Der neue Stuttgarter Hauptbahnhof
Bauen ohne Bürgerbeteiligung. Geht das gut?

Am 30.5. 2010 berichtet Thomas Faltin in der Stuttgarter Zeitung über „Planung des neuen Hauptbahnhofs“ > Bürger dürfen sich nicht beteiligen.

Die Bahn AG und die Stadt Stuttgart wollen keine Bürgerbeteiligung zum neuen Hauptbahnhof. Das kam bei einem Gespräch heraus, an dem Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, die Bürgermeister Matthias Hahn und Dirk Thürnau, der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Drexler sowie Ortwin Renn von der Universität Stuttgart teilgenommen haben. Die Stadt Stuttgart will lediglich die Planungen zur Innenstadterweiterung, die ab 2019 auf dem Gebiet der heutigen Gleisanlagen stattfinden soll, nachdem das denkmalgeschützte Überwerfungsbauwerk verschwunden sein wird, mit den Bürgern zu besprechen.

Die Lage ist äußerst fatal. Man versucht eine bessere Kommunikationspolitik, und man macht genau jetzt dem Bürger klar, dass seine Meinung beim Bahnhofsprojekt unerwünscht ist. Das ist schade, und das verstärkt den Eindruck, dass die Bauherren versuchen, schnell noch ein paar Fakten zu schaffen, bevor ihnen die Kosten, die Wählerstimmen und die Zustimmung der Befürworter davonlaufen.

Selbst die Website Das neue Herz Europas ist heute schon veraltet: > 22.04.2010 – Landgericht Stuttgart vertagt Urteil zum geplanten Abriss der Seitenflügel des Bonatzbaus (Noch am 30.5., 19 h online) ?? Ist den Bauherrn das jüngst ergangene Urteil des Landgerichts doch irgendwie peinlich? Vielleicht möchten sie das auf ihrer Website gar nicht kommentieren, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie wollten wirklich demnächst die denkmalgeschützten Seitenflügel abreißen. Das Gericht hat ja die Verletzung des Denkmalschutzes erlaubt. Man muss ja auch nicht alles verstehen, aber irgendwie scheint das Denkmalschutzgesetz für den > Stuttgarter Hauptbahnhof und seine Umgebung nicht zu gelten: DSchg: § 1, Abs. 1: „(1) Aufgabe des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege ist es, die Kulturdenkmäler (§ 3) zu erhalten und zu pflegen, insbesondere deren Zustand zu überwachen, Gefahren von ihnen abzuwenden und sie zu bergen.“ Auf der Website Das neue Herz Europas steht davon nichts. Man scheut wohl die Auseinandersetzung über das Thema und möchte das auch nicht den Befürwortern zu nahe kommen lassen. Oder?

Aber schon vor dem Urteil stand auf der Website unter einer der > „zehn wichtigsten Fragen“ als Frage 5: „Wird der Stuttgarter Bahnhof abgerissen?“ Und die Antwort lautet: „Nein, der denkmalgeschützte Stuttgarter Hauptbahnhof (Bonatzbau) bleibt erhalten.“ Und im zweiten Satz der Antwort steht: „Entfernt werden nur die Seitenflügel, die mit dem neuen Durchgangsbahnhof ihre Funktion verlieren.“ Da gibt es für die Öffentlichkeitsarbeit der Bauherren viel zu tun, um solche Aussagen verständlich zu machen. Die Seitenflügel verlieren keineswegs ihre Funktion, sie stehen im Weg. Eigentlich nur Teile von ihnen, aber sie sind mit den neuen An- und Unterbauten nicht kompatibel, also werden sie abgerissen. Und wann werden uns die Bauherren erklären, dass der Bahnhofsturm und der Rest des Bonatzbaus wegen der fehlenden Seitenflügel oder wegen erhöhten Platzbedarfs des neuen Bahnhofs ihre Funktion verloren haben?

Vorträge in Stuttgart:
Stadt und Bahnhof – was ist von Stuttgart 21 zu erwarten?

17. Mai 2010, 19 h 30
Rathaus Stuttgart, Großer Sitzungssaal

Prof. Dr. Franz Pesch
Stadt und Bahnhof – was ist von Stuttgart 21 zu erwarten?

