#S21: Die ersten Konturen des Manfred-Rommel-Platzes

Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I) (deutsch-fanzösisch)- 25. November 2007


Allmählich bekommt der neue Manfred-Rommel-Platz versteckt hinter dem Bahnhof und als Deckel des neuen Stuttgart Tiefhauptbahnhofs seine Konturen: „Über der Bahnhofshalle entsteht ein großer, klar konturierter Platz, der Manfred-Rommel-Platz, der in die Parklandschaft des Schlossgartens integriert ist.“ So steht es auf der Website des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm -aufgerufen am 24.9.2023 – er wird überhaupt nicht integriert sein, sondern nur ein Durchlaufplatz um die Glasaugen herum werden; den Bildern im Bahnhof am Bauzaun nach zu urteilen, möglicherweise sogar gepflastert oder geteert, mit einem Park hat das überhaupt nichts zu tun.

> S21 auf diesem Blog

Und die Kritik am Manfred-Rommel-Platz muss noch viel grundsätzlicher formuliert werden. Es ist ein Platz ohne Funktion, abgesehen davon, wie erwähnt, dass er als Deckel für den Tiefbahnhof herhalten muss. Gut, er liegt zwischen dem Park und dem amputierten Bonatzbau, ein Zeichen dafür, wie die Stuttgarter es mit dem Denkmalschutz halten… ist nicht das oberirdische Gleisvorfeld auch denkmalgeschützt? Und die Überwerfungsbauwerke?

Florian Werner, > Der Stuttgart-Komplex
Stuttgart: Klett-Cotta, 4. Druckaufl., 2023, erschienen am: 24.09.2022, 192 Seiten, gebunden -ISBN: 978-3-608-96584-1

> Lesebericht und Interview: Florian Werner, Der Stuttgart-Komplex. Streifzüge durch die deutsche Gegenwart Aufgezeichnet von Heiner Wittmann

Man hat alle Chancen verpasst. Einen großartigen renovierten Bahnhof im heilen Bonatzbau. Die Reisenden kommen an und könnten von der City auf ebener Erde mit offenen Armen empfangen werden. Sich nicht über die Überwege zwängen, sondern über einen Platz hinüber zur City gehen, da hätte der Manfred-Rommel-Platz hingehört. Natürlich hätte man den Verkehr vor dem Bahnhof vom Arnulf-Klett-Platz – gar kein Platz, sondern eine Straße – verbannen müssen und einen Empfangsplatz dort einrichten müssen. Man führt mit dem Zug in die Stadt hinein und nicht unten durch. Das hätte doch jedem, der die Stadt liebt, einleuchten müssen: So wirbt man doch für diese Stadt mit ihrer tollen Topographie, nein, ein Durchgangsbahnhof mit Gefälle muss es sein, zu eng, zu klein… und das Gleisfeld wird oben erhalten bleiben.

> Genügend Platz im Tiefbahnhof Stuttgart21? – 8. März 2023

Wie schön zum Zug zu gehen, 16 Gleise und fast überall steht ein Zug… man steigt ein… die Fahrt geht los, aber da unten rennt man hin- und her, alle ist zu eng, die Wege werden weiter, so ähnlich wie seit vielen Jahren schon, wenn man rechts oder links je 600 m um den Bahnhof herumlaufen muss, um die Gleise zu erreichen. Mit Stadt- oder Reisekultur hat das nichts zu tun. Es gab sehr wohl Alternativen aber nein, 1997 versteifte man sich darauf, die Gleise abbauen zu wollen, den Bahnhof um 45 Grad zu drehen und zu vergraben. Ingenieure wetteiferten miteinander und es entstand ein beeindruckendes Betongewölbe, dass die Kritiker von S21 verstummen lassen könnte mit technischen Meisterleistungen, die Lichtaugen!

Und es gab ja auch eine Volksbefragung…

> François Hollande: Zum Stuttgarter Bahnhof gab es eine Volksbefragung… 14. Juni 2016.

Wenn da nicht die fehlende Anbindung an die Stadt zu beklagen wäre. Bisher wurde kaum etwas über die Anbindung der umliegenden Stadtquartiere an den neuen Tiefbahnhof bekannt. Ein Architekt könnte sagen, die Häuser sprechen nicht zum Bahnhof, sie haben ihm ja auch nichts zu sagen. Die Ketten als Teilung der Fahrbahnen auf dem Arnulf-Klett-Platz werden auch künftig die Passanten daran hindern die Straße zu überqueren.

