Nachverdichtung in der Innenstadt IV.
Das Dorotheen-Quartier in Stuttgart

Was ist denn da passiert?

Wieder einmal wird in Stuttgart nachverdichtet. So nennt man das, wenn in einem bebauten Gebiet eines Stadtviertels Lücken (eng) bebaut werden.

Am 27. September hatten wir dieses Stadtquartier schon einmal vor unserer Fotolinse: > Immer enger: Nachverdichtung in der Innenstadt (III). Wir wiederholen hier noch einmal eines der Fotos vom September, mit dem so wunderbar gezeigt werden kann, wie Teile des Dorotheen-Quartiers in die Sichtachsen gebaut werden:

Am 27. Februar 2016 kamen wir über den Karlsplatz zum Dorotheen-Quartier. Es ist gar nicht zu übersehen, was da gebaut wird:

Bitte öffnen Sie das Fotoalbum mit einem Doppelklick auf ein Foto erst, wenn diese Website, die Seite dieses Blogs vollständig geladen ist, der blaue Kreis oben im Reiter muss verschwunden sein:

Vor einem Jahr sah die Baustelle noch ganz anders aus. Achten Sie auf die freie Sicht zu der Halbhöhe und auf die Fotos, die die Umgebung des Neubauten zeigen. Das neue Gebäude setzt sich in das Quartier, zwischen der eher beschaulichen Markthalle, dem wunderbaren Karlsplatz, den etwas weniger schönen Bauten von Breuninger, hinter das Hotel Silber. Und was sollen sie zu ihrer Umgebung sagen? Wir sind jetzt da… Nichtwiderspruchsduldend. Einen Dialog mit der Umgebung wird es kaum geben, Bezüge sind nicht erkennbar, weil alle erkennbaren Achsen zugebaut und verschlossen wurden. Der fehlende Dialog mit der Umgebung der neuen Gebäude darf nicht unterschätzt werden, daran kann man die besonders hohe städteplanerische Fehlleistung gerade an diesem Ort besonders gut erkennen.

Viel höher als die umstehenden Gebäude, machen sich die Neubauten zu einem völlig unverdienten Bezugspunkt der Umgebung, sie machen sich das Quartier untertan, was ja auch im Namen Dorotheen Quartier zum Ausdruck kommt, den sie in Ignoranz der Umgebung für sich beanspruchen. So ist es mit anderen Neuquartieren in Stuttgart , wie z.B. mit > A1, wo gebaut wird, ohne Bezüge zu den Nachbarquartieren zu berücksichtigen… deren Anwohner sich lange über die Zunahme an parkenden Autos beklagt haben. Beim > Einkaufszentrum Gerber ist es kaum anders, die leider immer noch stehende > Paulinenbrücke wirkt dort wie ein Panzerriegel zur Weststadt.

Von den oberen Etagen bietet das Dorotheen-Quartier möglicherweise einen grandiosen Ausblick auf das beschauliche Stuttgart von einst, auf den Karlsplatz, der künftig von der Glasfassade überragt werden wird und seinen Charakter als schöner Ort der Begegnung verlieren könnte. Dort unten ist auch die Markthalle, die sich künftig anhören muss, „Du kommst als Überrest auch noch weg“, wenn man einmal den Dialog zwischen den Gebäuden sich vorstellt. > „Dich krieg ich auch noch weg. …“ sagt an anderer Stelle das Einkaufszentrum zum Königsbau.

Das Dorotheen-Quartier ist ein erneuter Beweis dafür, dass Stadtplanung in Stuttgart keine Rolle spielt. Sichtachsen werden zugebaut, dem Streben von Investoren nach unverhältnismäßiger Größe wird nachgegeben, immer mehr Stadtteile verlieren ihre Chance auf eine ausgewogene Entwicklung oder werden vernachlässigt wie die > Kronprinzenstraße.

