Über das Erinnern und das Vergessen in Stuttgart
Sei wahrhaftig gegenüber der Vergangenheit

Literaturhaus Stuttgart
Freitag, 09.07.2010, 20.00 Uhr
SEI WAHRHAFTIG GEGENÜBER DER VERGANGENHEIT
Wolfgang Höper, Roland Ostertag
Veranstaltungsreihe ARCHITEKTUR
Vortrag, Lesung, Gespräch

Der Architekt Roland Ostertag spricht über Orte als „begehbares Gedächtnis“. Wolfgang Höper, Staatsschauspieler, lässt in einer Lesung Dichter zu Wort kommen, die sich über Erinnerung und Gedächtnis Gedanken gemacht haben. »Die unverwechselbaren Orte einer Stadt, die im kollektiven Gedächtnis niedergelegte erinnerte Vergangenheit, sind die besten Begleiter einer Gesellschaft. Leonardo da Vinci fordert uns auf, bei unserer Erinnerungsarbeit wahrhaftig gegenüber der Vergangenheit zu sein. Zu beobachten ist indes zunehmend ein Verlust des Gedächtnisses, das Schwinden der Orte, der Stätten. Wir putzen alles sauber, das »begehbare Gedächtnis« wird immer ärmer, die Erinnerungsfähigkeit geht verloren. Da wir vergessen haben, dass Menschen aus Bildern bestehen, muss die Zivilisation des Erinnerns wieder erlernt werden. Dabei helfen uns die Dichter mit ihren verdichteten Wahrheiten.« (R. Ostertag)

In Zusammenarbeit mit dem Verein Zeichen der Erinnerung und dem Architekturforum

Eintritt frei

Wie geht es mit der deutsch-französischen Freundschaft weiter?

In der Stuttgarter Stadtbücherei (Max-Bense-Saal) findet am Mittwoch, 7. Juli, 19.30 Uhr, unter dem Titel Deutsch-französische Wechselwirkungen
eine Podiumsdiskussion: Wie weiter mit der deutsch-französischen Freundschaft? statt:

Anlässlich des Erscheinens des „Handwörterbuchs der deutsch-französischen Beziehungen“ diskutieren Prof. Dr. Oscar W. Gabriel (Universität Stuttgart), Astrid Kufer (Herausgeberin des „Handwörterbuchs der deutsch-französischen Beziehungen“) und Gérard Foussier (Redakteur der deutsch-französischen Zeitschrift „Dokumente“): Wie wird, wie kann, wie soll es weitergehen mit der deutsch-französischen Freundschaft? Eine Veranstaltung des IZKT der Universität Stuttgart, gefördert von der DVA-Stiftung

Astrid Kufer, Isabell Guinaudeau, Christophe Premat (Hrsg), Handwörterbuch der deutsch-französischen Beziehungen, Nomos, Baden-Baden 2009, 245 S., Broschiert, 24,- € ISBN 978-3-8329-4807-8

> Rezension

PC: Die perfekte Hilfe

Durch ein dummes Missgeschick hatte ich etwas an meinem PC kaputt gemacht. Und offline ist nun wirklich kein schöner Zustand, und dann auch noch die Sorge um die Daten.

Nichts ging mehr. Aber > notebook4all (Hauptstr. 91, 70563 Stuttgart-Vaihingen) hat mir wie kurz nach Weihnachten wiederum prächtig geholfen. Ich durfte letzten Mittwoch gegen 13 h anreisen. Der Techniker guckte mal rein, schraubte hier und da ein bisschen, holte ein Ersatzteil, dann noch eins, und kurz darauf durfte ich mit dem PC wieder abreisen. Einfach klasse.

> Viren und andere Gemeinheiten

Der neue Stuttgarter Hauptbahnhof
Bauen ohne Bürgerbeteiligung. Geht das gut?

Am 30.5. 2010 berichtet Thomas Faltin in der Stuttgarter Zeitung über „Planung des neuen Hauptbahnhofs“ > Bürger dürfen sich nicht beteiligen.

Die Bahn AG und die Stadt Stuttgart wollen keine Bürgerbeteiligung zum neuen Hauptbahnhof. Das kam bei einem Gespräch heraus, an dem Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, die Bürgermeister Matthias Hahn und Dirk Thürnau, der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Drexler sowie Ortwin Renn von der Universität Stuttgart teilgenommen haben. Die Stadt Stuttgart will lediglich die Planungen zur Innenstadterweiterung, die ab 2019 auf dem Gebiet der heutigen Gleisanlagen stattfinden soll, nachdem das denkmalgeschützte Überwerfungsbauwerk verschwunden sein wird, mit den Bürgern zu besprechen.