Die Touristen kommen durch den Berg im Tunnel dort unten an, steigen aus und staunen über den beeindruckenden Tiefbahnhof, um dann da unten wieder einzusteigen und weiter nach Bratislava zu brausen. Oben bleiben die Stuttgarter unter sich und freuen sich an ihrer Topographie, die dieser Tiefbahnhof so nachhaltig beschädigt, weil er sie ignoriert. Natürlich denke ich an die vielen Jahre mit Roland Ostertag (1931-2018 , der diese Art der Stadtzerstörung nie verstehen konnte:

Heiko Stachel: > Virtueller Rundgang: > Die Ausstellung am Gähkopf von Roland Ostertag.

Stuttgart ist zum Neckartal hin ausgerichtet und wer von da kommt, möchte in der Stadt empfangen werden. Nun kommt er unter dem Manfred-Rommel-Platz an … oder  verschwindet auf der anderen Seiten wieder in einem Tunnel.

Das Stuttgart-Modell von Roland Ostertag – 2. April 2019

Und dann ist der Manfred-Rommel-Platz so etwas wie eine offene Wund in der Stadtlandschaft, weil er immer an den Schwarzen Donnerstag, den 30. September 2010, erinnern wird, als der Schlossgarten von der Polizei so gewaltsam geräumt wurde. Im Gedächtnis der Stadt bleibt eine Narbe zurück und der funktionslose Platz, der der Stadtlandschaft abgerungen wurde, erinnert an die Wunden im Schlossgarten. Das war ja so beeindruckend, der Schlossgarten der vom Rosenstein bis fast in die City reichte… um den Hauptbahnhof herum, war das ein bemerkenswerter Magnet in der Stadt: Noch zwei letzte Blicke in den Schlossgarten – 16. April 2009.

13. Oktober 2023: Stuttgart21 wird nochmal um 0,6 Mrd EUR teurer und auch 2025 nicht ganz fertig?

> Stuttgart 21 verteuert und verzögert sich weiter – DIE ZEIT 13.10.2023

und immer noch versprechen die 21 Gründe – abgerufen am 12.10.2023 -, der „Finanzierungsrahmen liegt bei 4,526 Mrd.“

S21: Der neue Tiefbahnhof wird bestimmt sehr schick und sehr eng

Schick soll der neue Stuttgarter Hauptbahnhof werden. Allmählich taucht er aus dem Untergrund auf und geht seiner Vollendung entgegen. Bis dahin müssen aber noch viele Koffer viele hundert Meter weit geschleppt werden. Bei der Bauplanung hat man die Reisenden völlig vergessen. Das Ankommen am Stuttgarter Hauptbahnhof ist eine Qual. Nirgends kann man parken, um seine Lieben zum Zug zu begleiten. Und es müssen lange Umleitungswege gegangen werden. Beim Stand der Dinge darf man sich wirklich fragen, wer hat eigentlich damals diesem Murksprojekt zugestimmt?

Unser Photograph ist um die Baustelle halb herumgelaufen und ist sogar auf den kleinen Turm gestiegen:

4,5 Millarden sollte S21 kosten und mit diesem Versprechen haben die damals Verantwortlichen im Volksentscheid die Zustimmung der Bürger erhalten, ihnen abgetrotzt >7,6 Mrd. EURO. #S21 – wird hier die Zukunft gebaut oder verbaut? – 30. November 2017

> 76 Artikel über Stuttgart 21 auf unserem Blog

21 Gründe gab es damals, als noch Heiner Geissler das Gespräch am Runden Tisch leitete, um die Wogen zu glätten und um zu einem ziemlich faulen Kompromiss zu gelangen, bzw. die zu unterstützen, die das Projekt auf Biegen und Brechen durchsetzen wollten, wahrscheinlich nur, um es den Kritikern mal so richtig zu zeigen. Jetzt kommen auch die Glubschaugen zum Vorschein, die einen Platz schmücken sollen, der sich in bester Citylage befindet. Ein platz ohne jede Funktion und Bedeutung, ohne jede Aufenthaltsqualität, klagte Roland Ostertag: > #S21 und die Kosten finanzieller und qualitätsmäßiger Art – 8. Juni 2019. Und wie Recht hatte er. Die Zerstörung des Schlossgartens neben dem Hauptbahnhof haben die Stuttgarter Befürworter einfach so hingenommen.

