Das Ende von Stuttgart 21… und jetzt?
…wird sich noch lange hinauszögern, jetzt ist 2031 als Termin für die Fertigstellung im Gespräch. Vielleicht einst auch 2041? Wieviele Stunden habe ich im Büro von Professor Roland Ostertag (1931-2018) verbracht! Wie oft haben wir über Stuttgart 21 diskutiert. Und die vielen Stunden, in denen wir die PPT-Datei konzipiert und geschrieben haben, mit der er bei der Schlichtung am 30. November 2010 mit Heiner Geissler versucht hat, ihm und allen Beteiligten, das mit Stuttgart 21 drohende Desaster für die reisenden, für die Stadtplanung und ganz zu schwiegen von den 12-14 Milliarden Euro an Baukosten, die er vorhersagte, mit Nachdruck vor Augen zu führen. Immer wieder erinnerte er an das drohende Fiasko mit S 21: Rede von Prof. Ostertag bei der 241. Montagsdemo.
> Stuttgart 21 – 80 Artikel auf unserem Blog
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Und jetzt? 2031 wird als Zielmarke für Stuttgart 21 genannt und auch dieser Termin scheint keineswegs sicher zu sein. Das Verkehrsaufkommen wird immer größer, allen Versicherungen, dass der kleine schräge Durchgangshaltepunkt unter den Glubschaugen eine Erleichterung für die Reisenden bedeuten würde, glaubt heute niemand mehr. Wird das Projekt 2024 wirklich fertiggestellt werden, wird es ein eindrucksvolles Bauwerk deutscher Ingenieurskunst darstellen, das in allen Reiseführer als bemerkenswertes Highlight der schwäbischen Hauptstadt genannt werden wird. Die Touristen werden in Scharen kommen, steigen aus, drängeln sich auf dem Bahnsteig, bewundern die Architektur und steigen wieder ein, um durch den Tunnel davonzubrausen. Oben bleiben die Stuttgarter mit ihrer tollen topographischen Lage alleine zurück. Die künftige Bahnhofssituation und die so bemerkenswerte Kessellage widersprechen sich.
Stuttgart hatte einen tollen Kopfbahnhof, wo morgens 16 Züge abfahrtbereit stehen können, man schlenderte durch die Halle zum Zug und musste sich nicht, wie künftig nachdem der Tiefhaltestelle einst eingeweiht sein wird, nicht über viele zu enge Rolltreppen in den Kelle quälen…
Oder man kam mit dem Zug in Stuttgart an und spazierte in die Innenstadt, die den Reisende gerne empfängt. Der künftige Tiefhaltepunkt wird diese Anbindung an die Stadt ignorieren. Professor Ostertag sprach oft bei Beurteilungen von Bauwerken davon, wie sie zu ihrer Nachbarschaft sprechen. Um diese Idee wieder aufzugreifen, der Tiefbahnhof weiß nichts von der Innenstadt, da er keinen Bezug zu ihr geschweige denn zu der eindrucksvollen Stuttgarter Topographie hat, die wird in den kilometerlangen Tunneln vor den Reisenden versteckt. Und heute? Seit vielen Jahren und noch viele weitere Jahre müssen die Reisenden lange Umwege in Kauf nehmen, um vom Bahnhofsvorplatz, den hat Stuttgart ja nie gehabt hat, ihre Koffer zu den Gleisen zu ziehen.
> Zur Topographie der Stadt und der Lage des Kopfbahnhofs
Wer auf die Idee kam, den Bahnhof um 90° zu drehen und so die Orientierung des Talkessels hin zum Neckar aufzugeben, hatte von der Topographie der Stadt nichts verstanden. Aber S21 ist ja noch mitten in der Bauphase… ob die Hälfte schon geschafft ist? Da darf man sich schon mal fragen, wie es jetzt weitergeht? Wahrscheinlich werden einst unten die Nahverkehrszüge fahren und der Fernverkehr wird oben in einem renovierten Kopfbahnhof bleiben. In 15 Jahren sprechen wir uns wieder.