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Archiv für die Kategorie 'Politik'

Die Zukunft der Geisteswissenschaften in Stuttgart

Mittwoch, 1. Juli 2009

Sonderveranstaltung im > Stuttgarter Literaturhaus

Impulsreferat: Elisabeth Walther-Bense

Podiumsdiskussion: Susanne Eisenmann, Philipp Haußmann, Joachim Kalka,
Horst Thomé

Moderation: Dietrich Heißenbüttel

Mittwoch, 15. Juli, 20 Uhr

Nach den jüngst publik gewordenen Plänen zur Exzellenzinitiative der Universität Stuttgart macht sich Sorge um das geisteswissenschaftliche Profil der Universität und der Stadt breit. Über die Zukunft der Geisteswissenschaften in Stuttgart diskutieren aus diesem Anlass die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann, die im Fachbereich Philosophie der Uni Stuttgart über Johann Geiler von Kaysersberg promovierte, der neue Vorstandsvorsitzende der Ernst Klett AG Philipp Haußmann, studierter Romanist und Jurist, der Stuttgarter FAZ-Kritiker, Übersetzer und Publizist Joachim Kalka, von dem zuletzt Hoch unten. Das Triviale in der Hochkultur erschien, sowie Horst Thomé, Professor an der Universität Stuttgart im Bereich Neuere Deutsche Literatur und Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät. Ausgangspunkt des Gesprächs wird ein Referat von Elisabeth Walther-Bense sein, die aus langjähriger Erfahrung weiß, was heute auf dem Spiel steht, und berichten kann, wie schwierig der Weg von der Technischen Hochschule Stuttgart zu einer Universität war. Elisabeth Walther-Bense promovierte 1950 und habilitierte sich 1962 an der TH Stuttgart und war lange Jahre Professorin an der Universität Stuttgart, seit 1990 Leiterin der Forschungsgruppe für Semiotik. Gemeinsam mit Max Bense, mit dem sie seit 1988 verheirat war, war sie verantwortlich für die Zeitschrift augenblick, die Reihe rot sowie die Internationale Zeitschrift für Semiotik und Ästhetik Semiosis. Den Abend moderiert der Journalist und Kunstkritiker Dietrich Heißenbüttel, zur Zeit Lehrbeauftragter am Institut für Kunstgeschichte.

Eintritt: € 8,-/6,-/4,-

Stuttgart – das neue Herz Europas
und die Geisteswissenschaften

Donnerstag, 4. Juni 2009

Wieder einmal gibt es an der Stuttgarter Universität einen Versuch, die Geisteswissenschaften abzubauen. Medienberichten zufolge sind die Alte Geschichte, Mittlere Geschichte, Kunstgeschichte, Romanistik und Anglistik sowie mit fünf Professuren die Betriebswirtschaftslehre (BWL) und die Volkswirtschaftslehre (VWL) betroffen. Das Rektorat der Universität will 16 Professuren aus den Geistes- und Wirtschaftswissenschaften und acht Professuren aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften streichen, wie Rektor Wolfram Ressel, dies auf einer Pressekonferenz am 4. Juni ankündigte. “Masterplan” heißt das Vorhaben und soll das naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Profil der Stuttgarter Uni als Forschungsuniversität schärfen. Laut der Stuttgarter Zeitung sollen die Lehramtsstudienplätze erhalten bleiben, es wird aber von “Arrondierungen” gesprochen. Dazu passt es, dass man versuchte, die Streichpläne erst einmal geheim zu halten, wohl um auszuloten, wie weit man gehen kann, bevor die Proteste beginnen. Schon wird von der Exzellenzinitiative II gesprochen, an der die Uni teilnehmen möchte.

> Uni Stuttgart schränkt Geisteswissenschaften ein, SWR, 4. Juni 2009:

Der SWR berichtet, die 50 Studenten, die die Pressekonferenz stürmten, hätten “Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut” gerufen

Ohne eine Stärkung der Geisteswissenschaften, ohne eine Exzellenzinitiative auch in den Geisteswissenschaften, die die Landeshauptstadt dringend benötigt, bleibt das neue Herz Europas hohl und blutleer. Der Versuch, die Geisteswissenschaften zu beschneiden, ihre Bedeutung herunterzuspielen, ihnen das Gefühl zu geben, dass ihre Reste lediglich geduldet werden, anstatt sie als das notwendige Fundament in ganz besonderer Weise zu fördern, nimmt allen neuen Exzellenzinitiativen jede Glaubwürdigkeit.

Die Einführung der Studiengebühren, die Verknappung der Lehre und der Versuch, die Geisteswissenschaften wieder einmal zu beschneiden und gleichzeitig an die Spitze rücken zu wollen, das passt alles nicht zusammen.

Die Universität begibt sich auf den falschen Weg. Die Aufwertung der Geisteswissenschaften und die Intensivierung ihrer Verbindungen mit allen anderen Disziplinen sollten auf der Tagesordnung stehen. Dann ergibt sich Exzellenz ganz von selbst und muss nicht auf dem Weg über Kahlschläge und Enttäuschungen mühsam neu definiert werde.

Es wird schon nicht so schlimm kommen? Nur die Neuere Geschichte soll bestehen bleiben? Und der Rest? Und die Romanistik? Sie soll wieder hier einmal abgeschafft werden? Und die Anglistik? Die Kunstgeschichte? Hoffentlich haben ihre Abschaffer in dem Potential dieser Fächer sich noch einmal nur geirrt. Die > Romanistik reicht von Machiaveilli bis Sartre und an beiden Enden weit darüber hinaus. Ihre Absolventen bekommen mit Linguistik, Literatur und Kulturwissenschaften einen so weitreichenden Horizont mit auf den Weg, der sie schon während des Studiums befähigt, sich gegen eine Unterbewertung ihres Faches zu wehren. Im übrigen steht auch der internationale Ruf der Stadt auf dem Spiel. Man möchte doch hier so gerne zum Herz Europas werden. Dieses Ziel lässt sich aber nicht durch Bauwerke und Tunnel erreichen, die Stadt muss auch intellektuell ein Magnet werden. Die Reduzierung der Geisteswissenschaften bewirkt das Gegenteil.

> Strukturreform an der Uni