Der Einbindung Stuttgarts in das Europäische Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn findet Zustimmung unter Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern. Umstritten ist hingegen der neue Tiefbahnhof, dessen Realisierung zu großen Eingriffen in den Schlossgarten und den Bahnhof von Bonatz führen würde. Ausgehend von einer Betrachtung des konfliktreichen Verhältnisses von Stadt und Bahnhof sollen städtebauliche Chancen und Risiken des Stuttgarter Prestigeprojekts abgewogen werden.

Prof. Roland Ostertag
Stuttgart Woher – Wohin?
Städte haben eine Seele, Stuttgart hat eine Seele, Sie wird durch Stuttgart 21
verletzt. Was für eine Stadt, welchen Fortschritt wollen wir?

In der Staatsgalerie Stuttgart:
Europa lesen – Europa verstehen

Die Podiumsdiskussion zum Thema
Europa lesen – Europa verstehen.Welche Funktion übernimmt Literatur für Europa?.
fand am 5. Mai 2010 in der in der Staatsgalerie Stuttgart statt.

In einem Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Dr. Lerke von Saalfeld gingen die Schriftsteller Martin Page (Frankreich), Cesare De Marchi (Italien), László F. Földényi (Hungarn) sowie der deutsche Autor Hans Pleschinski dieser Frage auf den Grund. Die Gruppe ARCO Trio aus der diesjährigen Kulturhauptstadt Pécs gestaltete den musikalischen Rahmen.

Organisiert wurde die Podiumsdiskussion von der Stuttgarter Vertretung der Vereinigung europäischer Kulturinstitute EUNIC: dem > Institut français, dem > Kulturinstitut der Republik Ungarn, dem Italienischen Kulturinstitut und dem Institut für Auslandsbeziehungen, in Kooperation mit der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.

Die gemeinsame Veranstaltung dieser vier Kulturinstitute ist eine wunderbare Gelegenheit, ihre Kulturprogramme neu zu entdecken.

Welttag des Buches im Stuttgarter Literaturhaus

Mein Buch Nr. 1
Freitag, 23.04.2010, 19.30 Uhr
Cornelia Ewigleben, Ulrich Goll, Anna Katharina Hahn, Richild von Holtzbrinck, Erwin Teufel
Eine Gesprächsrunde anläßlich des Welttag des Buches mit Musik und anschließendem Empfang.
Am 23. April, dem UNESCO Welttag des Buches, sprechen prominente „Lesebotschafter“ über ihr Buch Nr. 1: Prof. Dr. Cornelia Ewigleben, Direktorin Landesmuseum Württemberg, Prof. Dr. Ulrich Goll, Justizminister von Baden-Württemberg, Anna Katharina Hahn, Autorin, Richild von Holtzbrinck, Malerin, und Dr. h. c. Erwin Teufel, Ministerpräsident a. D.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Börsenvereins Baden-Württemberg und des > Literaturhauses Stuttgart
Eintritt: EUR 12 (inkl. Imbiss und Getränke)
Kartenvorverkauf ab 29. März in Stuttgart: Buchhandlung Wittwer, Königstraße 30 und in der Buchhandlung im Literaturhaus, Breitscheidstraße 4 (keine telefonische Vorbestellungen!).

Moderation: Stefan Siller
Musik: Lorenzo Petrocca Trio

Mauri Antero Numminen und Martin Heidegger
im Stuttgarter Literaturhaus

Im Rahmen der > Finnischen Nacht im Stuttgarter Literaturhaus gab Mauri Antero Numminem gestern abend ein Konzert.

„Seit bald 50 Jahren steht der Allround-Künstler Mauri Antero Numminen als Sänger, Autor, Komponist und Komiker auf der Bühne. Für das Finnland-Festival der Literaturhäuser präsentiert er zum ersten Mal seine Vertonung der Liebesbriefe von Martin Heidegger und Hannah Arendt. Zur deutschen Kultur hat Finnlands Kultfigur schon lange eine enge Beziehung: Mit unverwechselbarem Akzent und komischer Stimmbruchintonation singt Numminen viele Lieder auf deutsch – „Yes, sir, ich kann boogie“ –, außerdem hat er Gedichte von Heinrich Heine und sogar Ludwig Wittgensteins „Tractatus Logicus-Philosophicus“ vertont.“ (Aus der Ankündigung des Literaturhaus-Stuttgart)

Hier ein kurzer Ausschnitt aus seinem Konzert: Mauri Antero Numminen zitiert eine Passage aus Heideggers Sein und Zeit.

