In der Staatsgalerie Stuttgart:
Europa lesen – Europa verstehen

Die Podiumsdiskussion zum Thema
Europa lesen – Europa verstehen.Welche Funktion übernimmt Literatur für Europa?.
fand am 5. Mai 2010 in der in der Staatsgalerie Stuttgart statt.

In einem Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Dr. Lerke von Saalfeld gingen die Schriftsteller Martin Page (Frankreich), Cesare De Marchi (Italien), László F. Földényi (Hungarn) sowie der deutsche Autor Hans Pleschinski dieser Frage auf den Grund. Die Gruppe ARCO Trio aus der diesjährigen Kulturhauptstadt Pécs gestaltete den musikalischen Rahmen.

Organisiert wurde die Podiumsdiskussion von der Stuttgarter Vertretung der Vereinigung europäischer Kulturinstitute EUNIC: dem > Institut français, dem > Kulturinstitut der Republik Ungarn, dem Italienischen Kulturinstitut und dem Institut für Auslandsbeziehungen, in Kooperation mit der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.

Die gemeinsame Veranstaltung dieser vier Kulturinstitute ist eine wunderbare Gelegenheit, ihre Kulturprogramme neu zu entdecken.

Welttag des Buches im Stuttgarter Literaturhaus

Mein Buch Nr. 1
Freitag, 23.04.2010, 19.30 Uhr
Cornelia Ewigleben, Ulrich Goll, Anna Katharina Hahn, Richild von Holtzbrinck, Erwin Teufel
Eine Gesprächsrunde anläßlich des Welttag des Buches mit Musik und anschließendem Empfang.
Am 23. April, dem UNESCO Welttag des Buches, sprechen prominente „Lesebotschafter“ über ihr Buch Nr. 1: Prof. Dr. Cornelia Ewigleben, Direktorin Landesmuseum Württemberg, Prof. Dr. Ulrich Goll, Justizminister von Baden-Württemberg, Anna Katharina Hahn, Autorin, Richild von Holtzbrinck, Malerin, und Dr. h. c. Erwin Teufel, Ministerpräsident a. D.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Börsenvereins Baden-Württemberg und des > Literaturhauses Stuttgart
Eintritt: EUR 12 (inkl. Imbiss und Getränke)
Kartenvorverkauf ab 29. März in Stuttgart: Buchhandlung Wittwer, Königstraße 30 und in der Buchhandlung im Literaturhaus, Breitscheidstraße 4 (keine telefonische Vorbestellungen!).

Moderation: Stefan Siller
Musik: Lorenzo Petrocca Trio

Mauri Antero Numminen und Martin Heidegger
im Stuttgarter Literaturhaus

Im Rahmen der > Finnischen Nacht im Stuttgarter Literaturhaus gab Mauri Antero Numminem gestern abend ein Konzert.

„Seit bald 50 Jahren steht der Allround-Künstler Mauri Antero Numminen als Sänger, Autor, Komponist und Komiker auf der Bühne. Für das Finnland-Festival der Literaturhäuser präsentiert er zum ersten Mal seine Vertonung der Liebesbriefe von Martin Heidegger und Hannah Arendt. Zur deutschen Kultur hat Finnlands Kultfigur schon lange eine enge Beziehung: Mit unverwechselbarem Akzent und komischer Stimmbruchintonation singt Numminen viele Lieder auf deutsch – „Yes, sir, ich kann boogie“ –, außerdem hat er Gedichte von Heinrich Heine und sogar Ludwig Wittgensteins „Tractatus Logicus-Philosophicus“ vertont.“ (Aus der Ankündigung des Literaturhaus-Stuttgart)

Hier ein kurzer Ausschnitt aus seinem Konzert: Mauri Antero Numminen zitiert eine Passage aus Heideggers Sein und Zeit.