Wenn auch über das Dorotheen-Quartier möglicherweise ausgiebig beraten wurde… das Ergebnis ist verheerend. Viel zu groß für die Baulücke, ein Desaster für den Karlsplatz. Vielleicht konnte das Viertel nur so bebaut werden, weil es in einer Randlage liegt. Die > Hauptstätter Straße mit ihren vielen Fahrbahnen wirkt wie eine Barriere. Für Fußgänger spielt das jeweils gegenüberliegende Stadtquartier keine besondere Rolle. In dem folgenden Album stehen die frühesten Fotos am Ende:

Einkaufen in Stuttgart

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Man könnte glauben, das Gerber sei immer noch nicht eröffnet. Auch am 1. September 2015 sind die Fensterhöhlen immer noch zu und blind. Noch oder noch immer darf niemand hineingucken. Es soll schon eröffnet sein? Dann darf wohl auch niemand hinausgucken. Der Einkaufstempel schottet sich vom gegenüberliegenden Quartier ab, das ihn durch der > Paulinenbrücke von den westlichen Stadtteilen trennt, hermetisch ab. Drei dünne senkrechte Reklametafeln, wie an Bushaltestellen, nur dafür überdimensioniert, kündigen von einer Warenwelt, die man nicht unbedingt hinter diesen Blindfenstern vermuten darf. Und wenn das Zentrum wirklich schon eröffnet sein sollte, ist es an einem Kontakt zu den umliegenden Stadtteilen gar nicht interessiert. Allenfalls in Sachen Kundenfang. Aber bitteschön, die sollen dann möglichst lange im Zentrum kreisen, ohne hinauszugucken. Für die Stadtentwicklung sind diese > Einkaufszentren: Die Hölle für den Bürger

> Neue Einkaufszentren in Stuttgart oder wie entwickelt sich die Innenstadt?

> Gehen wir heute in die City oder in ein Einkaufszentrum? fragen sich die Stuttgarter und weil die Zentren fast alle Kettenläden unter einem Dach bieten, weil es da drinnen nicht regnet und man mit dem Auto bis fast in die Ladentheke fahren kann, schätzen sie dieses Einkaufen, so als ob es irgendwo in der Republik wäre, in Passau…

… oder in Gelsenkirchen, Hannover oder Hamburg.

Woher kommt der Drang zum Einkaufen in Ladenzentren? Kurze trockene Wege für Auto und Kunde? Dynamik für die Drehständer? Kauft der Kunde hier erst einmal ein, dann sitzt das Geld lockerer, als wenn er erst zum nächsten Laden gehen müsste. Trickreich sind die Wege, wie in diesem > Ladenzentrum, wo Kunden, wenn sie auf die Idee kommen, eine der oberen Etagen besuchen zu wollen, zuerst an möglichst vielen Geschäften vorbeilaufen müssen, weil die Rolltreppe, natürlich auf der anderen Seite nach oben führt. Nur diese Dynamik macht die Waren wirklich zu Regaldrehern.

Ohne Zweifel, war es ein immenser städtebaulicher Kardinal-Fehler diese beiden großen Ladenzentren an beiden Seiten der Stuttgarter Innenstadt zu bauen. Man hat sich die Stadtplanung aus der Hand nehmen lassen. Das sei übertrieben, dies so zu behaupten? Nun, die Stadt lässt ihre Innenstadt verwahrlosen und hat offensichtlich kein großes Interesse dran, z. B. die > Kronprinzenstraße endlich mal zu renovieren.