> Mauri Antero Numminem

> Fotoarchiv des Literaturhaus Stuttgart

Google „Street view“ in Deutschland

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Seit einigen Jahren interessiere ich mich für
> Web 2.0, das sogenannte Mitmachnetz, in dem die Besucher von Website aktiv werden können. Wenn aber Firmen die Arzt und Weise des Mitmachens selber bestimmen und erstmal Daten sammeln, sei das in Form von > urheberrechtlich geschützten Büchern oder Bilder von Häusern, Fakten in Form von Datenbanken schaffen und erst hinterher mehr oder weniger halbherzig über den Nutzen und das Benutzen der Daten sprechen wollen, finde ich das nicht mehr so komisch und auch überhaupt nicht Web 2.0. Man tut erst was, was vielen nicht gefällt, man fragt nicht, und hinterher kann ja der Betroffene sagen, wenn er das nicht will: aber man fährt ja auch nicht einfach so bei Rot über eine Ampel und guckt hinterher, ob das jemanden stört.

> 26. April 2009: Tag des geis­ti­gen Ei­gen­tums

> Urheberrecht: Digital heißt nicht rechtlos

Panoramafreiheit hin und her, aber alles aufnehmen und daraus Profit ziehen? Alle Beteiligten und die photographierende Firma haben viel davon, nur der Hausbesitzer nicht. Er und sei Anwesen werden von der Gesellschaft, von Firmen und Einzelpersonen ausgespäht. Wie wohnt er? Wo ist sein Anwesen gelegen? Wie liquide ist er? Oder wie liquide ist sein Umfeld? Investoren jeder Art, Immobilienkäufer und Mitinteressenten werden von diesen Strassenbilder angezogen werden und der Anbieter dieser Seiten dreht von sich aus ganze Geschäftsprozesse auf den Kopf. Und das soziale Zusammenleben wird modifiziert: Man guckt mal ins Netz, bildet sich eine Meinung und ist voreingenommen gegenüber den Eindrücken, die die Realität bereitstellt. Und wir müssen uns das ohne Widerrede gefallen lassen. Und Politiker stimmen zu, weil ihnen kaum etwas anderes übrig bleibt.
Eine Firma, die alle Strassen einer Stadt photographiert und deren Bilder im Netz aller Welt zur Verfügung stellt, beeinträchtigt das, was ich in Ermangelung eines wirklich viel schöneren Wortes den öffentlichen Diskurs nennen möchte. Richard Sennett hat die Folgen einer solchen Entwicklung in seinem Buch Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität, (mit dem viel besseren Originaltitel The Fall of Public Man), Frankfurt/M. 1983, wunderbar auf den Punkt gebracht. (Vgl. > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (III), wo ich anlässlich eines Vortags auch dieses Buch zitiert habe). Die unangefragte Veröffentlichung dieser Bilderserien, haben mit dem Grundgedanken von sozialen Netzwerken gar nichts zu tun, sondern tragen zum Niedergang der Öffentlichkeit gerade durch die Vorspiegelung der Öffentlichkeit erheblich und entscheidend bei. Je mehr gemeinsame Identität festgestellt oder entwickelt wird, je gleicher alle werden, so möchte man hinzufügen, so unmöglicher wird die Verfolgung gemeinsamer Interessen, erklärt Sennett (S. 295). Diese große Firma hätte Ihr Projekt auch in irgendeiner Form des Mitmachens gestalten können; wie, darüber müssen wir uns ja keinen Kopf zerbrechen.
Die Modifizierung des öffentlichen Diskurses, damit meine ich das Einwirken auf die Art und Weise, wie wir Entscheidungen vorbereiten, soziale Kontakte knüpfen oder gar Informationen bewerten, nimmt diese Firma, die so viele Städte vollkommen ablichtet, uns aus der Hand. So wie in den Suchergebnissen, die Suchenden sich dran gewöhnt haben, die ersten Einträge als relevant zu beurteilen, was nur selten wirklich der Fall ist, berücksichtigt man alle Ergebnisse, die nicht betrachtet werden, so ist auch das Betrachten dieser Bilderserien ganzer Strassenzüge eine Verarmung für denjenigen, der sich nach diesen visuellen Eindrücken begnügt. Das ist so, als wenn man immer mit einem Knopf in jedem Ohr durch die Strassen läuft. Man nimmt nicht am sozialen Leben teil. Eine Stadt lebt auch von ihren Geräuschen, von den Menschen die sich in ihr bewegen und von den Eindrucken, die der Flaneur in ihr sammelt.