> Mauri Antero Numminem

> Fotoarchiv des Literaturhaus Stuttgart

Straßenbahnen in Straßburg und in Stuttgart

Warum sind die Straßenbahnen in Stuttgart und Straßburg eigentlich so unterschiedlich ? In Stuttgart sind die Einstiege so hoch, weil das vielleicht für den Buckel nötig ist, dort wo sie zur U-Bahn wird. Wie auch immer, in Straßburg passen sich die Straßenbahnen dem Stadtbild an und prägen es mit, in Stuttgart wurde das Stadtbild den Straßenbahnen angepasst. Hohe Bahnsteigsrampen , die wie Panzersperren ganze Straßenzüge verändern und Durchgänge sperren, müssen erklommen werden, von denen man zusehen kann, wie einem der Bus vor der Nase wegfährt. Natürlich kann man da schon ein wenig neidisch in Richtung unserer Partnerstadt Straßburg gucken, die ein wunderbares Tramwaynetz aufgebaut hat. Auch das Bauwerk an der russischen Kirche, liegt da mitten auf der Straße wie ein übergroßer
Lastkahn und ist in seiner Funktion als Zusteigebauwerk nicht zu übersehen. Auch hier wird der Raum nur für die Straßenbahn genutzt. Sie hat sich den Raum untertan gemacht. Will der Fahrgast vielleicht doch lieber mit dem Bus fahren, weil der eher kommt, muss er laufen oder zugucken, wie der Bus auch hier vorüberfährt. Reisen Sie mal mit der Straßenbahn in Straßburg. Dort reisen Sie mit anderen durch die Stadt, in Stuttgart hat die Bahn ihren eigenen Verkehrsraum.

Überhaupt kommen Straßnebahnen in Frankreich wieder mehr in Mode. Wolfgang O. Hugo hat darüber einen Artikel verfasst, der in einem Beitrag > Die Stadtplaner in Frankreich setzen auf die Tram auf dem Frankreich-Blog zum Download bereit steht.

Von Brunnen und Staffeln in Stuttgart

www.stuttgart-brunnen.deAuf seinem Blog zeigt Andreas Henseler > Staffeln und Brunnen in Stuttgart. Nach dem Motto, man sieht nur, was man wirklich weiß, lohnt sich ein Besuch auf seinem Blog. Die Vielfalt der Stadt führt er uns vor. Keinesfalls nur Brunnen und Staffeln, das sind die schwäbischen Treppen, auf denen man die Stuttgarter Hänge rauf und runter laufen oder steigen kann, sondern auch mit einer Liebe zum Detail viele interessante Einzelheiten, die einem im Vorübergehen gar nicht mehr auffallen, die aber dazu beitragen, damit diese Brunnen und die Staffeln so gut in ihre jeweilige Umgebung passen. Kennen Sie den > Gänsepeter-Brunnen oder de Ceresbrunnen? Heute ist es noch wolkenverhangen, also gerade günstig um Henselers wunderbaren Blog anzugucken und sich auf das nächste Besuchswochenende in Stuttgart vorzubereiten. Es soll ja wohl wieder wärmer werden. Dann kann man mal weider den Oberen Rechelenbergweg entdecken.

Will Facebook private Daten weitergeben?

Ergänzt, 18.38

Die Bemerkungen zu sozialen Netzwerken, die auf diesem Blog

> Web 2.0 und soziale Netzwerke

vorgestellt und erläutert wurden, bündelt die Kritik an sozialen Netzwerken, mit denen Facebook, StudiVZ, XING u.a. uns helfen möchten, soziale Beziehungen zu gestalten.

Ein Vortrag auf dem Barcamp in Mannheim 2007:

> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I)
> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (II)
> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (III)
> Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (IV)

Mit der Anmeldung an ein solches Netzwerk unterwirft man sich den Datenschutzrichtlinien, die von diesen Unternehmen, wie jüngst dies Faceboook zu erkennen gegeben hat, jederzeit geändert werden können. Soziale Netzwerke geben Regeln vor, wie man andere Mitglieder kennenlernt, das hat mit dem richtigen sozialen Leben gar nichts zu tun. X ist jetzt mit y verbandelt, befreundet, wie auch immer, wird je nach Einstellung allen (Freunden) mitgeteilt. Hat man eigentlich Lust, sich stundenlang mit der Einstellung seiner elektronischen Existenz zu beschäftigen?

