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Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (IV)

25. November 2007 von H. Wittmann

Die folgenden vier Beiträge sind eine Kurzfassung des Vortrags am letzten Samstag auf dem > Barcamp in Mannheim, auf der Robert Basic und ich gefragt haben, Wie sozial sind soziale Netzwerke?. dieser Beitrag war als Eröffnung der Diskussion gedacht, die sehr kontrovers geführt wurde, aber auch den Nutzen sozialer Netzwerke erkennen ließ.

> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I)
> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (II)
> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (III)
> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (IV)

Bloggemäß steht der neueste Beitrag (also (IV) hier zuerst. Also am besten einfach runterscrollen oder hier klicken, um mit > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I) anfangen.

In sozialen Netzwerken wie > Facebook gibt es keine Hierarchie, es sei denn die Anzahl der Kontakte würde etwas über die soziale Stellung aussagen. Sie spiegelt zuerst die Stunden wieder, die der Vielbekannte schon auf dieser Plattform verbracht hat. Keiner geht über einen öffentlichen Platz und begrüßt jedem mit Handschlag, weil er alle, die an ihm vorübereilen kennt. Leider wird der Vielbekannte zu einem Objekt, für das eine Stimme abgegeben wird.

Sennet stellt die Frage und verneint sie ausdrücklich, daß eine Gesellschaft aufgrund intimer Kenntnisse keine Gemeinschaft errichten kann. ((Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität, engl. The Fall of Public Man, Frankfurt/M. 1983, S. 333) Auf die sozialen Netzwerke übertragen, bedeutet dies ,daß aufgrund der Kenntnisse von Profilen kein Netzwerk entstehen kann, weil die nachhaltige Gegenseitigkeit nicht impliziert wird. Was hier im kleinen Rahmen angedeutet wird, kann auf den Städtebau und die Stadtplanung übertragen werden. Demnächst bietet sich wieder in Stuttgart dazu ein Musterbeispiel an. Das Freiräumen der Gleisanlagen, die Drehung des Bahnhofs um 90 Grad und der Bau eines neuen Stadtviertels auf dem Gebiet der vielen Gleise, die heute in einem Kopfbahnhof enden, wird als Stuttgart 21 ausgerufen. Aus dem ehemaligen Gleisbereich soll Geschäftshäuser und Wohnungen sowie die Bibliothek des 21. Jahrhunderts emporwachsen.

Einige Bilder aus den Anfangstagen um 2003 der Bebauung hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof:


Kann man einen Stadtteil aus der Retorte schaffen? Die Stadtplaner zeigen sich davon überzeugt Man erhofft sich für den neuen Stadtteil eine Sogwirkung, der seine Umgegend mitreißen wird, denn die Größe des Geländes macht es zu einem Objekt der Stadtplanung, auch wenn es nur eine Stadtteilplanung ist. Die Dosierung der Funktionen in diesem neuen Stadtteil wird über seinen Erfolg entscheiden. Welche Einflüsse kommen von außen? Welche Funktionen werden dort gebündelt? Ohne Zweifel sind sich die Stadtplaner ihrer Verantwortung bewußt, denn sie wissen, daß es nicht genügt, die Häuser zu bauen, sie bauen in wahrstem Sinne der Sache an der gesellschaftlichen Struktur des neuen Stadtteils. Seine Chancen werden in Stein gehauen und erwiesen sich vielleicht erst nach der Einweihung als tragfähig, wirklich eine städtische Gesellschaft zu begründen.

