Durchgelesen: Das Lexikon der sperrigen Wörter

Als am 23. Oktober > Christophe Marchand-Kiss seinen Artikel > Encombrant aus dem dem jüngst in der Reihe Literatur der Akademie Schloß Solitude erschienenem > im Literaturhaus Stuttgart vorlas und als dabei das Vorwort der Brüder Grimm zu ihrem Wörterbuch – die Zettel, die wie Schneeflocken auf den Tisch herabrieseln – gelobt wurde, kam ich auf die Idee über meine > Zettelkästchen etwas zu schreiben.

Aus Anlaß ihres zwanzigjährigen Jubiläums hat die Akademie Schloss Solitude in Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart 140 Autoren (Stipendiaten, Juroren, Mitarbeiter und Gäste der Akademie) gebeten, über ein »sperriges« Wort in ihrer Muttersprache zu schreiben und dabei eine Gattung ihrer Wahl zu nutzen: in Gestalt einer Definition, einer Geschichte oder eines Essays, als Prosa, dramatischer Text oder in Gedichtform. »Sperrige« Wörtern sind Wörter, die sich nicht leicht erklären lassen, die Widerstand leisten, die unverständlich, widersprüchlich oder unübersetzbar sind. Das Lexikon versammelt 193 Beiträge (Originalsprache und in deutscher Übersetzung ) in 13 Sprache. Die Schweizer Künstlerin Sandra Boeschenstein bereichert das Lexikon mit Zeichnungen zu 20 von ihr ausgewählten Begriffen.

Nun trage ich ich auch seit ein paar Tagen das > Lexikon der sperrigen Wörter mit mir herum. Und es ist das Allerbeste, was Sie auf ihre nächsten S-Bahn-Reisen mitnehmen können. Wenn wir jetzt in einem Café zusammensitzen würden, würde ich einfach mal bei A anfangen vorzulesen. So wie > Christophe Marchand-Kiss seine Eintrag Encombrant im Literaturhaus vorgelesen hat. Stattdessen schreibe ich hier einfach mal auf – in alphabetischer Reihenfolge – welche der Einträge bereits zu meinen Lieblingsartikeln geworden sind: Artiste/Künstler (Martin Page), Bilderflut (Jan Altmann), Bürgerbegehren (Ulrike Syha), Conation (George Tony Stoll), > Encombrant/Sperrig (Christophe Marchand-Kiss), Kreativität (Ivan Mijatovic), Kultur (Michale Hutter), Unendlich (Yang Lian), Newness/Neuheit (Pedro Dolabela Chagas), Picturesque/Pittoresk ( Jonathan Hill), Realism/Realismus (Dan Sociu), seltsam (Judith Fischer), Gedicht (Wang Jiaxin), Skurril (Kathinka Dittrich van Weringh), Unterirdisch (Fabian Goppelsröder) und Mein Venedig (Alexej Parin). Geschlechtsverkehr (Susanne Heimgartner und Carolyn Sittig) ist auch mit dabei. Nein Verzetteln (Anne Vollenbröker) tun wir uns hier nicht, alle Autoren bleiben bei der Wahrheit (Dirk Schulte), da bleibt kein Zweifel (Matthias Böttger).

Die Sammlung der Beiträge ist so anregend, und die Inhalte weisen weit über dieses Büchlein hinaus. Schon der Videofilm mit > Christophe Marchand-Kiss zeigt, was man in z.B. in der Schule mit kurzen eigenen Texten machen könnte: Laut lesen: Welcher Schüler hat in seiner Schullaufbahn denn mehr als 10 seiner eigenen Texte laut vorgelesen? Ein Buch ist doch dann richtig gut, wenn der Leser darüber hinausgehen gehen will, dazu angeleitet wird, die eigene Phantasie zu nutzen, um neue Horizonte zu entdecken. Das Buch und seiner Autoren schärfen die Sinne für manches Selbstverständliches. Natürlich fordern einige Beiträge zum Widerspruch heraus, sie sind zu kurz, oder zu lange, oder treffen vielleicht nicht den Punkt. Aber solche Beiträge braucht das Buch wie die Suppe das Salz. Und Ihre persönliche Auswahl? Wahrscheinlich wird die ganz anders. Aber wie gesagt, beim S-Bahnfahren schafft man je nach Reiselänge 5-8 Beiträge, das Vorbeifahren an einer Station miteingerechnet. Wenn Sie das Buch auswendig können ganz durchgelesen haben, werden Sie vielleicht anfangen, Ihre eigene Liste von sperrigen Wörtern aufzulegen. Meine Sperrigen Wörter: Strukturreform (man refomiert die Struktur und belässt es dabei, passt immer?), pour-soi Sartre), Überwerfungsbauwerk, (wo? was ist das?), (à suivre)