Profile werden automatisch wie bei der Rasterfahndung abgeglichen, neue Kontakte werden vorgeschlagen. Man möge sich vorstellen, wie es wäre, wenn man im Leben nur Gleichgesinnte kennenlernen würde? Und man kann gucken, wer mit wem befreundet ist. Was ist das für ein Begriff von Freundschaft? Natürlich ist der Schatz von privaten Informationen eine Goldmine für die Werbung, eine Riesenversuchung für den Betreiber solcher Seiten, damit Unfug zu Lasten der Nutzer anzustellen.

Jetzt beklagt sich zu Recht die Ministerin für Verbraucherschutz Ilse Aigner über das Ansinnen von Facebook, persönliche Daten der Nutzer von Facebook weiterzugeben:

> Aigner zieht in den Kampf gegen Facebook SPIEGEL online, 5.4.2010

Mag es auch einen vielleicht versteckten Knopf geben, der angeklickt werden kann, um die Weitergabe der Daten zu verhindern; was zählt ist der Versuch von Facebook die Daten seiner Nutzer zu ihrem Nachteil zur Mehrung des eigenen Gewinns auszunutzen.

Man kann natürlich der Ansicht sein, > Es gibt keine private Daten in Social Networks. Aber so einfach kann man oder gar Facebook es sich allerdings nicht machen. Auch im Account von Nutzern soziale Netzwerke, kann es Daten geben, die diese nicht als Daten verstehen, mit denen der Netzwerkbetreiber machen kann, was er will. Das erinnert ja auch an die bekannten Diskussion um Wikipedia. Wer da etwas hineinschreibt, muss es wohl oder übel der Allgemeinheit übereignen, deren Wächter sich sogleich an das Korrigieren und Infragestellen des Textes machen. Wird es in sozialen Netzwerken auch einmal dazu kommen? Wie auch immer, mit seinen Pläne maßt Facebook sich eine Verfügungsgewalt über die Daten seiner Nutzer an, die nicht unbedingt in derem Interesse sein müssen. Diese Diskussion erinnert auch an die Debatte um das > Urheberrecht. Ein Autor sondern jeder von uns, der nicht mehr Herr im Sinne des Urheberrechts des Publikationsortes seiner Texte ist, verliert ein Stück seiner Freiheit. – Möchten wir, dass die Daten unserer Facebook-Accounts mit anderen Daten, die wir gar nicht kennen, verglichen oder abgeglichen werden?

Mehr zu diesem Thema:
> Privatsphäre wird weiter eingeschränkt TAZ 29.3.2010

Gert Fabritius und seine Tagebücher

Im April zeugt Gert Fabritius in Kornwestheim seine Werke.

Die Jubiläumsschau stellt zwölf Tagebücher des Künstlers aus dem letzten Jahrzehnt in den Mittelpunkt. Sie haben bei der Bewertung des Oeuvres des heute 70 jährigen Holzschneiders, Zeichners und Malers bis jetzt kaum Beachtung gefunden, bergen indes den Schlüssel für dessen hochgradig reflektierte Bilderwelt, für die künstlerische Rezeption und den Umgang mit dem europäischen Literaturerbe. > Albert Camus, Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Eugène Ionesco oder aber Oskar Pastior, Erich Fried, Rainer Malkowski und viele andere Dichter und Schriftsteller sind mit kalligrafierten Zitaten in den Tagebüchern festgehalten. Im Zusammenspiel mit den ihnen zugeordneten Bildprogrammen scheinen diese Zitate immer dort als kulturhistorischer Background auf, wo es um das Erschließen und künstlerische Bewältigen menschlicher Daseinsproblematik geht. (Katalogtext)

> www.rotary-es-filder.de/fabritius

Museen der Stadt Kornwestheim
Museum im Kleihues-Bau
Stuttgarter Straße 93, 70806 Kornwestheim
25. April – 16. August 2009
Fr–So 11–18 Uhr
Führungen für Gruppen nach Absprache
Tel.: 07154 / 202 74 01 (Sekretariat)
Fax: 07154 / 202 74 04

