgerufen am 16.4.2017). Das ist nicht richtig. In der Satzung des neuen Vereins heißt es in §3 Abs. 2: „Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Entwicklung und Beförderung von Ideen und Konzepten in gemeinsamem bürgerschaftlichem Engagement mit dem Ziel, Kunst und Kultur im Erscheinungsbild der Stadt besser zu verankern und dadurch ihre Strahlkraft nach innen und außen zu erhöhen. Dies soll beispielsweise dadurch geschehen, dass die trennende Wirkung der Verkehrsschneise Konrad-Adenauer-Straße überwunden, dadurch ein attraktives Kulturviertel geschaffen und im Rahmen der Sanierung des Opernhauses die Perspektive für die Errichtung eines Konzerthauses befördert wird. …“

Auch wenn hier nur „beispielsweise“ steht, bezieht sich der Vereinszweck nur auf den Rückbau der Konrad-Adenauer-Straße oder wäre es nicht endlich an der Zeit die zuweilen 20- spurige Stadtautobahnschneise einschließlich der Hauptstätterstraße vollständig zurückzubauen? Doch der Reihe nach:

Jörg Nauke berichtete in Ihrer Zeitung über die „City-Verschönerung mit weniger Autos“ (SZ, 22. März 2017). Am besten hat er die in dieser Stadt vorherrschende Ratlosigkeit und fehlende Phantasie angesichts der täglich über die Hauptstätter Straße und vor dem Hauptbahnhof meist nur vorbeischleichenden Autokolonnen dokumentiert, ohne auf die Stadt und ihre Bewohner einzugehen; immer nur die Autos, als wenn die Bürgerinnen und Bürger darin keine Räume mit Aufenthaltsqualität bräuchten. Immerhin, eine Zeichnung des Architekten Roland Ostertags illustriert, wie die Schillerstraße vor dem Hauptbahnhof neu gestaltet werden könnte. Ostertag hat schon 2006 zusammen mit Gunter Kölz eine Studie unter dem Namen „Der Stadtboden gehört allen“, vorgelegt, die mit vielen Plänen den damals bereits lange überfälligen Rückbau der Stadtautobahn vorgeschlagen, ja angemahnt hat. Wer das Modell der Stadt Stuttgart in seinem Büro am Gäkopf 3 genau angesehen hat, weiß das der von ihm erdachte Umbau der Schnellstraße dort schon seit zehn Jahren realisiert ist.

Erstellt von Professor R. Ostertag und Professor G. Kölz 2002, überarbeitet 2007 und 2017.

Es geht beiden nicht darum, wie Jörg Nauke, den Verkehr auf der B14 zwischen Bad Cannstatt und dem Marienplatz um 30 % zu reduzieren, ein solches Ansinnen würde nur zu städtebaulich unsinnigen Maßnahmen führen, Ostertag wollte viel Grundsätzliches und so darf er interpretiert werden, er wollte die verkehrliche Saugwirkung des die Stadtteile trennenden Bollwerks Hauptstätter Straße beseitigen. 20 Spuren sind zu viel, man kommt von einem Stadtteil in den anderen nur durch Hin- und Herfahren und U-Turns, da haben wir schon die 30 %, die Nauke einsparen will. Statt direkt sich zum Ziel zu begeben, am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder einer Tram, bevorzugen viele Stuttgarter das Auto, auch wenn sie nicht gerade zu ihrem Ziel kommen, sondern nur auf Umwegen, weil die Hauptstätter Straße ihnen im Weg ist und weil es sie gibt, so verrückt ist die Straßensituation in Stuttgart. Wieder haben wir vielleicht 20 %, die die Schnellstraße nur nutzen, weil sie da ist. Das tun diejenigen, die diese Bahn in ihrer ganzen Länge durchfahren, auch wenn sie außen herum reisen könnten. Also dürfen wir nochmal 20 % addieren. Und schon bleiben nur noch 30 %, die diese Straße aber nicht als Schnellschneise wirklich echt brauchen. Und wenn die sich wirklich vom Marienplatz bis nach Bad Cannstatt bewegen wollen, schenken wir Ihnen doch eine feine Tram, die auf dieser Strecke alle 8 Minuten fährt. Viele Spuren ziehen viele Autos an. Verschwinden die Spuren, fahren die Autos woanders oder gar nicht mehr, wenn der ÖPNV verlockend gestaltet wird. Welche eine Lust wäre es, wenn auf dem neuen Boulevard die Radler jeden Tag Fahrfreude durch Stuttgart hätten.

