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Eine neues Stadtquartier oder eine Insellösung?

16. April 2012 von H. Wittmann

Heute schippen, morgen shoppen, lautet das Motto für die Baugrube des künfigen Gerber-Viertel. Vielleicht kann Stadtteilsanierung nur so vor sich gehen, Abriss und Neubau. Aber man darf doch mal nach dem Konzept fragen. Die Baugrube hat riesige Ausmaße. Ein Shopping-Center und Wohnungen werden dem Passanten versprochen und auf dem Bauzaun sieht man auch das Versprechen, Stuttgart wachse hier zusammen. Werfen wir mal einen Blick in die Baugrube. Da muss man sich schon kräftig recken, denn nur an wenigen Stellen erlaubt der Bauzaun einen Blick auf das Geschehen, ganz so, als wenn in einigen Monaten das herauswachsenden Einkaufszentrum uns alle überraschen will:

Im Hintergrund sieht man die Barriere, die dieses Baugrundstück vom Nachbarstück abriegelt: die Paulinenbrücke ist für Fußgänger unüberquerbar:

Vielleicht entsteht unter der > Paulinenbrücke eine Parklandschaft, die für Fußgänger den Übergang zum Caleido angenehm verschönt? Vielleicht will der Bauherr des Caleido auch nur alle Kunden in seinem Einkaufszentrum behalten und ist deshalb so froh dass die überdimensionierte Panzersperre Paulinenbrücke nun wie für die Ewigkeit gebaut erscheint, wie er auch dankbar ist, dass die Brücke nicht abgerissen wurde. Alles für das Auto und für die Fußgänger das Einkaufszentrum. Der Bedarf für die gigantischen Schopping-Zentren zu beiden Seiten der City, hier das Gerber, dort S21, orientiert sich nicht an einer Konzeption für die Stuttgarter Innenstadt, die kann sehen wo sie bleibt – nochmal als Wiederholung -,

sondern nur und ausschließlich an den Regaldrehzeiten. Wer ein Fachgeschäft in der City hat, muss doch an dieser Stadt verzweifeln. Natürlich ist alles vorher diskutiert worden und die Gremien haben beraten. Es wurde auch viel gewarnt und gelobt: > Georg Franck, Die urbane Allmende. Eine Pflichtlektüre für die Stuttgarter Aber mit Bauprojekten ist es immer so. Erst wenn sie aus dem Boden wachsen, kann man sich wirklich vorstellen, was da passiert. Pläne und schöne Skizzen regen die Phantasie der Bürger nicht so sehr an. Hätte die Stadt in der City ein Modell in repräsentativer Lage, auf dem die Neubauten und ihr Zusammenhang im Rahmen einer Ausstellung visualisiert würden, käme vielleicht in der Stadt endlich eine öffentliche Diskussion über die Stadtentwicklung im größeren Maßstab in Gange. Derweilen bleibt nur der Gang zur Ausstellung im Gäkopf.

Unverrückbar wird die Paulinenbrücke zwischen Caleido und Gerber eingemauert:


Österreichischer Platz, © Manfred Storck. Mehr Luftbilder: Kissinger Straße 60, 70372 Stuttgart. E-Mail: storck.manfred@t-online.de.

Ganz so als wenn nur die Autos mit großen Kofferräumen zum Shopping-Cener fahren sollen. Eine Reparatur der – man kann sagen – drei Stadtquartiere, die die Stadtautobahn trennt, findet nicht statt. Man hat sich für die schnellste Lösung zugunsten des Kommerzes aber nicht zugunsten der Stadtqualität entschieden.

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