Samstag, 27. März, 10.30 Uhr
Das philosophische Café der Anstifter im Hegelhaus

„Verkehr mit der Philosophie ist als der Sonntag des Lebens anzusehen“ Hegel

Besucherinnen und Besucher aus aller Welt kommen in Georg Wilhelm Friedrich Hegels Geburtshaus in der Stuttgarter Eberhardstrasse 53 – mitten im Zentrum – um hier gleichsam einen verwehten Hauch des Weltgeistes zu erhaschen. Damit nun aber Hegels Geburtshaus mehr ist als nur ein Museum, damit es zu einem Ort der philosophischen Anregung und Begegnung werde, damit also der etwas schwach gewordene Hauch des Geistes frischer wehe, haben DIE ANSTIFTER das „Philosophische Café im Hegelhaus“ ins Leben gerufen: Es findet im historischen Gewölbekeller des Hegelhauses statt, dem geeignetsten Ort, um Gedanken zu vertiefen, an Samstagvormittagen von 10.30 – 12.00 Uhr.

Bei Kaffee, Hefezopf und Butterbrezeln werden in zwangloser Runde philosophische Thesen und Argumentationen vorgestellt und erörtert, diskutiert, akzeptiert oder – um einen Ausdruck Hegels zu gebrauchen – dialektisch aufgehoben.

Kostenbeitrag: je 8 EU inclusive Kaffee/Brezeln oder Hefezopf.
Anmeldung nicht zwingend, aber erwünscht.
Frank Ackermann Tel: 0711/612492 oder e-mail: > hegelhaus@web.de

EINLADUNG

Prof. Roland Ostertag:
Beziehungen zwischen Hegels Gedanken und der Architektur.
Vortrag mit Bildern am Samstag, 27.März 2010, 10.30 Uhr im Hegelhaus.

Im Spannungsfeld von seinem Geburtsort (Eberhardstrasse 53 in Stuttgart, geb.1770) bis zu seinem Sterbeort (Kupfergraben 4a in Berlin, gest. 1831).
Das Gesetz der Polarität, dass alle Dinge, Sachverhalte in einem polaren Spannungsfeld angesiedelt sind, ist ein Grundgesetz in uns, um uns, in allen Dingen und Orten. Hegel fordert uns auf, diese Polaritäten zu leben, erleben und in der Dialektik des Dreischritts These – Antithese – Synthese zu überwinden, zu bewahren, auf eine höhere Ebene empor zu heben, eine neue Einheit zu schaffen.

Der Architekt Roland Ostertag ist freier Architekt, war Ordinarius für Entwerfen an der TU Braunschweig und Präsident der Bundesarchitektenkammer. Zahlreiche Preise, Ausstellungen und Veröffentlichungen.
Prof. Roland Ostertag, Gähkopf 3, 70192 Stuttgart, Tel.0711/605337, Fax.0711/ 6074243
STUTTGART – WOHER -WOHIN? Ausstellung zur Stadtentwicklung
Geöffnet: samstags von 11.00 bis 15.00 Uhr

> www.stuttgart-wohin.de

Herman Glaser im Stuttgarter Literaturhaus

Freitag, 19.03.2010, 20.00 Uhr
Veranstaltungsreihe Architektur
DROHT EINE UNBILDUNGSKATASTROPHE?
Hermann Glaser
Vortrag und Gespräch
Moderation: Roland Ostertag

Hermann Glaser spricht zur Situation der ästhetischen Erziehung und kulturellen Bildung. Für ihn bedarf ein demokratisches Staatswesen nichts so sehr wie des informierten, kritischen, insgesamt aufgeklärten Staatsbürgers. Gefahr bestehe jedoch, dass das „Bedürfnis die gesunkene Menschheit unter sein tyrannisches Joch beugt“ und dem Nutzen als dem großen Idol der Zeit „alle Kräfte fronen sollen.“ Auf einer solchen groben Waage habe das geistige Verdienst kein Gewicht mehr und, aller Aufmunterung beraubt, verschwände die Kunst vom „lärmenden Markt des Jahrhunderts“. Was Friedrich Schiller Ende des 18. Jahrhunderts in seiner Abhandlung Über die ästhetische Erziehung des Menschen voraussah, sei zu einer schleichenden, durch Massenmedien beförderten Bedrohung geworden, die attraktiver Gegenmaßnahmen bedürfe: Nicht nur Geld (aber auch dieses), sondern vor allem einen phantasiereich bestückten Werkzeugkasten realutopischer Konzepte.
In Zusammenarbeit mit dem Architekturforum
Eintritt frei

Tolstoi las Tolstoi im Stuttgarter Literaturhaus

Am Donnerstag, 25. Februar 2010, 20 Uhr, lasen im > Literaturhaus Stuttgart Waldimir Tolstoi und Rosemarie Tietze aus Anna Karenina.