< Heute abend ins Literaturhaus! Wir sehen uns? Heute abend, Dienstag, 2. November 2010, um 20 h lesen > Yang Lian, Nora Iuga, Pauls Bankovskis, Paola Balzarro ihre Beiträge aus dem Lexikon der sperrigen Wörter und am Dienstag, 9.11. um 20 Uhr lesen > Anja Utler, Sabine Peters, Grazia Pergoletti, Tim Krohn ihre Beiträge.

Florian Höllerer, Jean-Baptiste Joly (Hrsg.)
> Lexikon der sperrigen Wörter
Akademie Schloss Solitude
* Hardcover
* 320 Seiten
* Preis: 24 Euro
* Sprache: 13 Sprachen, alle übersetzt ins Deutsche
* ISBN: 978-3-937158-54-9

Google Street View und die Folgen nicht nur für die Stuttgarter

Aus gegebenem Anlass kommt dieser Beitrag vom 29. August 2010 wieder an die Oberfläche dieses Blogs.

Was werden die Bürger eigentlich sagen, wenn Google oder irgendjemand sonst auf die Idee kommt, die > RFID-Chips der neuen > Personalausweise mit Google Street View zu verknüpfen? Vielleicht auch gar mit Facebook? Dann kann man sich die Bewegungsprofile der Bürger ansehen? Alles Utopie? Nun, RFID-Chips eignen sich für Falschenleergut oder Paketsortierung aber nicht für die Freiheit der Bürger.

Damit > der letzte Blogbeitrag hier über Google Street View nicht ungehörig lang wird, gibt es heute noch eine Anmerkung oder Ergänzung dazu in Form eines neuen Blogbeitrags.

Gerade hat Martin Weigert auf dem Blog netzwertig.com über > Die deutsche Angst in Zusammenhang mit dem Google Street View geschrieben. Und er bringt die Bedenken der Kritiker von Google Street View und gleichzeitig auch die Magenschmerzen vieler Skeptiker ungebremster Web 2.0 Anwendungen ein bisschen ungewollt aber wunderbar auf den Punkt: „Denn“ so Martin Weigert, „demnächst werden sich die Auseinandersetzungen nicht mehr um zwei Jahre alte Fotos von Fassaden und Vorgärten drehen, sondern um technologische, internetgestützte Entwicklungen zur Ortung (à la Facebook Places), Gesichtserkennung und Vorhersagbarkeit von menschlichem Verhalten auf Basis von Algorithmen. Wie sich für all das konstruktive Rahmenbedingungen schaffen lassen sollen, wenn im Unterbewusstsein permanent die Angst nagt, ist mir ein Rätsel.“ Das klingt nach fröhlichem, ungehindertem Datenaustausch jeder Art, nach der Erfüllung alter Menschheitsträume, zeig mir Dein Gesicht. und ich sage Dir, wer Du bist, was Du kannst und was aus Dir wird, zeig auch wo Du bist, und Dein künftiges Verhalten ist glasklar, die Werbung wird Dir sagen, wo es lang geht, Dein Verdienst ist vor dem Eintreffen auf Deinem Konto schon längst für alle möglichen Onlineangebote verplant. Gottseidank empfinden wir noch ein bisschen Angst angesichts digitaler Träume eines neuen Totalitarismus. L’emprise totale sur les consciences, das ist es wovon Weigert spricht, und auf einmal ist die feine neue digitale Welt nicht mehr ganz so lustig.