Shoppen bis zum Umfallen

Die Größe der Flächen und die Anzahl der Einkaufsläden, die von vor Kurzem an beiden Seiten der City in Stuttgart eröffnet werden, sind beeindruckend. Noch nie gab es in dieser Stadt einen solch immensen Sprung nach vorne. Man kann mit dem Auto fast bis an die Ladentheken fahren. Man wird nicht nass, wenn es draußen in der Stadt regnet, kann stundenlang, ohne sich zu langweilen in den neuen Konsumtempeln herumspazieren. Es ist so einfach, die Kreditkarte immer wieder zu zücken. Kinder können nicht weit weglaufen. Kein Straßenverkehr stört das Kaufvergnügen. Fürs leibliche Wohl wird bestimmt auch gesorgt, und was es alles zu bestaunen gibt. Viele Läden gab es vorher so noch gar nicht in Stuttgart. Die Stuttgarter haben sie zwar nicht vermisst, aber jetzt kommt doch ein Bedürfnis nach ihnen auf. Gucken könnte man ja mal.

Nein, wir brauchen diese Läden nicht. Uns reicht die Innenstadt, warum dem Kaufrausch nachgeben? Das sind Orte, wie sie überall sein könnten. Fährt man auf der > Paulinenbrücke – sie ist immer noch da – am Gerber vorbei, könnte man den Eindruck gewinnen, es ist noch gar nicht eröffnet. Doch es soll schon offen sein. Die kleinen Fenster verraten es… aber man kann von der Brücke nicht hineinschauen, man kann wohl auch aus dem Zentrum gar nicht herausschauen. Die Stadt ist weg, wenn man dort oder ins Milaneo eintritt. Shoppen ist angesagt, und Speisen erhöht die Verweildauer der geschätzten Kundschaft. Diesen Einkaufsorten wird nie die Seele der Stadt Stuttgart verliehen. Wenn man wieder herauskommt, würde man sich sich überhaupt nicht wundern, in Herne, Passau oder Gelsenkirchen zu sein.

Auf unserem Blog:

> Neue Einkaufszentren in Stuttgart oder wie entwickelt sich die Innenstadt?

> Einkaufszentren: Die Hölle für den Bürger


Der Lesetipp:

Christian Marquart, Stuttgart > Keiner will’s gewesen sein – Bauwelt


> Stuttgart – Stadt ohne Stadtplanung? In unserem aktualisierten Artikel fragten wir schon danach, wie es dazu kommen konnte? Warum wurden zwei so riesige Einkaufstempel für den Konsumrausch genehmigt und gebaut? Ein Wettbewerb? Ein Bürgerforum? Obendrauf Wohnungen als Entschuldigung? Gab es irgendwo ein erkennbares Bedürfnis nach mehr Einkaufsflächen? War die Innenstadt zu klein geworden? Wollte der Rat der Stadt die Investoren, die in diese Einkaufsburgen investieren, unbedingt und um jeden Preis nach Stuttgart holen? Man darf auch fragen, warum man die Innenstadt vergammeln lässt? > Warum wird die Kronprinzenstraße keine echte Fußgängerzone? Wer bezahlt eigentlich die Baumaßnahmen rund um die neuen Einkaufszentren, damit die Bürger auch den Weg ins Gerber finden?


Gerber und Milaneo in Stuttgart Keiner will die Zentren beschlossen haben, Stuttgarter Zeitung, 21.9.2014


Stadtgeographen und-Stadtplaner könnten sich diese Einkaufszentren und ihre unmittelbare Umgebung mal genauer in Augenschein nehmen. Das sagen die Zentren: „Wir sind jetzt da.“ Mehr aber auch nicht. Sie sind von ihrer Größe auf die freie Fläche eingepasst, unterhalten aber keine Beziehungen zu ihrem Umfeld, brauchen sie auch nicht, da der kaufwillige Bürger möglichst lange drinbleiben und dort wie die Waren und das Geld ständig zirkulieren soll.

Stuttgarts Stadtväter tun alles, damit Zureisende nichts von der Innenstadt sehen. Entweder fahren sie bald unterirdisch an Stuttgart vorbei, oder die Werbung wird alles tun, um sie an den Shopping-Centren festzuhalten.