Auf unserem Blog:

> Eine Vision für Stuttgart: Von der PS-Meile zum lebendigen Kulturviertel – 28.1.2017

> Der Rückbau der Hauptstätter Straße – 16. Dezember 2016

Der Verein Aufbruch Stuttgart hat interessante Ideen, aber er sollte sich am besten in Ostertags Büro um das Stuttgarter Modell herum gründen, wenn dessen Mitglieder dazu noch Ostertags Denkschrift in der Hand halten würden. In jeder wissenschaftlichen Arbeit muss man die Quellen nennen oder zumindest anmerken, wer schon einmal zum Thema der Arbeit oder des Vorhabens Wichtiges gesagt hat.

Stuttgarter Nachverdichtung (VI): immer dichter immer enger

Da gibt es nichts zu beschönigen, gut, dass das Quartier A1 hinter dem Hauptbahnhof ein wenig versteckt ist. Die Kastengebäude sind keine stadtarchitektonische Glanzleistung. Schade, dass hier Chancen, eine städtebauliches Vorzeigequartier zu bauen, so schrecklich vertan worden sind. Es werden Gebäude an Gebäude gereicht, und die Bürger, die Flaneure haben dort nichts zu besehen. Kalte Betonwüste. Es soll da ein > Einkaufszentrum geben, aber nichts im Quartier A1 öffnet eine Perspektive hin zum Eingang des Milaneo, wie es heißen soll. Es steht einfach nur da, neben der Stadbibliothek, die von allen Seiten zugebaut wird. Urbanität, etwas, was die Bürger empfängt, fehlt in diesem Quartier.

> Nachverdichtung auf unserem Blog

> Nachverdichtung (V). Stadtbibliothek und das Elend von A1: In Stuttgart wird alles zugebaut

> Die Abriegelung der Stuttgarter Talmulde

> Ortsbesichtigung (I) – Die Stuttgarter Stadtbibliothek

> Ortsbesichtigung: S-21 – Bauabschnitt A 1

Lesung in Stuttgart: Jasmin Ramadan; Hotel Jasmin

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> Waren Sie schon in der neuen Stadtbibliothek amMailänder Platz?

> Nachverdichtung (V). Stadtbibliothek und das Elend von A1: In Stuttgart wird alles zugebaut

> Ortsbesichtigung (I) – Die Stuttgarter Stadtbibliothek

Am Donnerstag, 17. 11. um 20 Uhr liest die tolle Jasmin Ramadan, bekanntgeworden durch ihre Romanvorlage zu „Soul Kitchen“, im 8. Stock der Stadtbibliothek Stuttgart (Café LesBar).

Zur Vorbereitung:
> Lesebericht: Jasmin Ramadan, Hotel Jasmin – 21. September 2016 von Heiner Wittmann

Den Supermond gibt es dann nicht mehr zu sehen, aber bestimmt viele Sterne und natürlich die größte Baustelle Deutschlands. Jasmin Ramadan spricht mit Journalist und Autor Björn Springorum über ihr neues Buch „Hotel Jasmin“, unter anderem darüber, warum die Hamburger Lehrerin Christine Tarpenbek so gerne Kaisersülze isst und Malventee dazu trinkt, warum ihr Sohn Roland den Kontakt zu ihr abgebrochen hat und warum sie, die Reisen hasst, plötzlich im „Hotel Jasmin“ in Kairo sitzt und mit einem Fremden spricht.

Abendkasse: 5,- Euro

> www.jasminramadan.de

Jasmin Ramadan
> Hotel Jasmin
Roman
1. Aufl. 2016, 269 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50142-1

François Hollande: Zum Stuttgarter Bahnhof gab es eine Volksbefragung…

„Gare aux référendums qui cachent svt d’autres intentions.“ Tweet vom 14.2.2016

= „Vorsicht bei Volksbefragungen, die oft die Intentionen ihrer Initiatoren verstecken.“

Aus gutem Grund wollen wir diesen Artikel vom 14.2.2016 nochmal ganz nach oben holen und aktualisieren.