Ein einziger Grund führte zu Bau des Projektes… wir können jetzt nicht mehr aufhören. Einen anderen Grund gibt es schon lange nicht mehr, wenn man davon absieht, dass hier schwäbische und auswärtige Ingenieurskunst perfekt vorgeführt wird. „„Ich komme vom Norden her.“ „Und ich vom Süden.“

Denken wir an die langen ICEs, die bald an der Stadtgrenze irgendwo im Untergrund verschwinden, im Tiefbahnhof halten und dann durch den Berg nach oben zum Flughafen brausen, eine technische Meisterleistung mit Ansage… wir lange wird das gut gehen? „Tand, Tand. Ist das Gebilde von Menschenhand!“ schrieb Theodor Fontane. Über 50 km Tunnel für das ganze Projekt S 21? Wie schon öfters hier gesagt: Künftig brausen die möglichen Besucher der Stadt unter ihr durch. Und überhaupt die Hybris der Stuttgarter, sich für den Nabel der Welt zu halten und sich einen tollen Durchgangsbahnhof zu leisten, während der Rest der Republik von Hamburg über Mannheim nach Basel und von Hamburg über Würzburg nach München braust. Fürs Merkheft: Stuttgarts Randlage macht aus der Stadt eine Stadt zum Ankommen und nicht zum Durchbrausen, das schafft erst der neue Bahnhof. Unten die Reisenden, oben bleiben die Stuttgarter ungestört unter sich. Ein gelungener Anschluss der schwäbischen Provinz an die Welt würde anders aussehen.

Und hinter dem Bahnhof entstand ein neues Viertel mit einer feinen Stadtbibliothek. Aber Kultur stört nur, deshalb wurde sie auch von den umgebenden Gebäuden zugebaut. In seiner Sterilität ist das A1-Viertel ein bemerkenswerter Flop in Sachen Stadtplanung. Wohnen im Hochhaus? Und schon steht das nächste Hochhaus davor. Nichts lädt an diesem Viertel zum Besuch ein.

Die Stuttgarter haben es verpasst, den Kopfbahnhof mit seinen 27 Gleisen, wo morgens die Züge auf die Reisenden warten, geschickt zu renovieren, so dass die Stadt mit ihrer so eindrucksvollen geographischen Lage sich vor den Ankommenden wie eine Theaterbühne öffnet. Wir werden da unten noch kaum einmal unseren Lieben hinterherwinken können, zu eng wird das Gedränge sein, nur Hast und Hetze, und überhaupt, wenn Züge dort länger stehen, läuft der süddeutsche Bahntakt aus dem Ruder. Also geht es gleich weiter und die Stuttgarter werden die Touristen vor allem als Bahnhofstouristen sehen, die aussteigen, staunen und wieder einsteigen werden. es geht ja weiter, die schnelle Hatz.

Es geht nur um Geschwindigkeit, Taktzeiten, Ingenieurskunst, Protz und Prunk, aber die Reisenden haben bei S21 noch nie eine Rolle gespielt.

#S21 und die Kosten finanzieller und qualitätsmäßiger Art

Natürlich wird es immer teurer… das ist bei Großprojekten irgendwie normal. Aber bei der > Volksabstimmung 2011 hatte man uns so fest versprochen, dass 4,8 Milliarden reichen würden… Am besten sollte der Schrecken ein sofortiges Ende haben. Man muss ja festhalten, dass die Kostengrenze eines der 21 Argumente für #S21 gewesen ist. Man kann wirklich den Eindruck gewinnen, dass die Bahn und viele der anderen Beteiligten am liebsten nichts mehr von dem Thema hören würden und das ganze Projekt auch nicht noch einmal anfangen würden.

Die stoische Ruhe der Stuttgarter, die die langen Wege im Hauptbahnhof ertragen, überrascht und die ankommenden Gäste der Stadt ziehen ihre Koffer durch einen langen Korridor, um dann die S-Bahn zu suchen. Was waren das noch für Zeiten, als man in der Mitte des Bahnsteiges in den Untergrund zur S-Bahn schlüpfen konnte. Jetzt wird gerade die Fahrkartenausgabe in einem Gebäude am Rande des Bahnhofs versteckt. Und sozialen Beziehungen pflegen, die Lieben zum Hauptbahnhof bringen oder mal eben abholen, wird auf Jahre hinaus erschwert.

