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Der Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs

13. Oktober 2010 von H. Wittmann

Der Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs steht noch, zumindest mit seinen Außenmauern, seinen > Denkmalschutz hat er aber vielleicht schon verloren. Sein Erhalt sollte Befürworter und Gegner von S21 gleichermaßen interessieren, weil er das Objekt ist, das einen kleinen aber wichtigen Teil die Verhandlungsmasse repräsentieren könnte, über die beide Seiten jetzt sprechen sollten. Der Südflügel darf nicht auf ein Gebäude reduziert werden, dass im Augenblick nur im Weg steht. Sein Abriss wäre ein unwiederbringlicher Verlust. Nachdem jetzt der Aufschub für seinen Abriss angekündigt wurde, darf man doch hoffen, dass in seinem Innern noch alles in Takt ist?

Dieter Bartetzko hat heute im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ, 13. 10.2010, S. 32) unter der Überschrift “Denn sie wissen nicht, was sie in Stuttgart jetzt sehen” an die architekturhistorische Bedeutung des Südflügels des von Paul Bonatz erbauten Stuttgarter Hauptbahnhofs hingewiesen: Nachdem jetzt schon einige der schönen Laubkronen fehlen ist der Blick frei auf die Fassade. Bartetzko schreibt zum Südflügel “dass er ästhetisch und baugeschichtlich ein Gelenkstück des 1914 bis 1928 gebauten Ensembles ist, sieht und weiß kaum jemand.” Bartetzkos kurzer Artikel liest sich wie eine architekturhistorische Mahnschrift, die die Bedeutung dieses Baus en détail erklärt: “Der Fernblick (d.h. der frei Blick nach em Abholzen der ersten Bäume) macht erkennbar, dass der Architekt Paul Bonatz sich beim Bau dieses Symbols des Fortschritts und der Beschleunigung von einer der ältesten Architekturen der Menschheit inspirieren ließ: den 2800 vor Christus entstandenen steinernen Einfriedungen der Pyramide des Pharaos Djoser in Sakkara. Von ihnen übernahm Bonatz die rhythmische Gliederung in vor- und rückspringende Trakte sowie die zugleich dekorative und den Eindruck der Kompaktheit steigernde Unterteilung durch kolossale Pfeiler-Paare. Gleichsam zur Europäisierung, (wenn nicht gar Germanisierung) ließ er die mächtigen Muschelkalkquader seiner Fassade nicht glatt wie die altägyptischen Steine, sondern nach der Art staufischer Burgen roh behauen.” Und Bartetzko sagt auch : “Die Zuversicht und die Angst der Moderne, Fortschrittsglaube und die Suche nach Halt in der Geschichte sind – und das ist heute so aktuell wie 1919 – in dem monumentalen Bahnhof Gestalt geworden, insbesondere in seinem Südflügel. Dass dieser nicht, wie die Bahn und die zuständigen Politiker es permanent tun, als belanglose schematische Verblendung von Gleisen und Bahnsteigen abgetan werden kann, liegt auf der Hand.” Ob der Runde Tisch hier etwas retten kann?

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