> S-21-Gegner sehen Chance auf Umstieg lautet die Überschrift von Konstantin Schwarz am 13. Juni 2016 auf der Website der Stuttgarter Zeitung, ein Artikel in dem Verkehrsminister Hermann mit der Aussage „Seit dem Volksentscheid 2011 sei jede Landesregierung in der Pflicht, das Projekt zu begleiten und zu befördern. Das Land werde aber nicht zusätzlich zahlen, so Hermann,“ zitiert wird. Pflicht? Eine Pflicht ist aus dem Ergebnis des Volksentscheids nicht herzuleiten, dafür gibt es keine stichhaltige Begründung. So lautete die Frage am 27. November 2011: „Stimmen Sie der Gesetzesvorlage ‚Gesetz über die Ausübung von Kündigungsrechten bei den vertraglichen Vereinbarungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21‘ (S21-Kündigungsgesetz) zu?“ Quelle: > www.lpb-bw.de/volksabstimmung_wie_abstimmen.html. Diejenigen, die mit „Nein“ stimmten, setzten folglich hier ihr Kreuzchen: „Mit Nein stimmen Sie gegen die Verpflichtung der Landesregierung, Kündigungsrechte zur Auflösung der vertraglichen Vereinbarungen mit Finanzierungspflichten des Landes bezüglich des Bahnprojekts Stuttgart 21 auszuüben.“ Quelle: > www.lpb-bw.de/volksabstimmung_wie_abstimmen.html. – Wieviele Bürger wohl nicht genau hingeguckt haben, und als Gegner mit NEIN stimmten? – Schwammig und ungenau ist das, denn es ist äußerst fragwürdig, ob eine Befürwortung des Ausstiegsgesetzes durch die Wähler das Tun und Treiben des Bauherrn, nämlich der Bahn, überhaupt hätte stoppen können. Dem Wähler wurde vielleicht nur vorgegaukelt, er könne entscheiden… Und das Endergebnis sagt, die Landesregierung sei nicht verpflichtet auszusteigen, ihr wird das aber auch nicht verboten…? Aus diesem Wirrwarr tauchten die Befürworter mit einer Baupflicht auf.

Die Abstimmung war so kompliziert angelegt, dass die Initiatoren die Antwort JA und NEIN auf dem Stimmzettel für erläuterungsbedürftig gehalten haben. Hätten sie dort klarstellen lassen wie folgt: „Mit Nein stimmen Sie gegen die Verpflichtung der Landesregierung, Kündigungsrechte zur Auflösung der vertraglichen Vereinbarungen mit Finanzierungspflichten des Landes bezüglich des Bahnprojekts Stuttgart 21 auszuüben, und Sie stimmen folglich für die Verpflichtung S21 zu bauen,“ oder so ähnlich, dann hätte man auch gleich den Wähler fragen können, ob er wünscht, dass S21 für 4,8 Mrd. EUR gebaut wird, oder wollen Sie, dass S21 gebaut werde, auch wenn die veranschlagten Baukosten von 4,8 Mrd. EUR überschritten werde?“ Eine positive Antwort auf diese Frage hätte alle Unklarheiten beseitigt. Stattdessen ließ man den Wähler lediglich über die Annahme des Gesetzes über den Ausstieg aus der Finanzierung entscheiden.

Viel wichtiger ist aber die Beantwortung der Frage, was die Grünen in Baden-Württemberg getrieben hat, ihre negative Beurteilung von S21 von einst zu vergessen und heute den Bau von S21 zu befürworten: > vgl dazu die Haltung der Grünen von 2011, so wie sie von Landeszentrale für politische Bildung in Erinnerung gerufen wird: > Parteien im Landtag und Stuttgart 21: „Die Grünen lehnen das Bahnprojekt Stuttgart 21 als einzige Landtagspartei ab und wollen mithilfe des Volksentscheids den Ausstieg aus dem Projekt schaffen. Die Grünen halten das Projekt für verkehrspolitisch fragwürdig und viel zu teuer. Es schade dem Bahnverkehr im ganzen Land, da S21 Finanzmittel binde. Die Kostenberechnungen der Deutschen Bahn von 4,1 Milliarden Euro halten sie für unrealistisch. Die Grünen rechnen mit mindestens 4,9 Milliarden Euro Baukosten, die wegen der Baukostenrisiken auf bis zu 6,9 Milliarden Euro steigen könnten.“ War das Referendum ein taktischer Fehler der Grünen?