Roland Ostertag (1931-2018) beklagte immer zu Recht architektonische Missgriffe, die nur für die Geschwindigkeit da sind, die aber die Menschen nicht berücksichtigen. Seit dem Beginn von #S21 ist der Mensch, der Flaneur, immer nur im Weg, er stört überall, nur Notlösungen wie der Käfigabgang in den Schlossgarten, oder der bereits erwähnte Tunnelgang.

Der Verlust an Aufenthaltsqualität während der Bauarbeiten wird von den Stuttgartern klaglos hingenommen. Ach, behielten wir doch einen schicken Kopfbahnhof, mit einer großzügigen (sogar doppelten) Bahnhofshalle, wie in Leipzig, eine Halle, die sich zur Stadt, zum Tal hin öffnet. Stattdessen werden potentielle Gäste im Untergrund unter den Stuttgarter Bergen im ICE hindurchgejagt und oben hoffen die Stuttgarter unter sich bleiben zu können.

Diese Kosten, die langen Wege, der Krach, die Dauer, der gravierende Verlust an Aufenthaltsqualität sind mit ihren Folgen gar nicht bezifferbar und werden folglich bei den Baukosten nicht mit eingepreist. Wer freut sich eigentlich auf den schiefen unterirdischen Haltepunkt, zu eng und zu unpraktisch? Ach, das ist noch der Flughafen… wird der mit angebunden? Ist das alles schon geplant und genehmigt?

Das hat ein Freund mir tatsächlich geglaubt:

7,6 Mrd. EURO. #S21 – wird hier die Zukunft gebaut oder verbaut?

Jetzt wird #S21 bis 2014 7,6 Mrd. EURO Kosten: Und 2020 wird man uns erzählen 12 Mrd. und dann wird die Bahn 2032 fertig sein wollen?

Aus aktuellem Anlass holen wir diesen Artikel aus der Serie #S21nochmal ganz nach oben:

Aller Widerstand gegen das Mammutprojekt S21 hat nichts genützt. Dachte man noch zu Beginn der Montagsdemonstrationen, dass die Grünen das Problem kritisch sehen würden, was ihnen sogar half, die Schaltstellen des Landes und dieser Stadt zu erobern, tun sie aber schon lange so, als ob sie Volkes Wille nur ausführen würden.


Was sagen die Grünen heute?

Ob das Land dieses Versprechen einhalten wird?


Mit dem Herzen waren die Grünen nie dabei, das dürfte man ihnen vielleicht zugute halten, aber gute Absichten unterliegen politischen Machtinteressen und S21 zu bauen, war vielleicht der einfachere oder überhaupt ein Weg, an der Macht zu bleiben. Wie auch immer, die Geschichte, wie das Projekt beschlossen wurde, ist eine politische Tragödie, denn es wurde hoch und heilig eine Deckelung der Kosten versprochen, 4,6 Milliarden Euro und > unter diesen Voraussetzungen wurden die Bürgern am 27. November 2011 an die Urnen gerufen. Man kennt die Taktik, vor Kaufentscheidungen die Preise herunterzureden, manch ein Telefonanbieter macht das ständig, da steht der niedrige Lockpreis mit einem kleinen Sternchen und dann folgt das Kleingedruckte. „Lesen Sie das Kleingedruckte…,“ hätten die Politik ehrlicherweise sagen müssen und dann vom Bürgen ein „Ja“ statt ein „Nein“ zur Fortsetzung der Bauarbeiten – also gegen das Ausstiegsgesetz – verlangen müssen.

> François Hollande: Zum Stuttgarter Bahnhof gab es eine Volksbefragung… – 14. Juni 201
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Diese Ja/Nein Spiel war pure Trickserei. Nun müssen sich diejenigen, die damals für die Bedingungen der Volksbefragung verantwortlich zeichneten, sagen lassen, sie hätten mit der Demokratie gespielt und die volle Wahrheit verheimlicht. Ein klares Ja zur Frage, wollen Sie, dass der Stuttgarter Hautbahnhof in einen Durchgangsbahnhof umgewandelt wird und dazu 50 km Tunnel unter die Stuttgarter Berge gegraben werden? wurde nie erfragt. Stattdessen politische Macht- und Ränkespiele aber keine Diskussion um die Qualität des Bauprojekts für die gesamte Stuttgarter Stadtplanung. Die Bahn hat hier das Sagen, und die Stadt gibt sich einfallslos oder desinteressiert.