Weigert findet den augenblicklichen Zweitpunkt für die digitale Machtübernahme günstig: „Der“, so Weigert, „Zeitpunkt für einen allgemeinen Sinnes- und Einstellungswandel in Deutschland könnte besser kaum sein: Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt und Lehrstellen bleiben plötzlich unbesetzt. Ja – womöglich zeichne ich hier gerade ein zu rosiges Bild. Aber vermutlich ist dies genau der Weg, um die hinderliche Furcht zu beseitigen: Sich einfach mal auf die positiven Dinge zu konzentrieren und das Negative nicht so sehr in den Vordergrund rücken lassen.“ Nein, die Angst vor der digitalen Entfremdung, die Bedenken angesichts von elektronisch ausgerechneten und immer völlig falschen Listen der Suchmaschinen, die uns eine digitale Ordnung der Welt präsentieren wollen, die mit der Realität nichts zu tun hat, brauchen wir zum Überleben. Die Gefahr des Datenmissbrauchs durch Zusammenführen aller möglichen Daten steckt in der Büchse der Pandora. Schon heute darf es einem unheimlich werden, denkt man daran, was der Staat und private Unternehmen über uns wissen („Haben sie ein Payback-Karte?“ fragt mein Tankwart bei jeder Füllung), viele Internet-Anbieter gaukeln uns Kostenfreiheit vor und bedienen sich auf geschickt-raffinierte Weise an unseren persönlichen Daten („Bahncard“: Gerade eben kommt ein Mail : „nur noch 5 bahn.bonus-Punkte und Sie haben die nächste Prämienschwelle erreicht.“ = Störung, Werbung, Bewegungsprofil, Register meiner Fahrten), um woanders horrende Kosten sicherlich nicht zu unserem Nutzen einzusparen. Die „Vorhersagbarkeit von menschlichem Verhalten auf Basis von Algorithmen“, das Abgleichen von IP-Adressen, Cookies, Online-Einkäufen, Bewegungsprofilen, Gesichtserkennung, Beurteilungen und Bewertungen und so manch weiterer digitaler Unfug machen mir sehr reale und nicht bloß digitale Angst. Wahrscheinlich wird eines Tages der RFID – Chip missbraucht, um die Werbung in Läden zu steuern, die uns zu Anschlusskäufen verführen soll, weil der Ladencomputer sofort weiß, was wir das letzte Mal gekauft haben.

27. Französische Filmtage in Tübingen und Stuttgart

Das Festival International du Film Francophone startet am 4. 10. und dauert in Tübingen und Stuttgart bis zum 10.11.2010.

Sie brauchen sich für diese Tage nichts anderes vorzunehmen, denn dieses Ereignis im Raum Tübingen-Stuttgart bietet ihnen das größte Schaufenster des frankophonen Kinos im deutschsprachigen Raum und ein volles Kinoprogramm. Das Rahmenprogramm zeigt nicht Filme aus Frankreich, sondern auch aus vielen frankophonen Ländern der Welt: Kanada, Belgien, Schweiz, Afrika. Seit 2005 gehört zum Festival immer ein interssantes Wettbewerbsprogramm mit vielen internationalen Gästen.

> 27. Französische Filmtage in Tübingen und Stuttgart

> Programmheft

„Alle laufen an mir vorbei,“ denkt so mancher Brunnen in Stuttgart. Damit ist es jetzt vorbei