Die Lage ist äußerst fatal. Man versucht eine bessere Kommunikationspolitik, und man macht genau jetzt dem Bürger klar, dass seine Meinung beim Bahnhofsprojekt unerwünscht ist. Das ist schade, und das verstärkt den Eindruck, dass die Bauherren versuchen, schnell noch ein paar Fakten zu schaffen, bevor ihnen die Kosten, die Wählerstimmen und die Zustimmung der Befürworter davonlaufen.

Selbst die Website Das neue Herz Europas ist heute schon veraltet: > 22.04.2010 – Landgericht Stuttgart vertagt Urteil zum geplanten Abriss der Seitenflügel des Bonatzbaus (Noch am 30.5., 19 h online) ?? Ist den Bauherrn das jüngst ergangene Urteil des Landgerichts doch irgendwie peinlich? Vielleicht möchten sie das auf ihrer Website gar nicht kommentieren, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie wollten wirklich demnächst die denkmalgeschützten Seitenflügel abreißen. Das Gericht hat ja die Verletzung des Denkmalschutzes erlaubt. Man muss ja auch nicht alles verstehen, aber irgendwie scheint das Denkmalschutzgesetz für den > Stuttgarter Hauptbahnhof und seine Umgebung nicht zu gelten: DSchg: § 1, Abs. 1: „(1) Aufgabe des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege ist es, die Kulturdenkmäler (§ 3) zu erhalten und zu pflegen, insbesondere deren Zustand zu überwachen, Gefahren von ihnen abzuwenden und sie zu bergen.“ Auf der Website Das neue Herz Europas steht davon nichts. Man scheut wohl die Auseinandersetzung über das Thema und möchte das auch nicht den Befürwortern zu nahe kommen lassen. Oder?

Aber schon vor dem Urteil stand auf der Website unter einer der > „zehn wichtigsten Fragen“ als Frage 5: „Wird der Stuttgarter Bahnhof abgerissen?“ Und die Antwort lautet: „Nein, der denkmalgeschützte Stuttgarter Hauptbahnhof (Bonatzbau) bleibt erhalten.“ Und im zweiten Satz der Antwort steht: „Entfernt werden nur die Seitenflügel, die mit dem neuen Durchgangsbahnhof ihre Funktion verlieren.“ Da gibt es für die Öffentlichkeitsarbeit der Bauherren viel zu tun, um solche Aussagen verständlich zu machen. Die Seitenflügel verlieren keineswegs ihre Funktion, sie stehen im Weg. Eigentlich nur Teile von ihnen, aber sie sind mit den neuen An- und Unterbauten nicht kompatibel, also werden sie abgerissen. Und wann werden uns die Bauherren erklären, dass der Bahnhofsturm und der Rest des Bonatzbaus wegen der fehlenden Seitenflügel oder wegen erhöhten Platzbedarfs des neuen Bahnhofs ihre Funktion verloren haben?

Wie lange werden die Seitenflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs noch stehen?

In der Entscheidung vom 20.5.2010 zeigt sich, dass das > Landgericht Stuttgart keine Gründe sieht, den Abriss der Seitenflügel des Stuttgarter Hautbahnhofs zu verhindern. Möglicherweise wird man nicht mal einen > Bauzaun aufstellen, sondern die Abriss-Bagger kommen vielleicht eines Tages wie damals an der Willy-Brandt-Straße im Morgengrauen, um die Fakten zu beseitigen:

EIn bisschen schuldbewußt sind die Bauherrn schon, da der Abriss der Seitenflügel verniedlicht wird. So schlimm wird es ja gar nicht: „Bonatzbau bleibt vollständig (Hervorhebung w.) erhalten bis auf die Seitenflügel,“ steht auf der Website Das neue Herz Europas: > http://www.das-neue-herz-europas.de/das_bahnprojekt/neue_bahnhoefe/hauptbahnhof_stuttgart/default.aspx. Stimmt ja gar nicht. Es wird ein Rumpfgebäude werden, das nicht nur seiner Teile, sondern auch seiner Funktion beraubt wird. Wird man den Rumpf umgehen müssen, um in den neuen Bahnhof hinunterzusteigen? Immerhin der Rest-Bonatzbau darf stehenbleiben, um, etwa eine Hälfte des neuen Bahnhofdaches zu verdecken. Und in der Architektursprache werden beide Teile die Wölbung über den acht Gleisen mit den schmalen Bahnsteigen und der Bonatzbau stumm sein, weil sie sich nichts zu sagen haben.