Irgendwie ist das Projekt auch ein eindrucksvolles Zeugnis der Ingenieurskunst. 50-60 km Tunnel unter und durch die Stuttgarter Berge allem Keuper- und ähnlichem Gestein zum Trotz. Kein Zug muss mehr umständlich über ein denkmalgeschütztes Verwerfungsbauwerk in die Stadt zu fahren. Auch das Rausfahren geht viel schneller, einfach nur weiterbrausen. Irgendwie ist das Projekt auch eine Fortsetzung der Idee der autogerechten Stadt, der Beschleunigung, der grenzenlosen Mobilität ohne Sorge um jedwede Ressourcen, die vollkommene > Missachtung des Fußgängers einschließlich der Vernichtung der Räume, wo er sich aufhalten kann. Das gilt ganz besonders heute mitten in der Stadt, wo die Bürger auf Jahre hinaus mit einer Großbaustelle leben müssen, die immer neue Einschränkungen verlangt: was für lange Wege im Bahnhof bis zu den Gleisen! Dazu kommt die Verwahrlosung des aktuellen Hauptbahnhofs, die langen Wege zur S-Bahn….

Stuttgart als eindrucksvoller Nabel der Welt, das aufgrund seiner geographischen Lage sich doch bitteschön etwas bescheidener geben sollte, denn dies ist eine Stadt zum Ankommmen, wer von München nach Basel reist, braucht nicht nach Stuttgart zu kommen, und von Hamburg nach München geht es über Würzburg. Wer von Paris nach Bratislava reist, wird gar nicht mehr merken, wie sein Zug unter Stuttgart durchbraust.

Tunnelbau und Tunnelpflege? Wann wird es den Verantwortlichen endlich dämmern, was künftige Generationen aufwenden müssen, um die Tunnel unter den Stuttgarter Bergen zu pflegen, damit auch künftig die ICEs und TGVs dort fahren können? Aus Sicherheitsgründen werden sie nach einigen Jahren immer langsamer fahren müssen, weil die Erschütterungen und die Belastungen für die Tunnel auf die Dauer einfach zu groß sein werden. Wird ein Tunnel saniert, stockt der Zugverkehr im ganzen Ländle? Darf man vermuten, dass die Betriebskosten die Baukosten um ein Vielfaches übersteigen werden? Je mehr Technik, je mehr Tunnelkilometer, um so mehr werden die Zwischenfälle herausgefordert. Zur Zeit geht bei Rastatt nichts mehr. Und der unterirdische Bahnhof, pardon Haltepunkt ist nicht erweiterbar. Und was für ein Chaos da unten, wenn ein Zug mit falscher Wagenreihung einrollen wird?

Es gab so viele Argumente für S21, alle aus dem letzten Jahrhundert. Irgendwie konnte man schon schwach werden, 21 Gründe standen lange auf einem Plakat. Die Tunnel machen den Menschen zur Ware, zum Objekt, das unter der Stadt möglichst unauffällig durchgeschleust wird. Jede Ästhetik des Reisens wird vernichtet. Kein Sitzen mehr am Fenster, wenn langsam die Felder den ersten Häusern weichen, und allmählich die City erreicht wird. Einladend hätte diese Reise gestaltet werden können, ein Tor in diese Stadt. Jede Ankunft ein Fest im Rahmen der wunderschönen und so einmaligen Topographie dieser Stadt. Bahnreisen in Begleitung wunderbarer Werbung für den Besuch dieser Stadt. Ankommen in einer beeindrucken Glashalle. Aussteigen und in die Stadt weitergehen, anstatt sich erst über Rolltreppen ans Tageslicht bemühen. Natürlich war es ein grober Fehler, den neuen Bahnhof als eine Quartiersinsellösung zu planen und erst später anzufangen, sich über dessen Anschluss an die umliegenden Stadtquartiere zu machen. Die Befürworter von S21 haben diese Überlegungen wohlweißlich vermieden, denn ihre Diskussion wäre sofort das Aus für S21 gewesen, zumindest aus Sicht einer vernünftigen Stadtplanung, ihre Absenz führte zu S21.