„Alle laufen an mir vorbei,“ so fängt dieses Buch an. Mit dem Durchblättern alleine ist es nicht getan. Henselers Photos sind eine wunderbare Aufforderung ein bisschen bewusster durch unsere Stadt zu gehen. Die Brunnen in Stuttgart sind ein Teil unserer Stadtkultur, eine wichtige Bereicherung so manch eines Platzes in dieser Stadt, die – von Ausnahmen abgesehen – keine so ausgeprägte Platzkultur hat. Die vielen Einzelheiten der Brunnen, ihre künstlerische Gestaltung, der Umgang mit dem Wasser, mal im hohen Bogen, mal plätschernd ist eine Anregung selbst auf Detailsuche zu gehen. Dieses Buch macht Sie zu Liebhabern, so wie Henseler auch einer ist, der hier mit einem echten Geschick genau beobachtet und auf seinen Bildern uns seine Passion vermittelt. Blättern Sie sein Buch durch, 10, 15 Fotos können Sie einem Brunnen zuordnen, mehr schaffen Sie kaum. Und auf seinem Blog > Stuttgarter Brunnen Andreas Henseler die Ursprünge seines Buches dokumentiert.

Andreas Henseler
Schöne Details an Stuttgarter Brunnen
Verlag Monsenstein und Vannerdat
180 Seiten, Oktober 2010
> www.edition-octopus.de

Literaturhaus: Ernst Jünger – Kriegstagebuch 1914-1918

Am Montag, 25.10.10, 20.00 Uhr wird im Stuttgarter Literaturhaus Ernst Jüngers Kriegstagebuch 1914-1918, das in diesem Herbst bei > Klett-Cotta erscheinen ist, im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Julia Encke, Helmuth Kiesel und Michael Klett vorgestellt. Die Veranstaltung wird moderiert von Heike Gfrereis. Es liest: Rudolf Guckelsberger. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und dem Verlag Klett-Cotta. Mit Unterstützung der Péter Horváth-Stiftung

Aus der Programmankündigung: „Anlass des Abends ist die Erstveröffentlichung von Ernst Jüngers Kriegstagebuch (Klett-Cotta, hrsg. von Helmuth Kiesel), ein einzigartiges literarisches und zeitgeschichtliches Dokument, das die Basis von Jüngers berühmtem Frontbericht In Stahlgewittern darstellt. 15 Tagebuchhefte liegen vor, die die Zeit von der ersten Fahrt an die Front am Jahreswechsel 1914/15 bis zu Jüngers letzten Verwundung im August 1918 umfassen: Persönliches steht neben Militärischem, Empfindsames neben Martialischem, Amouröses neben Barbarischem, Anrührendes neben Abstoßendem. Genauestens lässt sich mitverfolgen, wie die Erfahrungen des Krieges von Jünger psychisch verarbeitet und stufenweise literarisiert wurden.“

> Ein Gespräch mit Michael Klett über Jüngers Kriegstagebuch

Literaturhaus Stuttgart

Die 11. Französische Woche 2010 im Großraum Stuttgart und Tübingen

Dieses Jahr ist die Französische Woche – 21. Oktober – 10. November 2010 – angemessenerweise auf fast drei deutsche Wochen ausgedehnt worden. Das Institut français in Stuttgart hat die Federführung übernommen und die Stadt Tübingen und das dortige Institut culturel franco-allemand macht gleich mit.

Ausstellungsführungen, Film, Theater, Lesungen für Kinder und Erwachsene, Musikveranstaltungen, Vorträge, Wirtschaftsthemen, Kulinarisches, Exkursionen, Informationen über Frankreich und Archivbesuche. Frankreich zeigt sich von seinen allerbesten Seiten. Heute gabs eine Führung der Frankreich-Bibliothek des > Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg, wo seit 1948 die deutsch-französischen Beziehungen erforscht werden. Morgen, am Samstag lädt Professor Roland Doschka in seinen Garten nach Rottenburg auf den Spuren von Claude Monet ein. Abends musizieren Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ im Treffpunkt Rotebühlplatz. Im Haus der Geschichte ist am Samstag Em Remes sini Band, die älteste Rockband aus dem Elsass zu Gast. Am Sonntag (24.10) werden deutsch-französische Spuren mit einem Stadtrundgang ausgehend vom Hof des Alten Schlosses untersucht. Um 15 Uhr gibt es dann einen Vortrag „Der Hofdichter des Sonnenkönigs – Molière und Ludwigs XIV.“ im Augustinum Stuttgart-Killesberg. In Tübingen gibt es vom 25. – 29. Oktober 2010 eine > Albert Camus-Woche. Am Montag, 25. 10. geht es nach Lyon: Vortrag im Treffpunkt Senior von 10-12 Uhr. – Am besten laden Sie sich das Veranstaltungsprogramm herunter oder nehmen das gedruckte Programm mit seinen 63 Seiten zur Hand und machen sich Ihren eigenen Besuchsplan.

