Fußgänger und Straßenbahn

In unserer Partnerstadt Straßburg, beispielsweise auf dem Place de l’Homme de fer wird das Nebeneinander von Fußgängern und Straßenbahn einvernehmlich gelöst. Der Verkehrsraum gehört den Fußgängern, sie bleiben stehen, wenn die Tram freie Fahrt bekommt. Die Bahnsteige sind durch eine minimale Stufe markiert, dies wird durch die sehr niedrigen Einstiegstüren der Bahnen begünstigt.

Wie schon beim (versuchten) Gang über den Wilhelmsplatz gesagt in Stuttgart bestimmen die hohen Einstiegstüren der Straßenbahnen die Anordnung und die Trennung der Verkehrsräume. Die Folgen sind fatal. Es wird nie auf Plätzen, wo solche Straßenbahnen fahren, eine Platzkultur der Begegnung entstehen können. Fußgänger müssen vor diesen gefährlichen Bahnen immer durch allerlei Mobilar in sicherer Distanz gehalten werden.

Oder sie müssen erst vor dem Einsteigen erst auf den Bahnsteig hinaufsteigen. Die Neugestaltung des Daimlerplatzes erforderte wegen der aufwendigen Einsteigestation die Steuerung des Straßenverkehrs um den Platz mittels vier ampelgesteuerten Überwegen.

Wilhelmsplatz: Eine Ortsbesichtigung

Auf den ersten Blick gibt sich die Umsteigestation auf dem Wilhelmsplatz sehr weltstädtisch Ein Glasdach überspannt großzügig die Treppen und Gleise. Ein Überqueren der Gleise zu Fuß ist natürlich nicht vorgesehen und selbstverständlich außerhalb der Überwege auch verboten. Die Einstiegshöhe der Stuttgarter Straßenbahnen bestimmt die Platzgestaltung. Das klingt seltsam, aber weil aufgrund der Höhe der Einstiegstüren die Straßenbahn (nicht nur) auf dem Wilhelmsplatz einen eigenen Verkehrsraum bekommen muß, gilt das dann auch für die anderen Gruppen der Verkehrsteilnehmer. Und weil man die Bushaltstelle auf die andere Seite der Fahrbahn, die Richtung Fellbach führt, verlegt hat, müssen die Busreisenden an der roten Ampel oft zusehen, wie ihre Straßenbahn wegfährt.

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Die Fußgänge haben es am schwrsten auf dem Platz, weil sie eigentlich nicht vorgesehen sind. Überall sind Stangen und Gitter, man darf nur die vorgeschriebenen Wege beschreiten.

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An einer Stelle des Wilhelmplatzes Richtung Uffkirche gibt es sogar ein bißchen Grün. Nur da kann man nicht verweilen, die Fläche ist einfach zu klein.

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Bei der Umgestaltung hat man jede Möglichkeit der Schaffung einer Art von Platzkultur übersehen, es gibt keinen Raum, wo Passanten sich aufhalten können. Sie würden dann meist denen im Weg stehen, die zur nächsten Einsteigestation hetzen.

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Die Wasserteiche wirken wie eine Notlösung und kaum mehr wie eine zusätzliche Absperrung, die die Fußgänger fernhalten sollen.

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Noch ein Blick auf den Platz. Zugegebermaßen aus keiner sehr schönen Perspektive:

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In den nächsten Tagen machen wir hier einen Ausflug in die Partnerstadt Stuttgarts nach Straßburg und gucken uns dort mal zum dort die Verkehrsräume an. Außerdem gucken wir uns noch andere Plätze in Stuttgart wie den Ostendplatz oder den Marienplatz an.

In der Unterwelt am Österreichischen Platz

Der Österreichische Platz ist von oben gesehen eine kreisrunde Autostraße, die irgendwie  an die elektrische Rennbahn erinnert, die ich mir früher immer gewünscht habe. Der Platz besteht nur aus Fahrbahnen, auf denen die Autos umeinanderhersausen. Das einzige Gemächliche sind die Stauzeiten, zu denen die Autos im Kreisverkehr warten und warten. Die Platzmitte, wo andere vielleicht, wenn man ihnen von einem Platz berichtet, Bänke und Bäume erwarten, ist gar nicht da. In der Mitte gibt es ein großes Loch. In Giessen nennt so ein ähnliches aber kleineres Gebilde schon lange Elefantenklo, das dort steht, wo früher das Selterstor stand. Aber noch was macht aus dem Österreichischen Platz etwas ganz anderes: Als Fußgänger kann man gar nicht über den Platz gehen, geschweige denn mal einfach drumherumschlendern. Die Stadtplaner haben damals die Fußgänger schlicht vergessen. Aber allmählich entdeckt man den Flaneur in Stuttgart wieder und man hat ja kürzlich schon zwei Überwege über die Haupststätter Straße gebaut.

Aber was ist eigentlich unter dem Platz?

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Düster nicht? Nachdem ich wieder eine Treppe in die Oberwelt gefunden hatte, noch ein letzter Blick auf den Platz, oder Kreisverkehr, Autoplatz, Stadtstraße, Platzüberführung, wie auch immer:

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Und demnächst versuchen wir  nochmal über den Wilhemsplatz  in Bad Cannstatt zu gehen.

Das ist eine Stilfrage

Als wir am Sonntag über den wieder so fein aufgräumten Schloßplatz gingen, fragte mich ein Freund, was das wohl für ein Baustil ist, und zeigte auf den Königsbau.

Betrachtet man das neue Einkaufszentrum von 2005, das eine überdimensionierte Kuppel trägt, zusammen mit dem Königbau von 1860, dann ist es offensichtlich, daß die beiden Stile überhaupt nicht zusammenpassen, weder von der Größe, noch von den Proportionen, da paßt überhaupt nichts. „Beide Gebäude sprechen nicht zueinander,“ würde ein Architekt sagen. Man kann nur eine Art von Suttgarter Stilmischung erkennen. Ist halt so, in Stuttgart werden die Häuser immer ziemlich eng zusammengebaut. Da kommen demnächst auch noch ein paar schöne Beispiele.

Der Knopfdruck

Letzte Woche wurden auf der Hauptstätter Straße zwei neue Überwege eingerichtet. Ob ein einziger Knopfdruck wirklich genügen wird, um > alle Autos anzuhalten? Eigentlich ist die Idee der beiden Überwege, einer von beiden zwischen der Leonhardskirche und der Innenstadt, einer in der Nähe Österreichischen Platzes prima, weil die Stadtteile, die durch die Schnellstraße willkürlich getrennt wurden, nun wieder verbunden werden.

Die > Autos brausen hier immer zu schnell und stehen dann an beiden Enden der Schnellstraße fast immer im Stau. Aber jetzt gibt es den > Knopfdruck.

Der Wilhelmsplatz

Vor einigen Jahren wurde der Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt umgestaltet. Eine aufwendig gestaltete glasüberdachte Haltestellenanlage wurde errichtet, die Busspuren wurden verlegt. Die Fußgänge erhielen neue Überwege zugewiesen, möchte man sagen, wenn man die vielen Metallstangen sieht. Alle Verkehrseilnehmer haben ihre eigenen Räume und sind fein säuberlich voneinander getrennt. Muß das so sein? Bevor wir darüber weiter nachdenken, ist es nun erstmal mal Zeit für eine Ortsbesichtigung. Wir haben uns den Platz von verschiedenen Seiten aus angesehen. Und die Ergebnisse werden wir hier demnächst vorzeigen, um dann den Platz mit denen in anderen Städten zu vergleichen.

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