Hintergrund: > www.lpb-bw.de/volksabstimmung_stuttgart21.html

Und in seinem Kommentar > Schlusspunkt schreibt Christian Milankovic am 14. Juni 2016 in der Stuttgarter Zeitung: „Das Argument der Gegner, damals sei nur über eine finanzielle Beteiligung des Landes, nicht aber über das Projekt in Gänze abgestimmt worden, ist formal richtig – und verfängt doch nicht.“ Auch er trägt dazu bei, das Ergebnis der Volksabstimmung über das Ausstiegsgesetz, das keine qualitative Beurteilung des neuen tiefergelegten Haltepunkts enthielt, zu einer Wähler-Aufforderung zum Bau umzudeuten. Man darf mit des Volkes Willen aber nicht spielen. Man vermied es, das Volk direkt fragen, ob es S21 einschließlich der Kostensteigerungen gut fände oder nicht… Das Volk entschied sich gegen das Ausstiegsgesetz, weil es den Versprechungen, es werde zu dem festgesetzten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt geliefert, Glauben schenkte. Alle Unwägbarkeiten wurden ganz klein geredet, und das Nein zum Ausstiegsgesetz wurde von den Befürwortern von S21 sehr schnell als Pflicht zum Weiterbauen verkauft. Aber die Frage des Volksentscheid lautete nun einmal nicht, ob gebaut werden solle, auch wenn die Kosten deutlich über 6 Mrd. steigen und die Fertigstellung möglicherweise später als 2021 eintritt und die Baugenehmigungen noch nicht alle vorliegen?“

jetzt geht es mit dem Artikel vom 14.2.2016 hier weiter:


es habe wohl Schwierigkeiten gegeben, sprich Gegner, und nun werde gebaut, berichtet Präsident Hollande in einem Fernsehgespräch am 12.2.2016, 5.21: Min.


Interview du président François Hollande aux… von elysee

Es geht um einen geplanten Großflughafen > Notre-Dame-des-Landes – L’EXPRESS. Es gibt viele Gegner und viele Befürworter. Baubeginn soll eigentlich im Herbst sein. Also schlägt der Präsident eine lokale Volksbefragung vor und erinnert dabei an S21, da habe es auch Schwierigkeiten gegeben, also habe man eine Volksabstimmung durchgeführt, und nun werde gebaut. Und genau da liegt das Problem. Über die Grenzen Schwabens hinaus, wird die Abstimmung vom 27. November 2011 so verstanden und so zitiert, als wenn es sich um eine Abstimmung um die Qualitäten und besonderen Vorteile von S21 gehandelt hätte. Auch Hollande sieht das so, man habe abgestimmt, und nun werde gebaut.

Fürs Protokoll: Das mit der Volksabstimmung war aber etwas anders: Es wurde am 27. November 2011 eine > Volksabstimmung zu Stuttgart 21 durchgeführt, so dass die Abstimmung hinterher wirklich wie eine Zustimmung zu S21 aussehen konnte. Das sieht Präsident Hollande ja nun auch so. Die Qualitäten und die Vorteile von S21 standen dabei nie zur Diskussion: 57 Tunnelkilometer gegen die wegfallenden Gleise, die auf den HBf zulaufen – die nun möglicherweise wegen Bedarf zumindest teilweise ? erhalten bleiben könnten. Die Frage an die Wähler lautete, ob sie ein Gesetz, das das Land zum Ausstieg aus der Finanzierung von S21 und damit zum Ende von S21 führen würde, unterstützen. 48,3 % der Wahlberechtigten nahmen an der Abstimmung teil. 58,9 Prozent stimmten gegen das Gesetz und damit gegen den Ausstieg des Landes aus der Projektfinanzierung. Bei der verwirrenden Abstimmungsfrage haben bestimmt einige mit NEIN gestimmt, die S21 nicht mögen. Man darf nicht vergessen, dass die Projektverantwortlichen vorher alle heiligen Eide mit Nachdruck schworen, die Kosten würden 4.87 Milliarden Euro nicht übersteigen. Gutgläubig haben die Wähler den Abbruch von S21 verhindert.

Volksbefragungen sind nie ganz unproblematisch, weil die Politiker, die sie organisieren, immer versucht sind, Vorteile für ihre Pläne aus einer Befragung zu ziehen, entweder spielen sie mit der Formulierung der Fragestellung oder sie nutzen die Ergebnisse, um ihre eigene Machtposition zu stärken. Es gibt gute Gründe, weshalb das Grundgesetz die Volksbefragung so stark einschränkt. Das kann man in einem kurzen Tweet an die Adresse von Präsident Hollande so ausdrücken.

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