Anna Karenina ist eine wundervolle junge Frau. Sie scheint alles zu besitzen, was glücklich macht. Dann tritt der glanzvolle Offizier Graf Wronskij in ihr Leben, und sie opfert alles: den Mann, den Sohn, sogar die Achtung der Gesellschaft, in der sie lebt. Doch ihre bedingungslose Liebe scheitert und führt zu Eifersucht, Hass und Verzweiflung. Die Tragödie einer Frau wird bei Tolstoi zum unerbittlichen Porträt der adligen Gesellschaft im Russland des 19. Jahrhunderts. Zum Auftakt des Tolstoi-Gedenkjahres 2010 (Lew Tolstoi starb vor hundert Jahren, am 20. November 1910) veröffentlicht der Carl Hanser Verlag die erste Neuübersetzung seit rund einem halben Jahrhundert.

Rosemarie Tietze, die ihre Übersetzungen immer wieder „zu einem Kunstwerk eigenen Ranges“ (Begründung zum Voß-Preis) macht, hat dem berühmten Roman eine moderne Gestalt gegeben und es mit Nachwort Kommentaren versehen. Wladimir Tolstoi, Ururenkel des Dichters und heute Hausherr in > Jasnaja Poljana, dem ehemaligen Landgut der Familie und jetzigen Museum, wird den russischen Text vortragen, und zusammen mit Rosemarie Tietze über Entstehungsgeschichte und Originalschauplätze des Romans berichten wie auch über das heutige Gesicht der Tolstoi-Stätten.

> Das Staatliche Museum und Landgut von Leo Tolstoi “Jasnaja Poljana” – Schade geht nicht auf – vielleicht später.


Größere Kartenansicht

P. S. Die Videoqualität muss noch besser werden, das Einstellen des richtigen Formats ist eine Wissenschaft für sich. Vielleicht hat jemand einen guten Tipp dazu.

Google „Street view“ in Deutschland

[wp-cumulus]

Seit einigen Jahren interessiere ich mich für
> Web 2.0, das sogenannte Mitmachnetz, in dem die Besucher von Website aktiv werden können. Wenn aber Firmen die Arzt und Weise des Mitmachens selber bestimmen und erstmal Daten sammeln, sei das in Form von > urheberrechtlich geschützten Büchern oder Bilder von Häusern, Fakten in Form von Datenbanken schaffen und erst hinterher mehr oder weniger halbherzig über den Nutzen und das Benutzen der Daten sprechen wollen, finde ich das nicht mehr so komisch und auch überhaupt nicht Web 2.0. Man tut erst was, was vielen nicht gefällt, man fragt nicht, und hinterher kann ja der Betroffene sagen, wenn er das nicht will: aber man fährt ja auch nicht einfach so bei Rot über eine Ampel und guckt hinterher, ob das jemanden stört.