> Das Programm der 11. Französischen Woche

Noch ein wichtiger Termin zur Vorbereitung der Exkursion der > Freunde des Institut français in Stuttgart ins Elsaß wird Dr. Peter Hölzle am Dienstag, 9. November 2010, im Institut français einen Vortrag halten > Elsass einmal anders.

Klimatische Aspekte bei der Stadtentwicklung von Stuttgart

Fährt man über die Heilbronnerstraße nach Stuttgart hinein, sieht man links den Neubau der Stadtbibliothek. Gleich daneben, etwas weiter Richtung Stadt kommt das Hochhaus der Landesbank Baden-Württemberg in den Blick. Schon wenn man noch an der roten Ampel wartet und von da aus dieses Haus sieht, könnte man den Eindruck gewinnen, irgendetwas stimmt damit nicht.

Sicher, es ist ein beeindruckender Bau, ohne Zweifel gelungen. Es steht vielleicht nicht ganz richtig, müsste es aus Klimagründen und des Luftaustauschs nicht endlich um 90 Grad gedreht werden? Nun, mehr zu dieser Frage und Prinzipielles zum Klima in Stuttgart am am Freitagabend, 15.10.2010, 20 Uhr im > Stuttgarter Literaturhaus? Wir sehen uns?

In der Veranstaltungsreihe: Architektur hat Roland Ostertag Prof. Dr. Jürgen Baumüller (Landeshaupstadt Stuttgart
Amt für Umweltschutz, Abteilung Stadtklimatologie) eingeladen.

Aus der Programmankündigung des Literaturhauses:

„Mögliche Auswirkungen des Klimawandels (Hitze, Hochwasser) konnte man dieses Jahr weltweit beobachten. Stuttgart, die Stadt zwischen Wald und Reben (auch verspottet als Stadt zwischen Hängen und Würgen), hatte aufgrund seiner Lage in dem engen Tal des Nesenbachs und später auch dem des Neckartals schon frühzeitig Probleme mit dem Klima und der Wasserversorgung. Schon im Mittelalter legten die Stuttgarter Wert auf die Luftqualität im »Kessel« und äußerten ihre Sorgen bei Stadterweiterungen. Noch bei der Stadterweiterung 1900 war das Klima war ein großes Thema und hat bis heute die Stadtentwicklung beeinflusst (Rahmenplan »Hanglagen Stuttgart«). Auch in der Zukunft wird es in der Stadtentwicklung einen wichtigen Raum einnehmen und dies nicht nur bei den Planungen zu Stuttgart 21.“