Im Königsbau zog in der oberen Etage viele offenen Restaurants ein, damit die Käufer auch mal die obere Etage sehen. Das ist schon fast eine Art von Umwidmung. Vielleicht werden aus für eine oder für die beiden neuen Einkaufszentren auch dereinst mal neue Mieter gesucht: Vielleicht neue Arbeits, Lern- und Lehrräume für die Universität, vor allem für die Geisteswissenschaften, die könnten mehr Resonanz, neue Entfaltungs- und Wirkungsmöglichkeiten in dieser Stadt wirklich gut gebrauchen. Und der Stadt würde es auch gut tun.

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Stuttgart – Stadt ohne Stadtplanung?

Das Interview, das Christina Schulte mit Hans-Hermann Albers „Ein Masterplan für die Stadt“ (Börsenblatt, 29|2014, S. 18 f.) führte, in dem Albers von einer lebendigen Innenstadtentwicklung sprach, ist ein Anlass den folgenden Artikel vom Mai 2013 aus den Tiefen des Blogs nochmal ganz nach oben zu holen.

Die Plakatwand auf der Baustellenwand des neuen Gerber verspricht viele schöne Filialen bekannter Shopnamen. Und was noch? 285 Läden sollen in zwei > Einkaufszentren zu beiden Seiten der Stuttgarter City entstehen, die zur Zeit im Wettlauf aus dem Boden herauswachsen. Wie konnte das passieren? Nach einer gelungenen Stadtplanung sieht das nicht aus. Eher danach, also ob hier und da ganz verschiedene Interessen, die nur am Kommerz orientiert sind, den Bau der beiden Einkaufszentren beflügeln. Mit dem > „Gerber“: > „Hier wächst Stuttgart zusammen“ steht auf dem Bauzaun, wird die > Paulinenbrücke eingemauert und ein Stadtteil nachhaltig verdichtet. Das > Caleido macht es nicht anders. Mit dem Einkaufszentrum hinter der Bibliothek, soll eine urbane Landschaft neu geschaffen werden. Und es bleibt dabei, > Einkaufszentren sind eine Hölle für den Bürger. Die Initiatoren dieser Ladenburgen haben den Stadtvätern und damit auch den Bürgern jedes Konzept für eine Stadtplanung aus der Hand genommen. In den Einkaufszentren wird es aussehen wie in Herne, Wuppertal oder Passau, kaum ist man drin, wird nichts mehr an Stuttgart erinnern. Warum haben sich unsere Stadtväter die Stadtentwicklung in dieser Form so diktieren und aus der Hand nehmen lassen?

In den Königsbau-Passagen sind die Laufwege der Kunden so konzipiert, dass sie beim Erklimmen der Passagen möglichst viel Läden sehen, immer im U-Turns herumlaufen. Möglichst nie den Ausgang sehen. Die Sammlung der dort eingezogenen Läden brauchen wir eigentlich nicht für unseren täglichen Bedarf. Es ist alles in der Innenstadt vorhanden. Kann es sein, dass nur und ausschließlich die Investoren dieses Baus eine Aufstockung der Ladenflächen in Stuttgart verlangt und im Sinne gehabt haben? Mit dem Milaneo wird es sich kaum anders verhalten. Das wird auch eine Ladenburg werden, die mit der Innenstadt von Stuttgart nichts zu tun hat. Beide Einkaufszentren sagen zu den Stuttgarter Einzelhändlern: „Wir wollen Eure Kunden haben.“ Schade, da ist viel versäumt worden.