Der Buchtipp: R. Ostertag: > NEU: Stuttgart. Zauber der Topographie und Elend der Stadtplanung

S21 – 15.8.2017

Der Schlossgarten ist zerstört, die Umgebung des neuen eingegrabenen Hauptbahnhofs, pardon, Haltepunkts ist völlig ungewiss. Die um liegenden Stadtquartiere sind gar nicht gefragt worden, wie sie auf das S21-Desaser reagieren sollen. Ganz selten liest man fröhliche und erwartungsvolle > Berichte über S21 , meistens geht es nur um Neuen Ärger, Kostensteigerungen und Terminprobleme:

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#S21 – Baustellenbesichtigung am 7. Januar 2017

À propos Feinstaub, blicken wir nach Frankreich:

> Gegen den Feinstaub – für eine l(i)ebenswerte Stadt – 9. Januar 2017 von H. Wittmann


S21-Baustelle Hauptbahnhof im Dezember 2016

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> K21 oder S21?

S21-Baustelle Hauptbahnhof im Dezember 2016

Die Bahn baut in Stuttgart, hat den Mittleren Schloßgarten (N. B. Die Stadt Stuttgart erwähnt S21 gar nicht) zerstört, ein totales Verkehrschaos mit > Slalomspuren angerichtet, die Reisenden müssen immer durch den langen Tunnel zu den Zügen laufen, und jetzt die Bahn wird bei Land und Stadt, der Region Stuttgart sowie dem Flughafen vorstellig und will mehr Geld für ihr Bauwerk haben. Hat man uns nicht vorher versprochen, bei 4,8 Mrd. sei Schluss? Und bei der Volksbefragung zum Ausstiegssgesetz stand diese Summme auch im Raum. Also ist die ganze Debatte mit der Befragung und dem Ablehnung des Ausstiegsgestzes jetzt Makulatur, ganz einfach, weil die Tatsachen und die Entscheidungsgrundlagen nicht stimmten? Ende nach oben offen? Auf dass das Land hart bleibt, es gibt ja noch nicht mal eine Abschlussrechnung. Will die Bahn jetzt einen Vorschuss bekommen? Auf die unendlichen Kostensteigerungen?

Gehen wir mal um die Baustelle herum. Einstmals sprachen 21 Gründe für den Bau, aber diese Schilder sind aus dem Bahnhofsbereich verschwunden. Wie war das noch mit der > Volksbefragung? Schneller fahren, lautete das Hauptargument der Befürworter von S21. Das gilt aber nur für die Reisenden, die im Dunkeln unter der > wunderbaren Topographie dieser Stadt durchsausen. Wenn sie nach Stuttgart reisen wollen oder von dieser Stadt aus losfahren wollen, ist es total egal, ob es einen Durchgangshaltepunkt mit einer > Neigung von 6 Metern auf 400 m oder einen Sackbahnhof wie heute gibt. Nein, ganz egal ist es nicht. Kaffeetrinken im Hauptbahnhof und dann zum Zug schlendern, der schon bereit steht, zusammen mit 10 oder 12 oder noch mehr anderen Zügen, die auf ihre Reisenden warten, damit ist es mit S21 vorbei. 2026 oder später muss man sich in die Tiefe quälen, den richtigen Bahnsteig suchen, alles wird enger, besonders wenn ihnen die Pendler von unten entgegenströmen, und die Zeitersparnis geht gegen Null, dann die Tunnelfahrt raus aus der Stadt. Nach Ulm über die Neubaustrecke durch die Alb geht es dann ein bisschen schneller als heute, dadurch steigt natürlich die Reisequalität ganz erheblich.

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Fotos: © Heiner Wittmann, 2016.

> Chronologie der Kosten-Explosion bei S21 – SWR-Fernsehen

K21 oder S21?

Ein Foto genügt als Argument für den Kopfbahnhof:

Hier fehlen sogar die Nummern 1, 15 und 16.

Morgens eine Zeitung kaufen, meinetwegen einen to-go-Kaffee und eine Brezel erwerben, zum Gleis schlendern, einsteigen, und dann geht es los. Das habe ich immer genossen. Heute wird das Vergnügen durch die langen Anmarschwege zu den Gleisen getrübt.