> 26. April 2009: Tag des geis­ti­gen Ei­gen­tums

> Urheberrecht: Digital heißt nicht rechtlos

Panoramafreiheit hin und her, aber alles aufnehmen und daraus Profit ziehen? Alle Beteiligten und die photographierende Firma haben viel davon, nur der Hausbesitzer nicht. Er und sei Anwesen werden von der Gesellschaft, von Firmen und Einzelpersonen ausgespäht. Wie wohnt er? Wo ist sein Anwesen gelegen? Wie liquide ist er? Oder wie liquide ist sein Umfeld? Investoren jeder Art, Immobilienkäufer und Mitinteressenten werden von diesen Strassenbilder angezogen werden und der Anbieter dieser Seiten dreht von sich aus ganze Geschäftsprozesse auf den Kopf. Und das soziale Zusammenleben wird modifiziert: Man guckt mal ins Netz, bildet sich eine Meinung und ist voreingenommen gegenüber den Eindrücken, die die Realität bereitstellt. Und wir müssen uns das ohne Widerrede gefallen lassen. Und Politiker stimmen zu, weil ihnen kaum etwas anderes übrig bleibt.
Eine Firma, die alle Strassen einer Stadt photographiert und deren Bilder im Netz aller Welt zur Verfügung stellt, beeinträchtigt das, was ich in Ermangelung eines wirklich viel schöneren Wortes den öffentlichen Diskurs nennen möchte. Richard Sennett hat die Folgen einer solchen Entwicklung in seinem Buch Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität, (mit dem viel besseren Originaltitel The Fall of Public Man), Frankfurt/M. 1983, wunderbar auf den Punkt gebracht. (Vgl. > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (III), wo ich anlässlich eines Vortags auch dieses Buch zitiert habe). Die unangefragte Veröffentlichung dieser Bilderserien, haben mit dem Grundgedanken von sozialen Netzwerken gar nichts zu tun, sondern tragen zum Niedergang der Öffentlichkeit gerade durch die Vorspiegelung der Öffentlichkeit erheblich und entscheidend bei. Je mehr gemeinsame Identität festgestellt oder entwickelt wird, je gleicher alle werden, so möchte man hinzufügen, so unmöglicher wird die Verfolgung gemeinsamer Interessen, erklärt Sennett (S. 295). Diese große Firma hätte Ihr Projekt auch in irgendeiner Form des Mitmachens gestalten können; wie, darüber müssen wir uns ja keinen Kopf zerbrechen.
Die Modifizierung des öffentlichen Diskurses, damit meine ich das Einwirken auf die Art und Weise, wie wir Entscheidungen vorbereiten, soziale Kontakte knüpfen oder gar Informationen bewerten, nimmt diese Firma, die so viele Städte vollkommen ablichtet, uns aus der Hand. So wie in den Suchergebnissen, die Suchenden sich dran gewöhnt haben, die ersten Einträge als relevant zu beurteilen, was nur selten wirklich der Fall ist, berücksichtigt man alle Ergebnisse, die nicht betrachtet werden, so ist auch das Betrachten dieser Bilderserien ganzer Strassenzüge eine Verarmung für denjenigen, der sich nach diesen visuellen Eindrücken begnügt. Das ist so, als wenn man immer mit einem Knopf in jedem Ohr durch die Strassen läuft. Man nimmt nicht am sozialen Leben teil. Eine Stadt lebt auch von ihren Geräuschen, von den Menschen die sich in ihr bewegen und von den Eindrucken, die der Flaneur in ihr sammelt.

So kann man es auch sehen:
> Das Schlendern im virtuellen Raum
Von Norbert Wallet, Stuttgarter Nachrichten, Berliner Redaktion,

Die Bilderserien nehmen uns alles, was das Flanieren ausmacht. Schicken Sie 10 Photographen in die gleiche Strasse, jeder macht andere Aufnahmen, ja, das sind ganze andere Strassen, die sie photographieren. Die Strassenfotoseite für alle macht die Strassen für alle gleich.
Was würde mir ein Stuttgarter Hausbesitzer erzählen, wenn ich sein Haus hier abbilden würde und alles das zusammentragen würde, was beim Betrachten seines Hauses auf der geplanten Bilderstraßenseite auffallen würde? In welchen Bauzustand sein Haus ist, wie vermögend er erscheint, wo sein Haus liegt, wie seine Umgebung einzuschätzen ist, etc.? Er würde mich wahrscheinlich und zu Recht fragen was das solle….
Und dann ist da noch die Verknüpfung der Daten, E-Mail, Potential der Website in Form von Analysetools, Speicherung der besuchten Websites, Speicherung der eingegebenen Suchbegriffe, Nutzung aller Zusatztools, Speicherung der gesuchten Buchtitel, diese Firma kann komplette Biographien ihrer Nutzer automatisch verfassen. Irgendwann bekommt man keine Suchergebnisse mehr, weil die letzte Downloadrechnung nicht bezahlt wurde.

> Faszinierende Bilder auf Kosten der Privatsphäre

> Google Street View Auto in Stuttgart-West

> Bürgerinformation zu Google Street View Landeshauptstadt Stuttgart

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