> Nachverdichtung oder Stuttgart wächst zusammen – 1. November 2012

Die dritte Etage der Königsbau-Passagen dient jetzt weitgehend als Futter-Mall, anders war diese Etage nicht mehr zu bevölkern. Schon hier drinnen konnten die Bürger die Stadt vergessen, nirgends mehr etwas, was an die Stadt erinnert, nach draußen kann man auch nur an wenigen Stellen gucken. Und jetzt zwei große Ladenburgen an beiden Seiten der City, die versuchen, von denen eine den Anspruch hat, dafür zu stehen, dass hier Stuttgart zusammenwachse, ausgerechnet neben der Paulinenbrücke, wo man vom Zusammenwachsen der Stadtquartiere nun wahrlich gar nichts spüren kann, solange diese Brücke sie voneinander strikt trennt. Immerhin, Stuttgart bekommt wenigstens ein neues hübsches Stäffele.- Und das neue > Milano, das für die City-Einkäufer in einem 15-20 Minuten Fußmarsch vom Schlossplatz entfernt, hinter dem Bahnhof gebaut wird, wirbt mit perfekter Erreichbarkeit und „Kurze Wege in zentraler Lage.“

> Wehret den Auswüchsen: Die Stuttgarter Nachverdichtung
> Stichwort „Gerber“ auf diesem Blog

Und die Innenstadt, wie sieht die heute aus?

> Warum wird die Kronprinzenstraße keine echte Fußgängerzone?

Hätte ich ein Fachgeschäft in der Innenstadt würde mir Angst und Bange werden in dieser Stadt. Schon schließen traditionsreiche Fachgeschäfte in der Innenstadt: Foto Hirrlinger und Haufler am Markt. Und am Karlsplatz wird auch ein neues Warenhaus gebaut, das unverdienterweise den ganzen Platz beherrschen wird. Wir brauchen in dieser Stadt dringend eine neue Diskussion über eine zusammenhängende Stadtentwicklung, bevor noch größerer Unfug wie diese drei Einkaufszentren angerichtet wird. Aufgaben gibt es genug: was ist z. B. mit der Hauptstätter Straße > Die Barriere Hauptstätter Straße. Alles zur > Hauptstätter Straße auf diesem Blog.

Der Stuttgarter Talkessel wird abgeriegelt

Im Januar 2013 haben wir an die > Stuttgarter Riegelbebauung und Nachverdichtung mit einem Foto erinnert, das wir an der Ecke Wolframstraße / Heilbronner Straße im Oktober 2010 aufgenommen haben:

> Klimatische Aspekte bei der Stadtentwicklung von Stuttgart hieß die Überschrift des dazugehörigen Artikels. „Sicher, es ist ein beeindruckender Bau, ohne Zweifel gelungen. Es steht vielleicht nicht ganz richtig, müsste es aus Klimagründen und des Luftaustauschs nicht endlich um 90 Grad gedreht werden?“ Warum wurde damals dieses Hochhaus als Barriere für den Klimaaustausch gebaut? Damals dachten wir noch, wehret den Anfängen. Der Stuttgarter Talkessel hat seine topographischen Reize und seine klimatischen Probleme. Er ist dringend auf Luftkorridore zum Austausch von Luft angewiesen. Versperrt man den einzigen Zugang zum Talkessel mit einem Betonriegel, dann dürften selbst Laien ins Grübeln kommen, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Fährt man jetzt durch die Wolframstraße:

… und biegt auf die Heilbronner Straße ein, dann mag die Freude über die 200 Geschäfte, die hier bald in Konkurrenz zum Gerber am anderen Ende der City eröffnet werden, nicht so recht aufkommen. Es ist ja so, als ob die Betreiber der beiden Einkaufszentren sich wegen der Genehmigung ihrer Projekte an unterschiedliche Behörden der Stadt gewendet haben, die voneinander nichts wissen. Ansonsten kann man die großzügige Genehmigungspraxis nicht nachvollziehen. Aber biegen wir doch wirklich mal in die Heilbronner Straße Richtung Stadtmitte ein. Das von uns schon 2010 beklagte Hochhaus, verschwindet hinter dem Betonriegel, auf dem Wohnungen für über 1000 Bewohner gebaut werden:

Stadtplaner nennen solchen Taten Nachverdichtung:

Immerhin, der Blick auf den TV-Turm bleibt und das Europa-Viertel wächst weiter zu:

Auch von der Neuen Stadbibliothek ist noch ein bisschen was zu sehen:

Stuttgart bekommt ein neues Stäffele

Alle Mahnungen, das Statqaurtier am oder um das Gerber-Viertel wirklich sachgerecht zu restaurieren haben nichts genützt. Die Paulinenbrücke wurde nicht abgerissen sondern an beiden Seiten bebaut: > Alles für das Auto: Die Paulinenbrücke.