Aber wenn der schicke, neue Untergrundbahnhof Bratislava und Paris geschickt und schnell verbindet, wird man sich unten auf den Bahnsteigen drängeln, besonders bei Verspätungen, was für ein Gedränge und Geschiebe. Guckt man hinauf oder hinunter? Etwa 400 m werden die Bahnsteige da unten lang sein, und das eine Ende wird je nach Blickrichtung sechs Meter höher oder tieferliegen. Also rauf- oder runterrennen, wenn der einfahrende Zug mit umgekehrter Wagenreihung ankommt. Das ist heute auch so, aber gemütlicher, weil sich die Reisende auf 16 Gleise verteilen.

> Gutachter warnt vor Unfallrisiken im geplanten Tiefbahnhof – SZ

S21 – Was sieht man rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof?

S21. Das ist zuerst die Zerstörung des Oberen Schloßgartens, lange Wege für die Reisenden der Bahn, nur sehr wenige Parkplätze am HBF, um die Lieben abzuhoen oder zum Zug zu begleiten, die Vernichtuung des urbanen Lebens zumindest bis zru fertigstellung von S21 2021 oder 2025. Freude über das Reisenprojekt will nicht so recht aufkommen. Und die Kosten? Die Bahn verspricht im Plan – 6,5 Mrd. Euro – zu sein, will dann aber doch eine Kostenanalyse in Auftrag geben, sicher scheint sie sich nicht zu sein. Schon winkt der Bundesrechnungshof mit seiner Kostenrechunng. Bis zur Fertigstellung schleppen oder ziehen wir unsere Koffer weiter auf umständlichen und langen Wegen zu den Zügen, Wege, die die Verantwortlichen für dieses Chaos nie gehen werden.

Bitte öffnen Sie das folgende Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto erste, wenn diese Seite ganz geladen ist:

S21- Baustelle Hauptbahnhof

Am vergangenen Sonntagabend standen so gegen 19 Uhr mindestens neun Züge im Stuttgarter Kopfbahnhof und warteten auf ihre Abfahrtszeit. Zu Gesicht bekam man die Reisenden die Züge erst, nachdem sie durch den neuen Fußgängertunnel gelaufen waren. Was für lange Wege. Man betritt die Bahnhofshalle im Nordbereich, erst geht es durch die ganze Halle durch, um den neuen Einschlupf für die Fußgänger suchen, an riesigen Werbeplakaten vorbeimarschieren mit allen anderen, die auch ihre Koffer ziehen, dann wieder Richtung Gleis 4 laufen. Wie lange geht das noch so? 10 oder 12 Jahre?

Da stehen also nun die neun Züge, warten auf die Reisenden, die bequem einsteigen können, dann wird der Zug losfahren. Wie das wohl sein wird, wenn die im Untergrund hintereinander einfahren, halten und weiterfahren müssen? Dann werden die Züge wohl kaum noch die Reisenden erwarten können, die müssen dann am richtigen Punkt stehen, come in time, heißt es dann, einsteigen und los gehts, sonst kommt im Südwesten alles ins Stocken. Der Mensch wird zur Maschine werden. Die Maschine wird uns nicht mehr dienen, wir werden den Maschinen, dem Sekundentakt und der Geschwindigkeit erbarmungslos unterworfen sein. Kein Flanieren mehr in der Bahnhofshalle, eine Zeitung in Sichtweise der Lokomotive kaufen, 20 Schritte bis zum Zug. Das ist dann längst vorbei. Nein, der neue Untergrundbahnhof fordert Schnelligkeit, fix auf die Rolltreppe, runter… die vielen Reisenden, die sich am Sonntagabend durch den Fußgängertunnel quälten, um zu den Zügen zu gelangen, werden sich auf den Rolltreppen und dann auf den wenigen Bahnsteigen im neuen Untergrund bestimmt schon irgendwie verteilen. Umgekehrte Wagenreihenfolge, sicherlich werden die Bahnsteige breit genug sein, damit das Hin- und Hergerenne gut funktionieren wird. A propos Untergrundbahnhof, das wird doch nur ein Haltepunkt, denn die Neigung des Bahnsteiges „gut 400 Meter langen Gleise und Bahnsteige einen Höhenunterschied von mehr als sechs Metern (15 Promille)“ Quelle: > Gutachter warnt vor Unfallrisiken im geplanten Tiefbahnhof – SZ 5.10.2014 ist zu groß für einen Bahnhof.