Die Art und Weise, wie die Wege der Menschen durch das neue Häuserensemble gestaltet werden, nicht die Architektur der Häuser, sondern die Funktionen der einzelnen Gebäude entscheiden darüber wie die Gesellschaft sich gestalten kann. Die Bibliothek des 21. Jahrhunderts inmitten des neuen Stadtteils wird dem Vernehmen nach von einem Wassergraben umgeben sein. Möglicherweise wird sie nur durch eine Tür auf einer Seite, die der Innenstadt zugewandt sein wird, zu betreten sein. Sowie die Anordnung der Funktionen über das Wohl und Weh des Arbeitens und des Wohlfühlens in diesem neuen Stadtteil und in einem kleineren Rahm in der neuen Bibliothek entscheiden wird, so sind diese Perspektiven und soziologischen Erkenntnisse aus dem Städtebau auch auf die Regeln und Funktionen in sozialen Netzwerken die Erfolgsbedingungen für das Entstehen der Gesellschaft ausmachen zu übertragen.

Stadtplanung und soziale Netzwerke unterscheiden sich nur kaum voneinander. Und diese Bedingungen werden von denen gemacht, die für die Zurverfügungstellung der Hülle Geld bekommen. Das regelmäßige Bezahlen der eigenen Bekanntmachung wie die des Frisörs oder der monatlichen Gasrechnung ist noch sehr gewöhnungsbedürftig. Für manche ist dieser Betrag gar eine Art Existenzsteuer.

Zum ersten Beitrag der Serie > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0

Ergänzung:
Kai Biermann,> Vernetzen kann verletzen, DIE ZEIT, 21.10.2008

6 Kommentare zu “Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (IV)”

  1. Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (III) - www.stuttgart-fotos.de
    26. November 2007 00:45
    1

    […] > Stadtplanung und soziale Netzwreke (IV) […]

  2. Basic Thinking Blog | Barcamp Rhein-Neckar (Mannheim)
    26. November 2007 11:34
    2

    […] Zu den Sessions, Blog-Artikel, die ich bisher so finden konnte: Heiner Wittmann hat zum Thema “Wie sozial sind Social Networks” (mit ihm zusammen die Session gehalten) einen spannenden Vergleich zur Stadtplanung gezogen, interessanter Denkansatz: – Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I), II, III, IV […]

  3. Infonautiker
    27. November 2007 17:41
    3

    Soziale Netzwerke Stadtplanung :: Eine interessante Analogie!

    Allerdings bieten virtuelle Netzwerke und deren Plattformen den Vorteil, dass diese deutlich mehr Freiheiten für Experimente haben.

    Eine digitale Plattform lässt sich schnell umbauen, wenn sich Planungen als falsch herausstellen. Bei einer Stadt aus Beton ist dies nicht möglich.

    Wie wäre es mit folgender Fortführung der beschriebenen Analogie:

    Durch eine Vorabumsetzung einer Stadtplanung in einer virtuellen 3D-Welt könnten im Vorfeld die angedachten Ströme und Aktivitäten der Menschen überprüft werden …

  4. Web 2.0 und soziale Netzwerke - www.stuttgart-fotos.de
    5. Januar 2010 09:17
    4

    […] > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I) > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (II) > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (III) > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (IV) […]

  5. Winterhuder, Hans
    13. Mai 2015 01:33
    5

    Stadtteil aus der Retorte? Nein, die Hafencity Hamburg zeigt, dass das nicht wirklich geht. Ich hab da 6 Jahre gewohnt. Da wurde eben auch das Stadtteilleben „gestaltet“. Und da war nach Büroschluß Ende mit. Und weil verwaltet und nicht gewachsen, gabs schon mit der zweiten Meinung ein Problem und damit kein Stadtteilleben mehr. Zu viele Vermietungsobjekte an Teilzeitbewohner tun das seine dazu, daß Retortenstadtteil nicht geht.

    Bin nach Winterhude gezogen. Altmodischer Stadtteil, … funktioniert noch ganz gut.

  6. Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (II) - www.stuttgart-fotos.de
    9. Januar 2017 21:55
    6

    […] Bauzäune? > Romanik und Porsche > Denkmalschutz > 14 Spuren sind zuviel Die Neue Mitte Ulm > Kann man einen Stadtteil aus der Retorte schaffen? > Bankrecht, Finanzdienstleister und Verbandsrecht > Gibt es eine Platzkultur in […]

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