So kann man es auch sehen:
> Das Schlendern im virtuellen Raum
Von Norbert Wallet, Stuttgarter Nachrichten, Berliner Redaktion,

Die Bilderserien nehmen uns alles, was das Flanieren ausmacht. Schicken Sie 10 Photographen in die gleiche Strasse, jeder macht andere Aufnahmen, ja, das sind ganze andere Strassen, die sie photographieren. Die Strassenfotoseite für alle macht die Strassen für alle gleich.
Was würde mir ein Stuttgarter Hausbesitzer erzählen, wenn ich sein Haus hier abbilden würde und alles das zusammentragen würde, was beim Betrachten seines Hauses auf der geplanten Bilderstraßenseite auffallen würde? In welchen Bauzustand sein Haus ist, wie vermögend er erscheint, wo sein Haus liegt, wie seine Umgebung einzuschätzen ist, etc.? Er würde mich wahrscheinlich und zu Recht fragen was das solle….
Und dann ist da noch die Verknüpfung der Daten, E-Mail, Potential der Website in Form von Analysetools, Speicherung der besuchten Websites, Speicherung der eingegebenen Suchbegriffe, Nutzung aller Zusatztools, Speicherung der gesuchten Buchtitel, diese Firma kann komplette Biographien ihrer Nutzer automatisch verfassen. Irgendwann bekommt man keine Suchergebnisse mehr, weil die letzte Downloadrechnung nicht bezahlt wurde.

> Faszinierende Bilder auf Kosten der Privatsphäre

> Google Street View Auto in Stuttgart-West

> Bürgerinformation zu Google Street View Landeshauptstadt Stuttgart

Vincent Klink: Sitting Küchenbull

Haben sie schon mal das Vergnügen genossen, im Restaurant Wielandshöhe zu speisen? Dann kam sicher auch Vincent Klink an Ihren Tisch, um zu gucken, ob alles stimmt.

Gestern stand er mit Patrick Bebelaar auf der Bühne des Mozartsaals in Stuttgart, um im Rahmen einer Veranstaltung zusammen mit dem Literaturhaus Stuttgart und dem gestern gegründeten Lions Club im Literaturhaus sein Buch vorzustellen. Gerade ist sein Erinnerungsbuch > Sitting Küchenbull. Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs bei Rowohlt erschienen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus einem vergnüglichen Abend vor vollem Haus:

Les Folies d’Offenbach
Die Eröffnung der 10. Französischen Woche in Stuttgart

Die Solistes de Lyon – haben unter der Leitung von Bernard Tétu und der Regie von Jean Lacornerie gestern mit dem Bühnenspektakel »Les Folies d’Offenbach« bei der Eröffnungsveranstaltung mit Gesang und Theater in die Welt des französischen Komponisten Jacques Offenbach (1819–1880) dem Beginn der der 10. Französischen Woche in Stuttgart den perfekten Schwung verliehen.

> Noch mehr Fotos. Institut français

> Noch mehr Fotos. Frankreich-Blog

Kann man Literatur photographieren?

Und ob! Man kann zusehen, wie die gelesenen und gesprochenen Wörter beim Publikum ankommen:

Manche Autoren lesen schnell, manche bedächtig, manche mit Pausen, und immer kann man beobachten, was das Publikum sogleich aus dem Gehörten macht. Man kann genau sehen, wie das Wort wirkt, guckt der Zuhörer auf, reagiert er? Und dann das Podium! Moderator und Gast, wie reden sie miteinander? Literatur durch die Fotolinse, so wie seit 2001 im > Stuttgarter Literaturhaus! So auch gestern abend, als > James Frey von Daniel Haas, Redakteur von Spiegel Online, befragt wurde. Und dei die Schauspielerin Fritzi Haberlandt hat aus der deutschen Übersetzung von Bright shiny morning (Strahlend schöner Morgen) Henning Ahrens gelesen.

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