Ostern 2013 (II)



Die Entscheidung, den TV-Turm auf der Höhe vor Stuttgart wegen Brandschutzproblemen zu schließen, kam so überraschend und schnell, dass man echt Sorge haben muss, dass die letzten Touristen dort oben vergessen werden und nun für lange Zeit von da oben winken werden. Hoffentlich sind alle Besucher vor der Schließung rechtzeitig heruntergekommen.
Eigentlich ist die Schließung sehr schade. Im Herbst waren wir noch dort oben. Am Wochenende nach dem Besuch gleich nochmal. Das Café oben ist klasse. Und dann kam ein Freund aus Frankreich zu Besuch. Wir wieder auf den Turm! Und jedesmal bei nicht so sonnigem Wetter, trotzdem mit guter Sicht, so dass wir jetzt den Höhenhungrigen eine kleine Entschädigung mit 22 Fotos hier anbieten können. Ein perfekter Rundumblick, schöner als jede HHL-Wohnung in Stuttgart.
> www.fernsehturmstuttgart.com/
> http://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgarter_Fernsehturm – Wikipedia
> Fernsehturm dicht – SWR kalt erwischt
> www.stuttgart-tourist.de/a-fernsehturm-stuttgart
22 Fotos (c) H. Wittmann
Ein Klick auf ein Foto, das sich dann auf schwarzen Hintergrund öffnet, mit einem Klick auf den rechten Pfeil geht es weiter.
Für das Fotoalbum. Die Johannes-Kirche am Feuersee in Stuttgart am 25. März 2013:

Ostern kommt bestimmt:

Im Stuttgarter Talkessel ist es eng, deshalb wird jeder Quadratmeter bebaut. Das nennt man Nachverdichtung. Hier eine Erinnerung an das Gebäude das wie ein noch fehlendes Puzzleteil an der Theodor-Heuss-Straße hinter dem Kunstmuseum vor ein paar Jahren passgenau auf ein Grundstück mit einem spitzen Winkel gesetzt wurde:

Die neue Stadtbibliothek hatte leider nur eine kurzen Auftritt.
Schade, schade, kaum hat Stuttgart so ein > Archtitektur-Highlight bekommen, wird es gleich wieder eingemauert.
Wie, man kann doch von der anderen Seite gucken?
Dieser Blick ist schon Geschichte. Schade. Erst bauen und dann schnell zubauen… mit einem Einkaufszentrum und einem Parkhaus, sozusagen als Stuttgarter städteplanerische Antwort auf die Kultur:

Da wächst ein Einkaufszentrum aus dem Boden. So ist das mit der Stuttgarter Nachverdichtung.
> Noch ein letzter Blick auf die Stadtbibliothek
Die Bebauung des Gerber-Viertels neben der ungeliebten > Paulinenbrücke ist stadtarchitektonisch gesehen ein schwerer Fehler, der sich in dieser Stadt nicht wiederholen darf. Die einst darin flanierenden Kunden werden sich an den vielen schönen Vitrinen des > Einkaufszentrums sicher erfreuen können. Dort drinnen wird man von dem Schaden, das das Gerber im wahrsten Sinne des Wortes in Hinsicht auf die Sichtachsen in Stuttgart, die nun einmal zur Identität dieser topographisch so einmalig schöne gelegenen Stadt nichts mehr wissen und sehen. So im Vorbeigehen aufgenommen zeigen die beiden nächsten Fotos, den Horizont mit den Bergen um Stuttgart, die hinter dem Gerber so verschwinden werden, wie St. Maria hinter dem Caleido. Schade. Mit dem Bau dieser Komplexe und mit der Nachverdichtung dieser Stadtquartiere gibt die Stadt viel von ihrer Identität auf. Zubauen ist genauso schlimm wie unbedachtes Abreißen.
> Nachverdichtung in Stuttgart. Noch ist es nicht zu spät
> Nachverdichtung oder Stuttgart wächst zusammen
> Noch ein letzter Blick auf St. Maria
> Ein neues Stadtquartier entsteht
> Eine neues Stadtquartier oder eine Insellösung?
Cana Yilmaz richtet in ihren Bildern die Perspektive auf die Menschen, die sich auf Stuttgarts Straßen und öffentlichen Räumen bewegen und die unterschiedlichen Orte mit Leben füllen. Aber auch auf architektonische Details von Gebäuden, die die Atmosphäre Stuttgarts ausmachen und den Orten eine individuelle Identität geben. Die Fotos von Gründerzeitgebäuden im Kontrast zu Industriebrachen oder Großbaustellen zeugen so vom Wandel des urbanen Lebensraums, der zeitlos und ubiquitär oder ganz individuell gedeutet werden kann.
Ausstellungsort: Universitä Stuttgart – Keplerstr.11 – 70174 Stuttgart – Im Foyer des KI, der
Fakultaät für Architektur – 12.12. – 21.12.2012
Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 12.12.2012, 19 Uhr
Veranstalter: Kunstkreis der Universität Stuttgart
In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Architektur und Stadtplanung
Freuen wir uns alle auf das neue „Gerber“. Dort künden die Bauzäune davon, dass an dieser Stelle Stuttgart zusammenwachse. Haben die Planer wirklich darüber nachgedacht, ob es sinnvoll ist, wichtige Sichtachsen die den Charakter Stuttgarts entscheidend prägen, mit Beton zuzubauen? Der Artikel von Dieter Bartetzko in der FAZ (17.11.2012) „Vor dem Gewinn sind alle gleich“ berichtet über bedenkliche Bautätigkeiten quer durch die Republik, die die Stadtplaner „Nachverdichtung“ nennen.
In Stuttgart wachsen an beiden Seiten der > Paulinenbrücke große Gebäude in den Himmel. Statt abgerissen zu werden, wird die Paulinenbrücke zur Talsohle einer Straßenschlucht. Auf diesem Blog steht noch mehr zum Schandfleck > Paulinenbrücke.
Oder sollen wir uns doch auf das „Gerber“ freuen?

Über neue Einkaufszentren wurde auf diesem Blog auch schon alles gesagt: > Eine neues Stadtquartier oder eine Insellösung? Müssen wir das nochmal wiederholen: > Einkaufzentren sind kein Beitrag zu einer Stadtkultur. Neue Shoppingmöglichkeiten werden uns offeriert. An der Wolframstraße entsteht ein Einkaufsparadies und an der anderen Seite der City entsteht das „Gerber“. Ortsbesichtigung:

Und was verspricht die Werbung auf dem Bauzaun?
Mit einem Klick vergrößern.
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Wenn das „Gerber “ teilweise 8-stöckig aus der Baugrube wächst, wird der für Stuttgart charakteristische Ausblick auf die Hänge verschwinden. Manche mögen das leichtfertig nicht schlimm finden, dennoch hat diese Nachverdichtung der Innenstadt erhebliche Probleme auch für die Luftzirkulation im > Stuttgarter Talkessel. Man konnte bisher im Stuttgarter Stadtgebiet erkennen, dass Bauwerke nicht zu hoch gebaut werden dürfen. Damit scheint Schluss zu sein, die Bauherren scheinen sich duchzusetzen zu können, und es bedarf einer lebhaften Debatte in dieser Stadt, um festzustellen, ob die Nachverdichtung wirklich so ungebremst weiter gehen darf.
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Im Stuttgarter Talkessel ist nicht viel Platz. Die Stadt kann sich zwischen den Hügeln nicht ausdehnen. Also müssen alle eben ein wenig näher zusammenrücken, weil man nicht auf den Hügeln oder gar hinter den Hügeln wohnen. In der Stadtarchitektur gibt es den Ausdruck Nachverdichtung für die Art des Bauens, wie sie in Stuttgart betrieben wird. Haus an Haus, große Abstände wären doch nur purer Luxus. Also nennt man das in der Werbung: „Stuttgart wächst zusammen“.
Das neue Gerber-Viertel wird bald mit acht Stockwerken neben der > Paulinenbrücke aus der Baugrube emporwachsen. Vielleicht wird es innen auch so aussehen, wie das Shoppingcenter gegenüber vom Saarbrücker-Hauptbahnhof, wo es nirgends einen Hinweis auf den Ausgang gibt. Das Gerber-Viertel (YouTube). 1000 m Schaufesterfensterflächen, 75 Läden und 750 Parkplätze verrät das Video: > Das Gerber-Viertel (YouTube). Aber drinnen gibt es nichts mehr, was besonders spezifisch für diese Stadt ist. Einmal drin, soll man freudig ausdauernd flanieren und möglichst dauernd shoppen, das Kaufen steht im Mittelpunkt, und der Kunde soll möglichst lange drinbleiben, nicht mehr an Stuttgart oder sonst etwas denken, nur ans Kaufen. Innen wird ihn ja auch nichts davon ablenken. Ein > Einkaufszentrum wie in Herne, in Gelsenkirchen oder in Passau. > Nachverdichtung ist nichts Neues in Stuttgart.
Aufgenommen vom Fernsehturm aus. Mit einem Klick kann dieses Foto vergrößert werden. (c) Heiner Wittmann, 2012.
> Alles für das Auto: Die Paulinenbrücke
Und dann ist da noch das Caleido auf der anderen Seite der > Paulinenbrücke. Dort ist in den letzten Wochen der Blick auf St. Maria zugebaut worden.
Das Zubauen der Paulinenbrücke – anstatt sie abzureissen und das Quartier grundlegend zu überholen – ist ein großer städtebaulicher Fehler.
Geht man einige Schritte die Immenhoferstraße hinauf, kann man noch die Turmspitze erblicken:
Das ungehemmte Zubauen, das > Fehlen einer wirklichen Platzkultur in dieser Stadt, die respektlose Vernichtung von wichtigen Blickperspektiven, die Nachverdichtung ohne ein wirklich gutes Stadtentwicklungskonzept, der gleichzeitige Bau von zwei Shoppingcenter in Citynähe, die Verwahrlosung der Kronprinzenstrasse, das Zubauen des Quartiers um die neue > Stadtbibliothek zeigen, dass Stuttgart ein echtes Problem mit der Stadtplanung hat. Natürlich war alles offengelegt, die Bürger hatten bestimmt Möglichkeiten, hier und da Einspruch zu erheben, aber die Vielfalt der Bauprojekte erfordert einen Vollzeitjob, um ständig mit Protest bereit stehen zu können.
Warum zwei Shopping-Center? Um die Käufer direkt vor den Toren der City abzufangen? Neue Erlebniswelten bieten? Einkaufszentren sind > die Hölle für die Bürger. Gar nicht mal, weil sie da so viel kaufen dürfen, das soll jeder halten wie er will. Der Film über das Gerber zeigt, wie die Bauherrn ein ganzes Quartier nach ihrem Gusto formieren wollen, und die Stadt lässt das zu. Die > Neue Mitte Ulm ist ein perfektes Beispiel dafür, wie mit einer sachgerechten Bürgerbeteiligung die Stadt repariert worden ist. In Stuttgart beschränkt sich diese Mitarbeit auf Artikel im Amtsblättle. Bürgerforen gab es bisher nur, wenn es gar nicht mehr anders ging. Suchen wir einen anderen Weg für die Stadt.
Ein Gesamtkonzept für die Stadt! Am besten mit dem Beginn einer großen Ausstellung zur Stadtentwicklung, ihren Geschichte und ihren Perspektiven. Das wärs. Und im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht das Modell der Stadt Stuttgart, das Professor Roland Ostertag hat anfertigen lassen. Erst wenn eine solche Ausstellung einige Monate lang gezeigt worden ist, wird das Bewusstein für die Fehler und dann auch für die künftigen Chancen der Stadtplanung in Stuttgart geschärft worden sein. In einer solchen Ausstellung wird man auch einige in und für Stuttgart sehr vorzeigbare stadtplanerische Lösungen zeigen können. Nur eben muss man zur Zeit etwas suchen, um diese in Stuttgart zu finden. Aber der Mut zu einer großen Stadtplanungsausstellung, am besten im Kunstmuseum am Schloßplatz wäre sicher auch ein bundespolitisches Ereignis. Diese Ausstellung könnte von einem internationalen Symposium zur Stadtplanung begleitet werden.
> Ein neues Museum für die Bürger Eine Lehrschau für die Stadtplaner
Alle Fotos auf diesem Blog, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet: (c) Heiner Wittmann.

Stuttgart, Rotebühlstraße, 7. Oktober 2012.