Die Betonschneise durch den Teil der Bahnhofshalle, wo heute die Gleise enden, soll weit in den Schloßgarten hineinreichen. Die alten Platanen müssen dem Beton weichen und werden durch mehr oder weniger schnell wachsende Bäume auf dem von Gleisen freigeräumten Schienenfeld ersetzt. Da darf man fragen: Kann man einen Park – fernab der heutigen City – vom Reißbrett bauen? Parks haben eine lange Geschichte, der neue Park wird eine lange Bauzeit haben und zum Durchradeln in die Stadt genutzt werden. Die Gleise abräumen und dort den Park bauen? So einfach ist das nicht. Denn, was passiert mit dem Überwerfungsbauwerk? Es steht doch auch unter > Denkmalschutz, mit dem man es in dieser Stadt offenbar nicht so genau nimmt. Und mit Bezug auf den Bahnhof einschließlich seiner Seitenflügel darf man fragen: Was schützt der Denkmalschutz, die Substanz eines Bauwerkes, wo hört die auf, wo fängt die an? Oder gilt der Denkmalschutz für ein ganzes Bauwerk? Und wie steht es um das Urheberrecht? Gilt es 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers oder verkümmert es langsam? So im Alter von 35 Jahre oder 54 oder 55 Jahren, bis es dann allmählich aufhört? Und die Nachfahren das Erbe schon geteilt und vernichtet haben? Zitat: „Das Erhaltungsinteresse an dem Gesamtwerk Stuttgarter Hauptbahnhof wird durch den Zeitablauf von mehr als 54 Jahren seit dem Tod des Urhebers geschwächt.“ ( > Landgericht Stuttgart, 22.4.2010)

Und was passiert vor dem Bahnhof? Wie wird der neue Bahnhof an die Stadt angeschlossen? Wie steht es um die > Platzkultur in Stuttgart? Aber die Reisenden, die nicht aussteigen müssen, werden von der Stadt nicht viel sehen. Heute kommt man in der Stadt an. Man muss zwar erst durch den U-Bahn-Schacht, bevor sich die Königsstraße vor einem auftut, aber am > Empfangsszenario könnte ja noch gearbeitet werden.

Um was geht es eigentlich? Wie sehen die Seitenflügel aus? Besonders der auf der Seite des Schloßgartens? Gehen wir mal zum Hauptbahnhof und daran entlang.

Eigentlich sollte man vom Ausgang des Hauptbahnhofs auf gleicher Ebene in die Königsstrasse schreiten können, wenn da nicht die vier Fahrbahnen und die Kette wären, die die beiden Fahrtrichtungen voneinander trennt.

Was wird auf dieser Hinweistafel eines Tages stehen, wenn sie eine Gedenktafel geworden ist? Der Hinweis auf den Schloßgarten wird verschwunden sein. Dann steht da vielleicht: Zur neuen Parklandschaft hinter dem Bahnhof. Oder auf dem Schild kann dann lesen: „Ruine des von Paul Bonatz und Friedrich Scholer erbauten Hauptbahnhofs…. Das Mauerwerk aus verschiedenen Natursteinarten betont – Hier braucht man nur ein „e“ anzuhängen, – den monumental-archaischen Eindruck.“

Vorträge in Stuttgart:
Stadt und Bahnhof – was ist von Stuttgart 21 zu erwarten?

17. Mai 2010, 19 h 30
Rathaus Stuttgart, Großer Sitzungssaal

Prof. Dr. Franz Pesch
Stadt und Bahnhof – was ist von Stuttgart 21 zu erwarten?

Der Einbindung Stuttgarts in das Europäische Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn findet Zustimmung unter Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern. Umstritten ist hingegen der neue Tiefbahnhof, dessen Realisierung zu großen Eingriffen in den Schlossgarten und den Bahnhof von Bonatz führen würde. Ausgehend von einer Betrachtung des konfliktreichen Verhältnisses von Stadt und Bahnhof sollen städtebauliche Chancen und Risiken des Stuttgarter Prestigeprojekts abgewogen werden.

Prof. Roland Ostertag
Stuttgart Woher – Wohin?
Städte haben eine Seele, Stuttgart hat eine Seele, Sie wird durch Stuttgart 21
verletzt. Was für eine Stadt, welchen Fortschritt wollen wir?

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