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Architektur im Stuttgarter Literaturhaus
Von der Missachtung des Denkmalschutzes unserer kulturellen Vergangenheit und Zukunft

21. März 2009 von H. Wittmann

Am 20. März 2009 fand im Stuttgarter Literaturhaus zusammen mit dem Architekturforum eine Veranstaltung statt, zu der Roland Ostertag Professor Gottfried Kiesow, den ehemaligen Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege des Landes Hessens, Ehrenbürger vieler Städte und Vorstandsvorsitzender > Der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eingeladen hatte.

Wenn den Seitenflügel des Hauptbahnhofs etwas angetan wird, will Professor Kiesow kommen und sich dort anketten. Hören Sie seinen Vortrag und die ansschließende Diskussion.

Sie können hier die > Einführung und den > Vortrag und die Diskussion hören.

Roland OstertagRoland Ostertag begrüßte den Gast des Abends. Dabei erinnerte an die vielen Problemfälle der Stadt, an den „Abrissfuror“ in der Stadt, das alte Haus des Kunstvereins, das Kaufhaus Schocken, die Akademie hinter dem Schloss, die Ruine des Rathauses, Teile des Hospitalviertels, der Rosensteinpark, die Bedrohung des Hauptbahnhofs, die mühsame und noch nicht gesicherte Rettung der Ruine des Lusthauses im Mittleren Schlossgarten, an den Abriss der Häuser an der Willi-Brand-Strasse. Besonders Eingriffe musste der Stadtgrundriss erleiden, den Ostertag als das „Lesebuch“ einer Stadt bezeichnet.

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ca. 6 Minuten

Gottfried KiesowIn seinem Vortrag erläuterte Professor Gottfried Kiesow historische und kulturelle Grundlagen des Denkmalschutzes in Deutschland.

Besonders für die Stuttgarter, die mit ihrer Stadt nicht besonders behutsam umgehen, hat dieser Vortrag eine große Bedeutung. Immer wieder müssen neue Initiativen gegründet werden, weil die Abrissbagger schon unterwegs sind, manchmal gleich zu dritt im Morgengrauen anrücken, um eben mal Platz zu schaffen.

Jetzt stehen > die Seitenflügel des von Bonatz erbauten Stuttgarter Hauptbahnhof möglicherweise zur Disposition, wenn S 21 wirklich realisiert werden sollte.

> Hauptbahnhof Stuttgart, S21, PA 1.1 – Bauüberwachung Gleisvorfeld und Bahnsteigverkürzung

Eines Morgens werden die Stuttgarter plötzlich Baulärm hören:

Ein einzigartiges Ensemble mit dem Gleisvorfeld würde zerstört werden, wenn der Bahnhof um 90 Grad gedreht und unter dem Fußboden des heutigen Bahnhofs und teilweise unter dem Schlossgarten eingegraben würde.

In dieser Situation kommt Gottfried Kiesow und erinnert die Zuhörer im Literaturhaus und damit auch die Stuttgarter an die kulturellen und juristischen Regeln, aber auch an die Chancen, Aufgaben und Pflichten des Denkmalschutzes. Was kann man tun, wurde er im Verlauf der Diskussion (hier in etwas gekürzter Form zum Nochmal-Anhören) gefragt, in der den Stuttgartern einige wichtige Ratschläge gab.

Der Vortrag von Professor Gottfried Kiesow:

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Auszüge aus der anschließenden Diskussion. Zuerst kommt die Frage eines Besuchers:

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Aus der Programmankündigung:

„Während in der Bevölkerung der Denkmalschutzgedanke stark verankert ist, hat er in der Politik vor allem der Länder und mancher Kommunen einen geringen Stellenwert. Rund 170.000 Förderer der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ haben bisher mehrere Millionen Euro gestiftet. 2008 sogar mehr als 2007, rund 14 Millionen Euro. Am Tag des offenen Denkmals 2008 haben rund 4 Millionen Bundesbürger Kulturdenkmäler, besonders solche, die sonst nicht zugänglich sind, besichtigt. Das Institut Allensbach hat bei seinen Befragungen festgestellt, dass über 60 % den Denkmalschutz für sehr wichtig halten. Während die Länder ihre Etats für den Denkmalschutz drastisch gekürzt haben, hat der Bund seine Aufwendungen verstärkt, obwohl die Länder ihn unter Hinweis auf ihre Kulturhoheit ständig daran hindern wollen. Zum Bundesprogramm der Bundesregierung gehören 150 Millionen Euro für Stätten der Weltkultur auf der UNESCO-Liste und dreimal 40 Millionen im Etat des Staatsministers für Kultur und Medien im Kanzleramt für Baudenkmäler, ferner die Ausdehnung des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz auf die westlichen Bundesländer.“

S 21 bedroht die ehemalige Bundesbahndirektion, von der bis auf die Vorderfront, alle Gebäudeteile weichen müssen:

Das ehemalige Hotel Silber, Sitz der Gestapo, ist durch das DaVinci-Projekt bedroht:

Die Stuttgarter haben noch nicht vergessen, wie die Häuser an der Willy-Brandt-Strasse gleich mit mehreren Baggern in 6 Stunden zerstört wurden.

Ein Lichtblick ist die Ruine des Lusthauses, der jetzt endlich – aber erst nach lautstarkem Protest – amtliche Aufmerksamkeit zukommt:

Betrachtet man sich aber die Seitenflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs müssen sich die Stuttgarter fragen lassen, ob sie die Amputation dieses Bahnhofs wirklich zulassen wollen?

4 Kommentare zu “Architektur im Stuttgarter Literaturhaus
Von der Missachtung des Denkmalschutzes unserer kulturellen Vergangenheit und Zukunft”

  1. Stadtreparatur:Die Hauptstätter Straße in Stuttgart - www.stuttgart-fotos.de
    12. April 2009 22:40
    1

    […] Für S 21 nur das Nötigste, Ausbau der Srecke über oder durch die Alb, > Respektierung des Denkmalschutzes, ein Überdenken des Bullaugenbahnhofs im Schlossgarten – kein Bürger in keiner anderen Stadt […]

  2. Gablenberger-Klaus-Blog » Blog Archiv » Baustelle des Ministeriums-Neubaus an der Willy-Brandt-Straße
    21. September 2009 20:16
    2

    […] zum Neubau: stuttgart/ Neubau Meinungen: stuttgart-fotos/architektur-im-stuttgarter-literaturhausvon-der-missachtung-des-denkmalschutzes-unse… und Bilder vom Abriss von-zeit-zu-zeit/Neckarstraße: Am Tag, als der Bagger […]

  3. Der Fall Silber. Ein Skandal - www.stuttgart-fotos.de
    17. Februar 2011 18:41
    3

    […] wohin? > Wie sozial sind soziale Netzwerke? > Wozu brauchtman Bauzäune? > Romanik und Porsche > Denkmalschutz > 14 Spuren sind zuviel Die Neue Mitte Ulm > Kann man einen Stadtteil aus der Retorte schaffen? > […]

  4. Stuttgart und seine Geschichte (II)Im Eiermann Saal der Villa Berg - www.stuttgart-fotos.de
    28. Oktober 2014 11:31
    4

    […] wohin? > Wie sozial sind soziale Netzwerke? > Wozu brauchtman Bauzäune? > Romanik und Porsche > Denkmalschutz > 14 Spuren sind zuviel Die Neue Mitte Ulm > Kann man einen Stadtteil aus der Retorte schaffen? > […]

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