Der Vortrag zum Download: > Das Klima in Stuttgart *.pdf 1 MB

Veranstalter: Architekturforum Baden-Württemberg
Eintritt frei

„Was ist eigentlich los in Stuttgart?“

… fragte der Stuttgarter Verleger Michael Klett unter der Überschrift > „Fliegt hier bald alles in die Luft?“ in seinem Artikel, den die FAZ am 14. Oktoiber 2010 veröffentlicht hat: „Eine schlüssige Antwort kann ich nicht geben, das Projekt ist komplex, das Protestgeschehen kompliziert, die Stimmung diffus, die evidenten Vorzüge für Fern- und Durchreisende, die der neue Bahnhof besorgt, überhaupt eine signifikante Verbesserung der Mobilität stellen die Frager nur unvollkommen zufrieden,“ stellt er fest und berichtet von einem ausführlichen Spaziergang mit seinem Großvater Ernst Klett um 1950 durch die Stadt Stuttgart: „Hier vor dem Bahnhof erzählte er (i.e. Ernst Klett, w.) von der Verlegung der Hauptstation vor dreißig Jahren, also im Ersten Weltkrieg, vom Königsbau zum aktuellen Platz. Plötzlich begann er heftig zu räsonieren, man habe wie so oft in Schwaben wieder einmal zu kurz gegriffen, der Stuttgarter Bahnhof hätte gleich an den Neckar gehört, das wäre der große Wurf gewesen, und damit hätte man der Talenge Raum für die Entwicklung der Stadt gegeben.“ In der Tat gab es vor 200 Jahren einmal Überlegungen den Schwerpunkt der City an den Neckar zu verlagern. dann hätte sich dort später vielleicht ein Durchgangsbahnhof entwickeln können.“ Die Situation zwischen Befürwortern und Gegner ist ziemlich verfahren: „Gegenwärtig lassen sich markante Hilflosigkeiten im politischen Management ausmachen, und erst die große Demonstration am 30. September, die die Niederlegung der Platanen zum Anlass hatte, erwies sich als ein Schock, der alle Beteiligten zur Besinnung bringen könnte.“ Und Michael Klett erinnert an die Verantwortung der Beteiligten und besonders der Medien: „Parteien, die an außerparlamentarischem Aufruhr mitsteuern, aber auch die Medien tun gut daran, ein wachsendes Risiko ins Auge zu fassen, das in einer Anarchisierung allseits gerühmter demokratischer Errungenschaften, in einer Beschädigung der Zivilgesellschaft besteht.“

Nachgefragt: Alan Pauls, Die Geschichte der Tränen


Gestern hat hat > Alan Pauls im Rahmen der Veranstaltungsreihe Argentinien im Stuttgarter Literaturhaus aus seinem jüngst bei Klett-Cotta erschienenen Band > Geschichte der Tränen gelesen. Am Tag vorher habe ich sein Buch gelesen, bis zur Seite 35 sogar zu Hause laut vorgelesen. Eine (frei nach Flaubert) > „Maulprobe“, die – weil so lang – so erfolgreich verlief. Aufhören musste ich nur wegen der vorgerückten Stunde. Gestern abend gab es eine Gelegenheit zu einem > Gespräch mit Alan Pauls und ich konnte die Fragen auf meinem Notizzettel stellen.

Alan Pauls
> Geschichte der Tränen
Roman, aus dem Spanischen von Christian Hansen
Orig.: Historia del llanto
1. Aufl. 2010
143 Seiten
ISBN: 978-3-608-93710-7

Auch bei Klett-Cotta: > Alan Pauls, Die Vergangenheit

Der Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs

Der Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs steht noch, zumindest mit seinen Außenmauern, seinen > Denkmalschutz hat er aber vielleicht schon verloren. Sein Erhalt sollte Befürworter und Gegner von S21 gleichermaßen interessieren, weil er das Objekt ist, das einen kleinen aber wichtigen Teil die Verhandlungsmasse repräsentieren könnte, über die beide Seiten jetzt sprechen sollten. Der Südflügel darf nicht auf ein Gebäude reduziert werden, dass im Augenblick nur im Weg steht. Sein Abriss wäre ein unwiederbringlicher Verlust. Nachdem jetzt der Aufschub für seinen Abriss angekündigt wurde, darf man doch hoffen, dass in seinem Innern noch alles in Takt ist?