> Die autogerechte Stadt (II): Die Paulinenbrücke in Stuttgart

Natürlich hätte man auch gleich das riesige Elefantenklo am Österreichischen Platz abgerissen müssen und dann hätte man sich der > Hauptstätter Straße zuwenden können. Schade, so werden Chancen zur Stadtreparatur verpasst. Stattdessen lässt man sich in Stuttgart von Immobilieninvestoren suggerieren, dass die Stadt trotzdem zusammenwächst: > Um jeden Preis: Nachverdichtung in Stuttgart.

Um jeden Preis: Nachverdichtung in Stuttgart

„Stuttgart wächst zusammen“ prangt als Werbespruch auf dem > Bauzaun des „Gerbers“, das in diesen Wochen sich anschickt, neben der > Paulinenbrücke aus dem Boden zu wachsen.

Ein Blick auf die Baustelle, wo die Kräne stehen, zeigt, dass dort ein für die Stuttgarter Stadtentwicklung sehr schwerwiegender Fehler entsteht:

Als Beleg machen wir nur zwei Fotos, eins heute und das andere wenn das „Gerber“ emporgewachsen ist, und man sehen kann, das das, was man als Grundgesetz der Stadt verstehen könnte, der Blick auf die Hänge, verbaut worden sein wird. Viele mag das heute noch nicht nicht stören, man glaubt ohnehin nur das, was man wirklich sieht. Steht das „Gerber“, werden sich möglicherweise viele verwundert die Augen reiben. Viele Investoren werden alle Hebel in Bewegung, um auch so ein schönes „Gerber“ bauen zu dürfen.

Wie konnte das passieren? In dieser Stadt gibt es keine wirklich zusammenhängende Stadtplanung. Oder wenn es Ansätze von ihr geben sollte, ist sie im heutigen Stadtgebiet nicht erkennbar. Nennen wir zwei markante Beispiele: Solange die > Stadtautobahn und die Paulinenbrücke Stadtviertel ohne Perspektive auf Wiedervereinigung teilen, ist eine dort eine so notwendige Stadtreparatur nicht in Sicht. Folglich gibt es auch keine wirkliche Stadtplanung, die neue und Interessante Perspektiven verspricht. Man werkelt hier, man werkelt dort, aber keine der heutigen Baustellen fördert eine wirklich zusammenhängende Perspektive für die Zukunft.

> Ein neues Stadtquartier entsteht

Befürworter und Gegner von S21 haben sich durch den Sog der Ereignisse auf den Bahnhof konzentriert, manche von ihnen auf beiden Seiten mit guten Gründen für ihre jeweiligen Überzeugungen. Zuletzt sind alle guten Argumente für das Projekt der Meinung gewichen, man könne jetzt nicht mehr aufhören.


Stuttgart wächst an der Paulinenbrücke zusammen, hier das Caleido und drüben das Gerber. Klar, die Fußgänger können unter der Paulinenbrücke durchlaufen. Aber oben, auf dem Österreichischen Platz werden sie nicht geduldet. Hier hat man großartige Chance zur Stadtsanierung verpasst.

> Die autogerechte Stadt: Der Österreichische Platz – August 20120 auf diesem Blog


Es wird auch hier höchste Zeit, dass die Befürworter sich wieder an die guten Gründe für das Projekt erinnern *und* es wieder oder überhaupt als Teil einer integrierten Stadtplanung für Stuttgart definieren. Die bisher genannten guten Gründe betreffen den Bahnverkehr, aber nicht die Anbindung oder die Integration des neuen Bahnhofs an die angrenzenden Stadtquartiere. Im Prinzip hat man dort unter anderen Vorzeichen die gleichen Fehler gemacht, wie sie jetzt mit dem „Gerber“ als Insellösung gemacht werden.