Das > Eisenbahn-Bundesamt EBA wacht über den Bau. Und das lassen sich die Stuttgarter gefallen? Eine Behörde, die ganz offenkundig nichts mit Stadtplanung zu tun hat, prüft die Anträge der Bahn und genehmigt Bauabschnitte? Das ist eine absurde Situation, die keine Stadt, die sich für ihre > Stadtplanung interessiert, dulden dürfte.

Verantwortung für S21

S21. Es ist noch nicht aller Tage Abend, oder es ist gar nicht so sicher, dass die Tunnelbauer, in den diversen Abschnitten immer wieder das Tageslicht oder nicht doch plötzlich das Ende des Tunnels und damit des ganzen Projekts sehen werden. Jetzt hat der stellvertretende Bahnchef Volker Kefer bekanntgegeben, dass er ab September nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Einer der Befürworter und damit auch Initiatoren des Projekts gibt auf. Damit hat auch die offizielle Suche nach den Schuldigen für das Finanzdesaster um S21 begonnen.

Die Geschichte von S21 ist schon nicht mehr ganz einfach zu erzählen, zu verworren ist der Mix von Verantwortungen, schon klingen erste Schuldzuweisungen an, hier und da hört man von involvierten Stellen, wir zahlen nix. ntv erinnerte am 15.6.2016 unter der Überschrift > Grubes Zukunft als Bahnchef ungewiss an das vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn am 15. März angeforderte externe Gutachten. Ist die Bahn nicht selbst in der Lage, den Stand des Baus von S21 und die weitere Planung öffentlich dazulegen? ntv zitiert das Aufsichtsratsmitglied der Bahn Klaus-Dieter Hommel: „Wir wollen keine weiteren Überraschungen bei den Kosten und beim Zeitplan erleben.“ Das sieht danach aus, als wolle man die Verantwortung abschieben, sozusagen an ein Gutachterbüro verkaufen und sich aus der Affäre ziehen. Man wolle im September wissen, schreibt ntv, laut Hommel solle „auch festgestellt werden,“ ob der bisherige Finanzierungsrahmen von 6,5 Milliarden Euro ausreiche. Feststellen, klingt nach beschließen, und dann wäre S21 weiterhin eine Hängepartie, denn alle Unwägbarkeiten von Keuper, Brandschutz, über noch ausstehende Baugenehmigungen bis zur längere Bauzeit lassen wohl nur Schätzungen der endgültigen Bausummme zu. Da wird auch heute kein Gutachterbüro helfen, an das man die Verantwortung für S21 verkauft hat. Dem Vernehmen nach will der Bund auch nichts zuschießen, das Land Baden-Württemberg sowieso nicht, aber letztendlich der Steuerzahler wird schon zahlen, weil die Bahn mehr Geld braucht und die Fahrpreise werden immer weiter steigen.

S21 ist heute ein veraltetes Bauprojekt aus dem letzten Jahrhundert. Unser grüner Bürgermeister Fritz Kuhn will das Projekt unbedingt weiterhin unterstützen. > Hatten die Grünen ihre Wahlerfolge nicht der Opposition gegen S21 zu verdanken? Will man sich die Pläne der Bahn wirklich gefallen lassen? Sie in unserer Stadt bauen zu lassen? Man schleust die Fahrgäste schnell unter der Stadt durch auf der Reise von Paris nach Bratislava.

Stuttgart wird zum Knotenpunkt ausgebaut, soll eine Durchreisestadt werden, anstatt, so wie es ihre wunderbare topographische Lage ihr vorgibt, eine Ankunftsstadt zu bleiben, die einen prächtigen Empfangsbahnhof verdient hat, von dem man nach der Ankunft ebenerdig in die Stadt weiterschreiten kann. Auch wenn der neue tiefgelegte Haltepunkt auf den Illustrationen gut aussieht, als Quartierbebauung bleibt er eine Insellösung, da die benachbarten Quartiere mit ihm nicht zu tun haben wollen. Die Planung reicht bis zum Bahnhofsrand. Eine Gesamtkonzept für die Innenstadt gibt es nicht.

Seit fünf Jahren klagen wir über die > Kronprinzenstraße, sie ist ein Beleg dafür, wie die Innenstadt verkommt, weil man woanders Unnützes baut:
> Warum wird die Kronprinzenstraße keine echte Fußgängerzone?

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