Dieter Bartetzko hat heute im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ, 13. 10.2010, S. 32) unter der Überschrift „Denn sie wissen nicht, was sie in Stuttgart jetzt sehen“ an die architekturhistorische Bedeutung des Südflügels des von Paul Bonatz erbauten Stuttgarter Hauptbahnhofs hingewiesen: Nachdem jetzt schon einige der schönen Laubkronen fehlen ist der Blick frei auf die Fassade. Bartetzko schreibt zum Südflügel „dass er ästhetisch und baugeschichtlich ein Gelenkstück des 1914 bis 1928 gebauten Ensembles ist, sieht und weiß kaum jemand.“ Bartetzkos kurzer Artikel liest sich wie eine architekturhistorische Mahnschrift, die die Bedeutung dieses Baus en détail erklärt: „Der Fernblick (d.h. der frei Blick nach em Abholzen der ersten Bäume) macht erkennbar, dass der Architekt Paul Bonatz sich beim Bau dieses Symbols des Fortschritts und der Beschleunigung von einer der ältesten Architekturen der Menschheit inspirieren ließ: den 2800 vor Christus entstandenen steinernen Einfriedungen der Pyramide des Pharaos Djoser in Sakkara. Von ihnen übernahm Bonatz die rhythmische Gliederung in vor- und rückspringende Trakte sowie die zugleich dekorative und den Eindruck der Kompaktheit steigernde Unterteilung durch kolossale Pfeiler-Paare. Gleichsam zur Europäisierung, (wenn nicht gar Germanisierung) ließ er die mächtigen Muschelkalkquader seiner Fassade nicht glatt wie die altägyptischen Steine, sondern nach der Art staufischer Burgen roh behauen.“ Und Bartetzko sagt auch : „Die Zuversicht und die Angst der Moderne, Fortschrittsglaube und die Suche nach Halt in der Geschichte sind – und das ist heute so aktuell wie 1919 – in dem monumentalen Bahnhof Gestalt geworden, insbesondere in seinem Südflügel. Dass dieser nicht, wie die Bahn und die zuständigen Politiker es permanent tun, als belanglose schematische Verblendung von Gleisen und Bahnsteigen abgetan werden kann, liegt auf der Hand.“ Ob der Runde Tisch hier etwas retten kann?

Und am Dienstagabend, 12. 10. 2010, sehen wir uns bei Alan Pauls Geschichte der Tränen im Literaturhaus.

Wie gesagt, am Dienstag, 12. Oktober 2010, sehen wir uns bestimmt um 20 Uhr im Literaturhaus Stuttgart.

Alan Pauls wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe Argentinien aus seinem jüngst bei Klett-Cotta erschienenen Band >Geschichte der Tränen lesen. Der Abend wird moderiert von Joachim Kalka.


Aus der > Programmankündigung des Literaturhauses Stuttgart: „Nach seinem rauschhaften Roman > Die Vergangenheit ist Alan Pauls, der wohl wichtigste argentinische Autor der Gegenwart, mit seiner Geschichte der Tränen zu Gast: Als Kind ist er ein glühender Sozialist im Superheldenkostüm. Und auch später solidarisiert er – der Wand an Wand mit einem militärischen Folterer wohnt – sich heroisch mit den Schwachen und Verfolgten, und dabei weint er gern und viel. Doch als er Jahre später den Putsch gegen Allende im Fernsehen verfolgt, versiegen ihm plötzlich die Tränen. Und verwirrt hält er eine bitterböse Rückschau auf die kuriosen Stationen seiner politischen Prägung. > Die Geschichte der Tränen erzählt eine verstörende Episode der argentinischen Geschichte. Und dabei macht sie, inmitten des lärmenden Getöses der Politik, die leisen Töne des Privaten hörbar.“

In Zusammenarbeit mit dem Verlag > Klett-Cotta
Eintritt: Euro 9,- / 7,- / 4,50

In Kürze erscheint der Lesebericht zu diesem Buch auf dem Blog von Klett-Cotta. Soviel sei schon verraten. Oft verrät das Vorlesen der ersten zwei Seiten eines Buches viel über seinen Stil. Bei diesem Buch habe ich heute abend – nur wegen der vorgerückten Stunde – die „Maulprobe“ – „l’épreuve du gueuloir“ 1 (> Flaubert 2) erst auf Seite 35 aufgehört. Mehr brauche ich eigentlich zu diesem Band nicht zu sagen. Wunderbar geschrieben. Ein Leseerlebnis.
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1. „Je vois assez régulièrement se lever l’aurore (comme présentement), car je pousse ma besogne fort avant dans la nuit, les fenêtres ouvertes, en manches de chemise et gueulant, dans le silence du cabinet, comme un énergumène !“ (Lettre à Madame Brenne, 8 juillet 1876.)

2. > Qu’appelle-t-on le gueuloir de Flaubert ?

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