Zurück zum „Gerber“. Man lässt Investoren an beiden Seiten der City große > Einkaufszentren bauen, deren Gewinn für die Stadtentwicklung nur schwer oder gar nicht erklärbar ist.

Konzept für ein schöneres Stuttgart
Roland Ostertag, Wasser in der Stadt

Man hat in den letzten Jahren in Stuttgart viele Bausünden begangen, oder begeht sie gerade mit den Einkaufszentren, die an zwei Stellen aus dem Boden wachsen. Nirgends ist ein Konzept für die Stadtentwicklung im heutigen Stadtbild erkennbar. Das neue Gerber und das Caleido mauern die Existenz der furchtbaren > Paulinenbrücke im wahrsten Sinne des Wortes auf lange Zeit ein. Sie wird weiterhin die beiden Stadtquartiere trennen, anstatt das Raum gegeben wird, um wie es auf dem Bauzaun des Gerber steht, zu erlauben, dasss Stuttgart gerade hier zusammenwächst. Viele Jahre oder Jahrzehnte wird die > Hauptstätter-Straße die Stadtteile zu ihren beiden Seiten voneinander trennen.

Schon bald muss der Nesenbach im Bereich des Schloßgartens unter den Trog des künftigen neuen Bahnhofs verlegt werden. Warum macht man in Stuttgart nicht ganz was anderes und holt de Nesenbach wieder an die Oberfläche? Roland Ostertag hat mit den Visulisierungen, die er in seinem neuen Buch > Wassser in der Stadt. Konzept für ein schöneres Stuttgart vorzeigt, dargelegt, wie das Wasser und auch der Nesenbach das Stadtbild popsitiv verändern könnten. Ostertag erinnert daran, dass Stuttgart bis in das 18./19. Jahrhundert eine Stadt war, deren Charakter und Klima durch offene Bäche und sichtbares Wasser, durch Seen und > Brunnen geprägt war. 95 % wurden seit dem 19. Jahrhhundert kanalsiert und verdolt. Der Nesenbach wurde als Abwasserkanal missbraucht und dann unter die Erde verbannt. Es wäre an der Zeit, ihn wieder nach oben zu holen.

Es ist ein Vergnügen der ganz besonderen Art, wenn > Roland Ostertag in seiner Ausstellung den Besuchern seine Vorstellungen für ein schöneres Stuttgart erläutert. Welch ein Kontrast zwischen dem Baufuror in Stuttgart und der Besinnung und Konzentration auf die Weiterentwicklung eines zusammenhängenden Stadtbildes!

Roland Ostertag
Wassser in der Stadt. Konzept für ein schöneres Stuttgart
Peter-Grohmann-Verlag
ISBN 978-3-927340-94-7

Wehret den Auswüchsen: Die Stuttgarter Nachverdichtung

Die Bebauung des Gerber-Viertels neben der ungeliebten > Paulinenbrücke ist stadtarchitektonisch gesehen ein schwerer Fehler, der sich in dieser Stadt nicht wiederholen darf. Die einst darin flanierenden Kunden werden sich an den vielen schönen Vitrinen des > Einkaufszentrums sicher erfreuen können. Dort drinnen wird man von dem Schaden, das das Gerber im wahrsten Sinne des Wortes in Hinsicht auf die Sichtachsen in Stuttgart, die nun einmal zur Identität dieser topographisch so einmalig schöne gelegenen Stadt nichts mehr wissen und sehen. So im Vorbeigehen aufgenommen zeigen die beiden nächsten Fotos, den Horizont mit den Bergen um Stuttgart, die hinter dem Gerber so verschwinden werden, wie St. Maria hinter dem Caleido. Schade. Mit dem Bau dieser Komplexe und mit der Nachverdichtung dieser Stadtquartiere gibt die Stadt viel von ihrer Identität auf. Zubauen ist genauso schlimm wie unbedachtes Abreißen.

> Nachverdichtung in Stuttgart. Noch ist es nicht zu spät
> Nachverdichtung oder Stuttgart wächst zusammen
> Noch ein letzter Blick auf St. Maria
> Ein neues Stadtquartier entsteht
> Eine neues Stadtquartier oder eine Insellösung?

Die Umgestaltung der Tübingerstraße ist gelungen

Noch steht das Baustellenschild. Der Umbau der Tübingerstraße ist fast fertig.

Und Stuttgart hat auf einmal einen richtigen urbanen Raum dazubekommen. Gehen wir durch die Tübingerstraße, denken wir gleich an die > Kronprinzstraße, die wahrlich auch ein Straßenlifting so gut gebrauchen könnte, oder bekommt die Tübingerstraße nur die Aufhübschung, weil das „Gerber“ ganz in der Nähe dort wächst?

Wie auch immer, es ist ein Vergnügen, durch die Tübingerstraße zu schlendern. Ein urbaner Stadtraum, in dem es den Autofahrern richtig peinlich werden kann, langsam um die Fußgänger herumzufahren.

Der Aufenthalt in dieser Straße ist richtig wohltuend, hell mit einer Sichtachse, nicht besonders laut, hier wurde stadtplanerisch kreativ und erfolgreich ans Werk gegangen.

Nachverdichtung in Stuttgart. Noch ist es nicht zu spät

Freuen wir uns alle auf das neue „Gerber“. Dort künden die Bauzäune davon, dass an dieser Stelle Stuttgart zusammenwachse. Haben die Planer wirklich darüber nachgedacht, ob es sinnvoll ist, wichtige Sichtachsen die den Charakter Stuttgarts entscheidend prägen, mit Beton zuzubauen? Der Artikel von Dieter Bartetzko in der FAZ (17.11.2012) „Vor dem Gewinn sind alle gleich“ berichtet über bedenkliche Bautätigkeiten quer durch die Republik, die die Stadtplaner „Nachverdichtung“ nennen.

In Stuttgart wachsen an beiden Seiten der > Paulinenbrücke große Gebäude in den Himmel. Statt abgerissen zu werden, wird die Paulinenbrücke zur Talsohle einer Straßenschlucht. Auf diesem Blog steht noch mehr zum Schandfleck > Paulinenbrücke.

Oder sollen wir uns doch auf das „Gerber“ freuen?

Über neue Einkaufszentren wurde auf diesem Blog auch schon alles gesagt: > Eine neues Stadtquartier oder eine Insellösung? Müssen wir das nochmal wiederholen: > Einkaufzentren sind kein Beitrag zu einer Stadtkultur. Neue Shoppingmöglichkeiten werden uns offeriert. An der Wolframstraße entsteht ein Einkaufsparadies und an der anderen Seite der City entsteht das „Gerber“. Ortsbesichtigung:

Und was verspricht die Werbung auf dem Bauzaun?

Mit einem Klick vergrößern.

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Wenn das „Gerber “ teilweise 8-stöckig aus der Baugrube wächst, wird der für Stuttgart charakteristische Ausblick auf die Hänge verschwinden. Manche mögen das leichtfertig nicht schlimm finden, dennoch hat diese Nachverdichtung der Innenstadt erhebliche Probleme auch für die Luftzirkulation im > Stuttgarter Talkessel. Man konnte bisher im Stuttgarter Stadtgebiet erkennen, dass Bauwerke nicht zu hoch gebaut werden dürfen. Damit scheint Schluss zu sein, die Bauherren scheinen sich duchzusetzen zu können, und es bedarf einer lebhaften Debatte in dieser Stadt, um festzustellen, ob die Nachverdichtung wirklich so ungebremst weiter gehen darf.

Mit einem Klick vergrößern.

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